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Niedersachsen Hannover: "Doris sacht..." - jetzt Ja zur Politik
Nachrichten Niedersachsen Hannover: "Doris sacht..." - jetzt Ja zur Politik
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23:47 09.01.2012
Will in den Landtag: Doris Schröder-Köpf
Will in den Landtag: Doris Schröder-Köpf Quelle: dpa
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Hannover

Lange hatte Doris Schröder-Köpf das Rampenlicht gemieden, und auch am Montag wollte sie nicht in selbiges treten – noch nicht. Rund 50 Medienanfragen habe es gestern Morgen bereits gegeben, darunter auch Einladungen zu Talkshows, berichtete Stefan Schostok, Chef des SPD-Parteibezirks Hannover. Da war die Meldung erst wenige Stunden alt: Doris Schröder-Köpf, die Frau des Altkanzlers Gerhard Schröder, will für die SPD in den Landtag einziehen. Eine Personalie mit Zugkraft, die aber auch für Irritationen sorgt.

„Das schmückt die SPD“, meinte Schostok. „Wir freuen uns, dass Doris Schröder-Köpf sich so politisch ambitioniert für die SPD zur Verfügung stellt.“ Positive Reaktion auch aus Berlin: „Was mich angeht: Herzlich willkommen“, meinte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles.
„Stark, selbstbewusst, entscheidungsfreudig“, beschreibt der ehemalige Landtagspräsident Rolf Wernstedt die Frau des Altkanzlers. Sie sei nicht nur im SPD-Milieu zu Hause, sondern verwurzelt in der Stadtgesellschaft. „Eine kluge Frau, seit Langem politisch engagiert“, lobt Alt-OB Herbert Schmalstieg die neue Kandidatin. Es sei „gut und mutig“, dass sie antritt“.

Schon einmal war Doris Schröder-Köpf als Kandidatin im Gespräch. „Ich habe vor fünf Jahren versucht, sie für die Landespolitik zu gewinnen“, erzählt der damalige SPD-Spitzenkandidat Wolfgang Jüttner. Die Journalistin war angetan – lehnte dann aber doch ab. Zur Begründung nannte sie, dass die beiden Adoptivkinder Viktoria und Gregor (heute zehn und sechs Jahre alt) zu jung seien.
Nach mehreren Gesprächen mit hannoverschen SPD-Spitzenpolitikern soll Doris Schröder-Köpf jetzt überzeugt worden sein. „Ich freue mich über ihr Angebot“, sagt Parteichef Alptekin Kirci. Es sei denn nun an den Ortsvereinen, „selbstbewusst zu entscheiden“, wer die geeignetere Kandidatin sei.

Doch dass diese Entscheidung, die in der SPD niemand Kampfkandidatur nennen will, überhaupt stattfinden muss, sorgt für Unfrieden in der Partei: Schröder-Köpf will für den Wahlkreis 24 (vom Zoo bis nach Mittelfeld) antreten, für den es bereits eine Kandidatin gibt: Die Landtagsabgeordnete Sigrid Leuschner (60). Die Stimmung bei vielen in der Partei ist daher zwiespältig: Auch wenn die Kandidatur Schröder-Köpfs zu begrüßen sei – so könne man nicht mit einer Abgeordneten umgehen, heißt es etwa in Kreisen der Landtagsfraktion empört.
„Ich würde es sehr bedauern, wenn Sigrid Leuschner dem nächsten Landtag nicht mehr angehören würde“, meint der Abgeordnete Klaus-Peter Bachmann aus Braunschweig. Leuschner habe „exzellente Arbeit“ geleistet und sich in den Themen Extremismus, Datenschutz und Bürgergesellschaft profiliert. Auch SPD-Landeschef Olaf Lies begrüßt Schröder-Köpfs Kandidatur, merkte aber an: „Es wäre optimaler, beide Kandidatinnen im Landtag zu haben.“ Er schätze die Arbeit von Leuschner in der Fraktion.

Leuschner und Schröder-Köpf präsentieren  sich schon jetzt den Vorständen der fünf Ortsvereine, die zum Wahlkreis 24 gehören, später dann Mitgliederversammlungen. An deren Voten will sich Hannovers SPD am 21. März auf ihrer Wahlkreiskonferenz orientieren. Insider haben keinen Zweifel daran, dass Schröder-Köpf das Rennen macht. Allerdings kritisieren einige, dass sie nicht schon früher das Gespräch mit der Landtagsabgeordneten Leuschner suchte.

Die Landtagsambitionen Schröder-Köpfs erinnern ein wenig an den Blitzaufstieg von Ursula von der Leyen vor zehn Jahren. Die Tochter des ehemaligen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (CDU) war erst für kurze Zeit Kommunalpolitikerin, bevor sie sich 2002 für die Landtagswahl aufstellen ließ. Nach dem schwarz-gelben Wahlsieg 2003 wurde von der Leyen zunächst Sozialministerin in Niedersachsen, um nach der Bundestagswahl 2005 im schwarz-roten Bundeskabinett Familienministerin in Berlin zu werden.

(Vera König, Heiko Randermann)