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Niedersachsen JadeWeserPort wird zum Pannen-Hafen
Nachrichten Niedersachsen JadeWeserPort wird zum Pannen-Hafen
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18:09 18.05.2012
Solche Containerbrücken sollte das Schiff bringen. Es konnte noch nicht anlegen.
Solche Containerbrücken sollte das Schiff bringen. Es konnte noch nicht anlegen. Quelle: dpa
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Wilhelmshafen

Beim Bau des ersten deutschen Tiefwasserhafens in Wilhelmshaven tauchen immer neue Probleme auf. Ein Schiff mit vier riesigen Containerbrücken aus China konnte am Freitag nicht anlegen, weil es Probleme mit dem Liegeplatz und der Versicherung gab. Ein Abschnitt des Hafens war für das schwierige Manöver vorbereitet, doch die Versicherung verweigerte die Freigabe. Ein anderer Abschnitt war wegen Sanierungsarbeiten blockiert. So drehte das schwer beladene Schiff wieder ab und blieb zunächst auf See.

Der Geschäftsführer der JadeWeserPort-Realisierungsgesellschaft (JWP), Axel Kluth, äußerte sich überrascht. Die JWP ist der Bauherr des Milliarden-Projekts, für den Betrieb des Hafens hat das Unternehmen Eurogate den Zuschlag bekommen. Geschäftsführer Kluth sagte, es seien 350 Meter Kaje für die Anlandung der jeweils 1750 Tonnen schweren Containerbrücken vorbereitet worden. So sei es mit der Betreibergesellschaft Eurogate abgesprochen gewesen. "Wir haben mehrere Schreiben rausgeschickt, in denen die Standfestigkeit bestätigt wird." Man habe auch angeboten, sich mit Eurogate und der Versicherung an einen Tisch zu setzen, um über die Freigabe zu reden. "Das ist abgelehnt worden", kritisierte der Geschäftsführer. "Wir sind jetzt ein bisschen hilflos."

Auf die Verzögerung habe die JWP als Bauherr keinen Einfluss. Der Chef des Hafenbetreibers Eurogate, Emanuel Schiffer, sprach von einem Desaster. Die Versicherung habe mitgeteilt, dass nur der Kajenbereich bis 400 Meter abgedeckt sei - das ist der Abschnitt, auf dem bereits vier Containerbrücken stehen. Dort konnte das Schiff wegen der laufenden Sanierungsarbeiten aber nicht anlegen. Stattdessen sollte es an einer Stelle festmachen, die von der Versicherung nicht akzeptiert wurde. Gespräche über das Problem mit der JadeWeserPort-Realisierungsgesellschaft als Bauherr seien ergebnislos geblieben.

Niedersachsen Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP), der Vorsitzender des Aufsichtsrats des Bauherrn JWP ist, vermittelte am Freitagnachmittag schließlich eine Lösung. Das Baukonsortium um das Papenburger Unternehmen Bunte habe sich bereiterklärt, die Haftung für die Tragfähigkeit der Kaje zu übernehmen. Wann die Containerbrücken an Land gebracht werden können, konnte Bode aber nicht sagen. Es müsse jetzt erst ein entsprechender Vertrag formuliert werden. "Bei jedem Bauvorhaben gibt es Probleme. Hier haben wir ein Problem das lösbar ist, das lösbar scheint und auch gelöst wird", sagte Bode. Der erste deutsche Tiefwasserhafen soll am 5. August eröffnet werden. Eurogate will seine Anlagen jedoch nur nach ausreichender Erprobung in Betrieb nehmen. Wegen der Schäden an der Spundwand steht das Projekt seit Monaten unter großem Zeitdruck. Eurogate kann bisher nur die ersten 400 Meter der gut 1700 Meter langen Kaje nutzen. dpa