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Niedersachsen In Gorleben werden zu wenig Mädchen geboren
Nachrichten Niedersachsen In Gorleben werden zu wenig Mädchen geboren
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18:43 22.02.2011
Quelle: dpa (Archiv)
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Im Umfeld des Atomzwischenlagers in Gorleben werden deutlich weniger Mädchen geboren als Jungen. Dies geht aus einer noch nicht veröffentlichten Untersuchung von Wissenschaftlern hervor, die der Nachrichtenagentur dpa in Hannover vorliegt. Seit Beginn der Einlagerung 1996 haben demzufolge in den unmittelbar an das Zwischenlager grenzenden Gemeinden Gorleben, Höhbeck und Trebel 120 Jungen und 111 Mädchen das Licht der Welt erblickt.

Während der bundesweite Durchschnitt bei etwa 1055 Jungen auf 1000 Mädchen liegt (Faktor 1,055) liegt, wird rund um Gorleben der Faktor 1,081 erreicht. Seit der Inbetriebnahme des Lagers seien „signifikant“ weniger Mädchen geboren worden, schreiben die Autoren Ralf Kusmierz sowie Hagen Scherb und Kristina Voigt vom Helmholtz-Zentrum München. Je näher sich die Wohnung der Mutter am Lagerbehälterhaus befinde, umso mehr Jungen seien auf die Welt gekommen. „Ich halte dies nicht für einen Zufall“, sagte Kusmierz der dpa.

Zum Vergleich: Zwischen 1971 und 1995 wurden in den drei Gemeinden sogar weniger Jungen als Mädchen geboren (Faktor 0,9). Kusmierz, der bereits vergleichbare Statistiken über das Umfeld von Atomkraftwerken veröffentlicht hat, geht davon aus, „dass sich fruchtschädigende Einflüsse in der frühen Schwangerschaft geschlechtsspezifisch auswirken und insbesondere weibliche Embryone absterben lassen, wodurch bei den Lebendgeborenen der Jungenanteil steigt“.

„Die Zahlen sind äußerst besorgniserregend“, sagte der umweltpolitische Sprecher der Linksfraktion, Kurt Herzog. Die schwarz-gelbe Landesregierung müsse daher schnell handeln: „Ich erwarte, dass jetzt sofort das kleinräumige Monitoring in Angriff genommen wird, das Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) aus Anlass der Krebsfälle in der Asse angekündigt hatte“.

Gemeinsam mit Scherb und Voigt hatte Kusmierz im vergangenen Jahr bereits festgestellt, dass in der Gemeinde Remlingen im Kreis Wolfenbüttel rund um das marode Atommülllager Asse der Jungenanteil unter den Geborenen ebenfalls extrem überhöht ist. Da in der Asse radioaktive Emissionen wie Gase bekannt sind, sei hier ja auch die Ursache erkennbar, sagte Kusmierz. „In Gorleben sind mir die Ursachen jedoch nicht klar.“

Vor kurzem war zudem bekanntgeworden, dass in der Umgebung der Asse doppelt so viele Leukämie- und dreimal so viele Schilddrüsenkrebsfälle wie im statistischen Durchschnitt aufgetreten waren. Eine Arbeitsgruppe versucht seither, der erhöhten Krebsrate auf den Grund zu gehen.

dpa