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Niedersachsen Im Gorleben-Streit wird der Ton scharf
Nachrichten Niedersachsen Im Gorleben-Streit wird der Ton scharf
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Von Michael B. Berger
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff Quelle: lni
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Trittin konterte jetzt: „Ich frage mich, wessen Interessen der niedersächsische Ministerpräsident eigentlich vertritt? Er führt sich als Knecht der Atomindustrie auf und wirbt weiter verbissen um den Atommüll für Gorleben, obwohl doch mittlerweile klarer denn je ist, dass die Erkundung und der vorzeitige Bau eines Endlagers in Gorleben ohne wissenschaftliche Grundlage begonnen wurde. Selbst die damaligen Gutachter hatten einen Standortvergleich empfohlen“, sagte Trittin.

Wulff hatte am Freitag an den im Jahr 2000 von Bundeskanzler Gerhard Schröder und Trittin unterschriebenen Atomkonsens mit den Energieunternehmen erinnert, der auch Aussagen über Gorleben beinhalte. So gebe es keine Einwände gegen die Eignung von Salzgestein für ein Atomendlager, hatte der Ministerpräsident betont. „Auch in Wulffs Munde wird die alte und oft wiederholte Lüge der Atomlobby nicht wahrer“, entgegnete Trittin: Im damals vereinbarten Atomkonsens sei von der Bundesregierung als Prüfauftrag festgehalten worden, auch andere „Wirtsgesteine“ wie Ton und Granit zu untersuchen. Doch die Unionsparteien wie auch FDP und die Atomkonzerne blockierten genau dies, meinte Trittin.

Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) musste zurückrudern. Er hatte daran erinnert, dass in den siebziger Jahren auch andere niedersächsische Standorte im Gespräch waren, etwa im Emsland oder in Bad Zwischenahn. Dies hat lokale Proteste ausgelöst wie auch den Unmut Wulffs. Der stellte klar, dass Niedersachsen über Asse, Schacht Konrad und Gorleben hinaus keinem neuen Endlagerstandort zustimmen werde.

Das Deutsche Atomforum hat unterdessen darauf hingewiesen, dass zur Erkundung Gorlebens der Zeitraum bis zum Jahr 2015 noch reiche – dann laufen Verträge mit etwa 115 Grundstückseigentümern aus, die ihre Nutzrechte an dem unterirdischen Salzstock verpachtet haben.

Unterdessen wurde bekannt, dass es im maroden Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel dreimal so viel Plutonium gibt wie bislang angegeben. Ein Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) bestätigte am Freitagabend einen entsprechenden Bericht der „Braunschweiger Zeitung“. Demnach war die Plutoniummenge in der Asse durch einen Übertragungsfehler bislang deutlich zu niedrig angegeben worden.