Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Friedlicher Gorleben-Protest: Die Ruhe vor dem Sturm?
Nachrichten Niedersachsen Friedlicher Gorleben-Protest: Die Ruhe vor dem Sturm?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:12 22.10.2010
Atomkraftgegner haben am Samstag im Wendland friedlich gegen den Kurs der Bundesregierung protestiert. Quelle: dpa

Für die Atomkraftgegner war es nur ein kleiner Vorgeschmack. Mit Traktoren und Autos blockierten sie am Samstag wichtige Verkehrsstraßen im Wendland. Etliche hundert Demonstranten kamen aus dem ganzen Land, um gegen die Weitererkundung des Salzstocks Gorleben als Endlager für hoch radioaktiven Atommüll zu protestieren.

Der sogenannte Unruhetag im Wendland war aber nur der Auftakt für bundesweite Aktionen im November. Dann wollen zehntausende Atomkraftgegner gegen den geplanten Castor-Transport ins oberirdische Zwischenlager Gorleben demonstrieren. „Wir werden uns wehren, vor Gericht und auf der Straße“, kündigte die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg an.

Politiker fürchten bei den Castor-Protesten in rund fünf Wochen teils gewaltsame Ausschreitungen - am Samstag aber war die Stimmung überall friedlich, auch wenn viele Bürger richtig sauer sind über den Atomkurs der schwarz-gelben Bundesregierung.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) war am Samstag eines der Hauptfeindbilder der Atomkraftgegner: Ihr Konterfrei klebte an Traktoren, daneben das Markenzeichen der Anti-Atom-Bewegung, das gelbe X. Auf einer überdimensionalen, gelben Toilette aus Pappmaché prangte der böse Spruch: „Angela sorgt für den Beschiss“.

Das Misstrauen gegen CDU und FDP ist groß. Schwarz-Gelb spricht stets von einer ergebnisoffenen Erkundung des Salzstocks Gorleben. Atomkraftgegner glauben aber, dass die Bundesregierung den Standort an der ehemaligen innerdeutschen Grenze als Endlager durchpeitschen will. Am Freitag lief offiziell die Erkundung des Salzstocks rund 800 tief unter der Erde wieder an - die konkreten Arbeiten starten aber voraussichtlich erst Mitte des Monats.

„Wird Gorleben Endlager, geht Profit vor Sicherheit“, kritisierten die Atomkraftgegner, die eine Zufahrtsstraße nach Gorleben blockierten. Viele Traktoren rollten an. In einigen Ortschaften kamen Bürger - vom Kleinkind bis zur Seniorin - mitten auf Kreuzungen zusammen, versperrten Straßen mit Bäumen, machten Feuerchen und aßen Suppe. Zwei Atomkraftgegner seilten sich über einer Bundesstraße von einer alten Brücke ab.

Die Wendländer nennen das kreativen Protest. Viele von ihnen beteiligen sich schon seit Jahrzehnten an den Aktionen - das Gorleben-Projekt ist schließlich rund 30 Jahre lang umstritten. „Wir demonstrieren solange wir noch laufen können“, sagte eine 59 Jahre Bürgerin.

Die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms,eine Symbolfigur für den Atom-Widerstand im Wendland, bezeichnete die Proteste am Samstag als ein „Signal für den zivilen Ungehorsam“. Die Polizei zeigte sich bei den Straßenblockaden geduldig und kooperativ. Die Sicherheitskräfte hätten auch Aktionen toleriert, bei denen Gesetzesgrenzen überschritten wurden, meinte Harms.

Die Politikerin kennt aber auch Proteste gegen Castor-Transporte nach Gorleben, bei denen Wasserwerfer und Schlagstöcke zum Einsatz kamen - ähnlich wie bei der Demonstration gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21. „Wir haben das, was in Stuttgart passiert ist, auch schon oft erlebt“, sagte Harms.

dpa

Mit Straßenblockaden gegen die Weitererkundung des Salzstocks Gorleben als Atomendlager: Knapp 100 Menschen protestierten am Sonnabend mit einem Fahrradkorso vor der Polizeikaserne in Lüchow.

22.10.2010

Oppositionsführer Stefan Schostok sieht in der Landtagssitzung kommende Woche „den Auftakt des heißen Herbstes“. Die SPD wolle die CDU/FDP-geführte Landesregierung an mehreren Punkten stellen.

Klaus Wallbaum 01.10.2010

Ein "breiter Konsens": Am Donnerstagabend trafen sich auf Einladung des Landeselternrates Landespolitiker und Vertreter der Kommunal- und Bildungsverbände zum Gespräch. Diskutiert wurde - neben weiteren Punkten - die Zusammenlegung von Schulen.

Saskia Döhner 01.10.2010