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Niedersachsen Karl-Heinz Funke gibt auf
Nachrichten Niedersachsen Karl-Heinz Funke gibt auf
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22:40 27.01.2010
Von Michael B. Berger
Karl-Heinz Funke Quelle: lni

„Was heißt hier unrühmliches Ende eines einst populären Ministers?“, fragt Karl-Heinz Funke (SPD) am Telefon: „Ich habe jetzt genug und gebe alle Ämter ab.“ In einer handschriftlichen Erklärung in neun Sätzen hat am Mittwoch der frühere Bundeslandwirtschaftsminister die Konsequenz aus der sogenannten Silberhochzeitsaffäre gezogen, die den Kreis Friesland auch bundesweit bekannt gemacht hat. Der 63-Jährige erklärte gestern seinen Verzicht auf die Sitze in Kreistag und Rat seiner Heimatstadt Varel – und sorgte damit für Erleichterung in der SPD. „Ich bin froh, dass er sich endlich dazu durchgerungen hat“, sagte der friesländische Kreisvorsitzende Olaf Lies dieser Zeitung: „Sicherlich wäre es auch für ihn besser gewesen, sich früher ganz zurückzuziehen.“

Den wachsenden öffentlichen Druck hätte sich der frühere Landwirtschaftsminister dadurch gewiss erspart. Seit Weihnachten kam er nicht aus den Schlagzeilen heraus. Damals war bekannt geworden, dass der gleichermaßen gebildete wie derbe Politiker sich 2007 seine Silberhochzeitsfeier mit 8000 Euro vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) bezuschussen ließ, dessen Vorsteher er seit seinem Rücktritt vom Bundesministeramt (2001) gewesen war. Als die Vorwürfe vor fünf Wochen bekannt wurden, trat Funke als Vorsteher des OOWV zurück, zahlte die 8000 Euro zurück und gab seinen Dienstwagen ab. Er meinte offenbar, damit die Affäre ausgestanden zu haben.

Doch SPD-Kreisvorstandschef Lies wie auch andere Sozialdemokraten beharrten darauf, dass der in der Region populäre wie auch einflussreiche Kommunalpolitiker ganz aus der Politik aussteigen sollte, während SPD-Landesvorsitzender Garrelt Duin weitgehend auf Tauchstation die Lage verfolgte – mit dem Sehrohr. Die Krisenmanager hatten anfangs die Rechnung ohne Funke wie auch die Vareler SPD gemacht, die sich nur ungern von ihrem „Paten“ verabschiedete – bis Anfang des Jahres (inzwischen ermittelte auch die Staatsanwaltschaft) auch die letzten Bastionen Funkes schwankten.

Dem früheren Minister ist die ganze Sache inzwischen richtig an die Nieren gegangen. „Ich sehe mich mittlerweile nicht mehr in der Lage, mich gegen pauschale Unterstellungen und Verurteilungen zur Wehr zu setzen“, schrieb er am Mittwoch: „Meine Familie wird von Teilen der Medien, z. B. Fernseh-Leuten, geradezu verfolgt.“ Außerdem drohe man ihm öffentlich Parteiordnungsverfahren an. „Drohungen aber akzeptiere ich nicht!“ Dennoch hat Funke gestern seinen Rücktritt erklärt – im Interesse seiner Familie. SPD-Landesgeschäftsführer Michael Rüter spricht von einem „konsequenten Weg“ und ist erleichtert, dass Funke nicht den gegenteiligen Weg gewählt hat: das Parteibuch abzugeben und die Mandate zu behalten.

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