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Niedersachsen Faßberg hofft nach Riegers Tod auf ruhigere Zeiten
Nachrichten Niedersachsen Faßberg hofft nach Riegers Tod auf ruhigere Zeiten
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22:06 30.10.2009
Von Karl Doeleke
Das marode Landhotel Gerhus bei Faßberg (Kreis Celle) soll im Dezember versteigert werden.
Das marode Landhotel Gerhus bei Faßberg (Kreis Celle) soll im Dezember versteigert werden. Quelle: lni
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Das Verhältnis zwischen dem Rechtsextremisten Jürgen Rieger und der NPD war nie frei von Spannungen. Vielen in der rechtsradikalen Partei war ihr Bundesvorsitzende zu extrem, und dennoch haben sie auf der „Heimseite“ der NPD im „Weltnetz“, wie die Rechtextremisten das Internet nennen, einen geradezu zärtlichen Nachruf auf den verstorbenen Anwalt aus Hamburg verfasst. Rieger, ein ausgewiesener Rassist, ist mit 63 Jahren an den Folgen zweier Schlaganfälle in einer Berliner Klinik gestorben, und nicht allein die NPD hofft, im Testament des reichen Mannes bedacht worden zu sein. Die rechte Szene rätselt darüber, ob Rieger einen Letzten Willen verfasst hat, denn die braunen Kameraden brauchen sein Geld.

Der Verfassungsschutz hält es nicht für ausgeschlossen, dass Rieger einen oder mehrere der vielen neonazistischen Vereine, deren Vorsitzender er war, bedacht hat – verbunden mit dem Vermächtnis, sein Ziel weiter zu verfolgen: Rieger wollte in Niedersachsen ein rechtes Schulungszentrum eröffnen. Unter anderem in Hameln, Melle und Delmenhorst hat er es erfolglos versucht. Immer verhinderten Bürger und Kommunen mit großem Engagement und finanziellem Aufwand, dass der Plan aufging. Oft haben die Kommunen einen überhöhten Preis für die Immobilien gezahlt, um Rieger fernzuhalten. Verfassungsschützer glauben, dass im Gegenzug Spenden der Verkäufer an die NPD flossen.

„Wir gehen davon aus, dass er einiges zu vererben hat“, sagt Maren Brandenburger vom niedersächsischen Verfassungsschutz. In Faßberg im Kreis Celle atmen Bürger und Kommunalpolitiker dennoch zuerst einmal auf. Hier hatte Rieger das Alte Landhaus Gerhus für sich reklamiert, es zwischenzeitlich von rechten Kameraden besetzen lassen und wohl auch vorgehabt, es am 16. Dezember in der Zwangsversteigerung vor dem Amtsgericht Celle zu kaufen. Auf 950 000 Euro hat das Gericht den Verkehrswert des Geländes taxiert.

Die klamme Gemeinde Faßberg hat das unter großen finanziellen Druck gesetzt, weil in der Zwangsversteigerung das kommunale Vorkaufsrecht nicht gilt. Sie wäre gegen Rieger in ein Bieterrennen geschickt worden, das sie wohl nicht gewinnen konnte. Das bleibt der 7000-Einwohner-Gemeinde nun erspart. „Die Zeit bis zum 16. Dezember reicht nicht mehr, einen Bevollmächtigten als Riegers Vertreter zu bestellen“, schätzt Brandenburger. „Wir stehen jetzt als Gemeinde nicht mehr so unter Druck“, sagt der parteilose Bürgermeister von Faßberg, Hans-Werner Schlitte.

Nicht allein in Faßberg bleibt die Hoffnung, dass der bisherige Financier der rechten Szene kein Testament hinterlässt. Dann würden nur seine Kinder von dem Privatvermögen profitieren. Rieger hinterlässt vier Erben, die nach Einschätzung der Verfassungsschützer nicht denselben rechten Ideen nachhängen wie ihr Vater. Die Familie will eigenen Aussagen zufolge auch nicht, dass sein Grab zu einer Pilgerstätte der rechten Szene wird. Daher denke man an eine Feuer- oder Seebestattung sagte sein Sohn Harald Rieger am Freitag.

In dem Fall, dass nur seine Kinder erben, dürfte es vor allem für die finanziell angeschlagene NPD unangenehm werden. Rieger hat der Partei eigenen Angaben zufolge mehrere Darlehen in sechsstelliger Höhe gewährt. Sollten seine Kinder das Geld zurückverlangen, wäre das wohl das finanzielle Ende der NPD. Im Internet diskutieren rechte Kreise bereits, was aus Riegers Vermögen wird. Als Begünstigte kommt unter anderem die „Wilhelm-Tietje-Stiftung“ in Betracht, von Rieger mit dem Erbe des Bremer Altnazis gegründet.

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