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Niedersachsen Hannover: 3,2 Prozent mehr für VW-Werker
Nachrichten Niedersachsen Hannover: 3,2 Prozent mehr für VW-Werker
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19:25 08.02.2011
Von Inken Hägermann
Hartmut Meine (l) IG Metall-Verhandlungsführer und VW-Verhandlungsführer Jochen Schumm während einer Pressekonferenz am Dienstag in Hannover.
Hartmut Meine (l) IG Metall-Verhandlungsführer und VW-Verhandlungsführer Jochen Schumm während einer Pressekonferenz am Dienstag in Hannover. Quelle: dpa
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Nach einer Marathonsitzung von 13 Stunden hatten die Verhandlungspartner den neuen Haustarifvertrag in trockenen Tüchern: Die Entgelte der rund 100 000 Beschäftigten in den sechs westdeutschen VW-Werken steigen zum 1. Mai um 3,2 Prozent, vereinbarten Volkswagen und IG Metall. Zudem erhalten die Mitarbeiter eine Einmalzahlung von einem Prozent des Jahreseinkommens, mindestens aber 500 Euro. Für Azubis beträgt die Summe mindestens 200 Euro. Das ergibt ein Gesamtvolumen von plus 4,2 Prozent.

Bereits am Montagmittag hatte die dritte Verhandlungsrunde zwischen IG Metall und VW begonnen, und es dauerte bis tief in die Nachtstunden, bis sich VW-Personalvorstand Jochen Schumm und Hartmut Meine, Verhandlungsführer für die IG Metall, die Hände reichen konnten. „Wir haben sehr lange gerungen“, sagte Meine gestern. Zufrieden waren beide Tarifparteien: Es handele sich um einen „tragfähigen Kompromiss“, so Meine. „Der Abschluss berücksichtigt die gute wirtschaftliche Entwicklung des größten europäischen Automobilherstellers und honoriert die Leistungen der Belegschaft“, betonte der Gewerkschafter. VW-Personalvorstand Schumm nannte das Ergebnis einen „fairen Abschluss (...), der eine ordentliche Lohnerhöhung mit dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit verbindet“.

Ursprünglich hatte die IG Metall ein Gehaltsplus von sechs Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten gefordert, VW hatte ein Plus von 2,9 Prozent bei einer Laufzeit von 23 Monaten angeboten. Der Flächentarifvertrag für die Metall- und Elektrobranche, der bereits 2010 abgeschlossen wurde, sieht für dieses Jahr eine Erhöhung von 2,7 Prozent vor. Das jetzt ausgehandelte Ergebnis liegt zwar über dem Flächentarif, an dem sich VW seit einigen Jahren orientiert, aber vergrößert den Abstand nicht übermäßig. Personalvorstand Schumm sagte dazu: „Die IG Metall hat diesen Flächentarifvertrag in einer Krisenzeit abgeschlossen.“ Inzwischen habe sich die Konjunktur aber erholt. Der Haustarifvertrag wird am 31. Mai 2012 auslaufen, nur zwei Monate nach dem Flächentarifvertrag. Das rücke ihn „näher an den Flächentarif“, so Schumm, „das unterstreicht die Orientierung des Haustarifs von Volkswagen am branchenweiten Wettbewerb“.

Nord/LB-Analyst Frank Schwope erklärte gestern, der Haustarifvertrag „dürfte Symbolcharakter für die gesamte Automobilbranche besitzen“. Ähnliche Abschlüsse bei anderen Herstellern sollten „nicht verwundern“. Die Verhandlungen waren vergleichsweise schnell und geräuschlos abgelaufen. Schwope glaubt, dass „zähe Verhandlungen oder Arbeitskämpfe den Aufschwung“ bei VW hätten beeinträchtigen können. Volkswagen habe mit dem Abschluss „die Basis für neue Absatz-, Umsatz- und Ergebnisrekorde gelegt“. Nun könnte der Konzern sein Ziel, 2018 weltweit rund zehn Millionen Autos zu verkaufen, bereits 2016 oder 2017 erreichen.