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Niedersachsen 103 Menschen an Bord: Letzter Flug aus griechischen Flüchtlingslagern in Hannover gelandet
Nachrichten Niedersachsen

Hannover: Letztes Flugzeug aus griechischen Flüchtlingslagern gelandet

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14:00 22.04.2021
Am heutigen Donnerstag ist vorerst das letzte Flugzeug mit Flüchtlingen aus Griechenland an Bord am Flughafen in Hannover gelandet.
Am heutigen Donnerstag ist vorerst das letzte Flugzeug mit Flüchtlingen aus Griechenland an Bord am Flughafen in Hannover gelandet. Quelle: HannoverReporter.de/imago
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Hannover

Ein letztes Mal hat an diesem Donnerstag ein Flugzeug Geflüchtete aus griechischen Flüchtlingslagern nach Deutschland gebracht. Die Maschine landete 103 Menschen landete am Donnerstag in Hannover, wie das Bundesinnenministerium mitteilte. An Bord saßen den Angaben zufolge 21 Familien mit 48 Erwachsenen und 55 Kindern und Jugendlichen. Zwölf Bundesländer, darunter Niedersachsen, werden sich um ihre Aufnahme kümmern.

Vor rund einem Jahr, am 18. April 2020, landeten erstmals 47 Kinder und Jugendliche, die aus den heillos überfüllten griechischen Flüchtlingslagern auf den Ägäis-Inseln Samos, Chios und Lesbos kamen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) plant vorerst keine weiteren Aufnahme-Programme. Der Sprecher seines Ministeriums, Steve Alter, sagte am Mittwoch auf Anfrage, Deutschland habe sich zur Aufnahme von 2750 Menschen aus Griechenland bereit erklärt. Damit habe Deutschland die Hälfte der unter Koordinierung der Europäischen Kommission gemachten Zusagen übernommen, und „derzeit sind keine weiteren Aufnahmen aus Griechenland geplant“.

Innenminister Pistorius fordert mehr Einsatz

SPD-Politiker sehen das anders. Es sei gelungen, fast 3000 Menschen aus den erbärmlichen Zuständen aus den Lagern auf den griechischen Inseln herauszuholen, sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD). „Deutschland sollte in dieser Frage weiter vorangehen, gerade angesichts der aktuellen Umstände in den Lagern insbesondere nach dem verheerenden Brand im vergangenen September“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Es ist jetzt wichtig, nicht nur selbst etwas zu tun, sondern insbesondere auch die anderen europäischen Staaten an ihre humanitären Pflichten zu erinnern“.

Vor einem Jahr wurden zunächst unbegleitete Minderjährige aus den Flüchtlingslagern geholt, dann behandlungsbedürftige Kinder mit ihren Familienangehörigen und schließlich bereits in Griechenland als schutzbedürftig anerkannte Menschen aufgenommen.

Deutschland habe insgesamt 53 unbegleitete Minderjährige aufgenommen. 16 davon blieben in Niedersachsen. Sie wurden aufgenommen, um ihnen die Durchführung eines Asylverfahrens in Deutschland zu ermöglichen, hieß es aus dem Innenministerium in Hannover.

Erst Quarantäne, dann Unterstützung vom Jugendamt

Die im April vergangenen Jahres in Niedersachsen angekommenen Kinder und Jugendlichen wurden für eine zweiwöchige Quarantäne an einem gut geeigneten Ort betreut und bekamen medizinische und psychologische Hilfe. Danach wurden sie in die Obhut von Jugendämtern gegeben. Dort sei für eine kindeswohlgerechte Unterbringung in geeigneten Einrichtungen oder bei geeigneten Personen gesorgt worden.

Auch 243 behandlungsbedürftige Kinder und deren Familienangehörige – insgesamt 1035 Menschen – wurden nach Deutschland geholt. Davon blieben 71 Personen in Niedersachsen. Für diese Menschen waren zunächst die Erstaufnahmeeinrichtungen der Länder zuständig.

Die Bundesregierung hatte außerdem zugesagt, weitere 1553 Menschen in Griechenland als schutzbedürftig anerkannte Menschen aufzunehmen. Das sind 408 Familien. Sie wurden vor ihrer Verteilung auf die Bundesländer überwiegend zentral in Niedersachsen im Grenzdurchgangslager Friedland aufgenommen.

Nur vier Staaten kommen ihren Versprechen nach

Nicht alle 16 europäischen Staaten, die sich an der Verteilung der Asylsuchenden und Schutzberechtigten beteiligen wollten, haben – Stand heute – ihre Zusagen erfüllt. Dies wurde vor allem mit der Corona-Pandemie begründet. Allerdings war ein negativer Corona-Test auch für die in Deutschland aufgenommenen Flüchtlinge und Migranten aus Griechenland Voraussetzung.

Laut Bundesinnenministerium wurden von den 5200 Menschen, deren Aufnahme in Europa im Frühjahr 2020 zugesagt worden war, bis zum vergangenen Montag 3658 Menschen aufgenommen. Neben Deutschland, das nun den letzten Flug erwarte, hätten lediglich Luxemburg und die Schweiz mit jeweils 20 aufgenommenen Menschen sowie die Niederlande, die 100 Personen aus Griechenland geholt hätten, ihr Versprechen vollständig eingelöst. „Die Bundesregierung erwartet, dass alle Staaten ihrer Zusage schnellstmöglichst nachkommen“, sagte der Sprecher.

Deutschland wolle die griechische Regierung auch in Zukunft bei der Verbesserung der Situation in der Übergangseinrichtung Mavrorouni sowie bei der Errichtung einer neuen Aufnahmeeinrichtung auf Lesbos unterstützen, hieß es aus dem Bundesinnenministerium. Die Aufnahme von bis zu 6800 Ausländern aus humanitären Gründen, beziehungsweise über sogenannte Resettlement-Programme sei in diesem Jahr aus der Türkei, Ägypten, dem Libanon, Jordanien, Kenia und Libyen vorgesehen.

Von RND/lni