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Niedersachsen Grüne vermuten Entsorgung von Versuchstieren in der Asse
Nachrichten Niedersachsen Grüne vermuten Entsorgung von Versuchstieren in der Asse
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16:21 11.06.2009
Greenpeace-Aktivisten in Bergmannskleidung demonstrierten am 8. Juni mit Grubenlampen in der Hand vor dem Landtag in Hannover.
Greenpeace-Aktivisten in Bergmannskleidung demonstrierten am 8. Juni mit Grubenlampen in der Hand vor dem Landtag in Hannover. Quelle: Jochen Lübke/dpa-lni
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Im Untersuchungsausschuss, der am kommenden Dienstag im Landtag beschlossen wird, soll nach Angaben von Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel auch die Europäische Atomgemeinschaft Euratom befragt werden. „Wir haben festgestellt, dass auch Euratom viel, viel stärker involviert war in die Asse als bislang bekannt“, sagte Wenzel am Donnerstag in Hannover.

Recherchen zur Vorbereitung des Ausschusses hätten ergeben, dass die Euratom in den 60er Jahren Tierversuche des damaligen Asse-Betreibers Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF) mitfinanziert habe. In den Akten gebe es Hinweise, dass bis 1967 dabei radioaktiv verseuchte „Affen, Kühe, Hunde und Katzen“ in der Asse entsorgt wurden.

Bei den GSF-Versuchen seien die Tiere radioaktiver Strahlung ausgesetzt worden, um die Auswirkung auf Krebserkrankungen zu erforschen. Laut untersuchter Euratom-Verträge sei dies zwischen 1964 und 1967 geschehen. „Das deckt sich ziemlich genau mit den ersten Einlagerungen in der Asse“, sagte Wenzel. „Es stellt sich die Frage, ob im großen Stil auch Versuchstiere 1967 in der Asse eingelagert worden sind.“

Am Mittwoch hatte sich der Ältestenrat im Landtag mit den Fraktionen auf den Untersuchungsauftrag des Ausschusses geeinigt. Für die Grünen steht dabei die Frage nach dem Inventar in der Asse im Mittelpunkt. „Wir wollen, dass der Untersuchungsausschuss Klarheit bringt, über das tatsächlich radioaktiv eingelagerte Inventar und dass er damit die Grundlage schafft für die Beurteilung der Langzeitsicherheit verschiedener Schließungsoptionen“, sagte Wenzel.

Nach offiziellen Inventarlisten sind rund 126 000 Fässer mit leicht- und mittelschwer radioaktiv verseuchten Atommüll in der Asse gelagert. „Das sind die Zahlen, die auf dem Tisch liegen. Aber wir haben Hinweise darauf, dass eventuell viel mehr und auch noch andere Stoffe drinliegen“, so Wenzel.

Die erste Sitzung des Untersuchungsausschusses findet wahrscheinlich am 5. oder 6. August statt. Neben der Frage nach dem Inventar soll auch erörtert werden, welche gesundheitlichen Folgen für Anwohner und Arbeiter die Asse verursacht hat, wer die Verantwortung für die Vorgänge trägt und welche Hintergründe zur Auswahl der Anlage als Atommülllager geführt haben.

lni