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Niedersachsen Experten prüfen in Niedersachsen die Sicherheitsstandards
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14:45 14.03.2011
Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister ist zudem für die Aussetzung der Laufzeitverlängerung.
Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister ist zudem für die Aussetzung der Laufzeitverlängerung.
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Nach den Atomunfällen in Japan wird es keine direkte Sonderprüfung in den niedersächsischen Reaktoren geben. „Es werden keine Mitarbeiter der Atomaufsicht in die Kraftwerke gehen“, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums am Montag in Hannover. Allerdings würden die sicherheitstechnischen Standards der Anlagen neu überprüft, dazu zähle auch die Notstromversorgung. Für die Arbeit müsse aber niemand in die Kraftwerke gehen.

Unterdessen hat sich Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister für eine Aussetzung der von der schwarz-gelben Bundesregierung bereits beschlossenen Laufzeitverlängerung für die deutschen Atommeiler ausgesprochen. Dies will auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) am Montagnachmittag bekanntgeben. „Die Ereignisse in Japan haben gezeigt, dass der Begriff des Restrisikos erneut bewertet werden muss“, sagte McAllister. „Die Sicherheit der Menschen hat absolute Priorität“, dazu müsse die Lage in Ruhe analysiert werden.

Am Dienstag will Merkel zudem in Berlin mit den Regierungschefs der Länder, in denen es Atomreaktoren gibt, über das weitere Vorgehen diskutieren. „Der Umstieg in die erneuerbaren Energien ist der richtige Weg“, betonte McAllister.

Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) will sich darüber hinaus noch in dieser Woche mit Vertretern der Betreibergesellschaften von RWE und Eon zusammensetzen und sich über mögliche Lehren und Konsequenzen aus den Unfällen verständigen. Am Morgen hatte Umweltstaatssekretär Stefan Birkner mit Mitarbeitern der Atomaufsicht über die Vorfälle in Japan und das weitere Vorgehen beraten.

Die japanische Atomkatastrophe in Folge der Erdbeben und des Tsunamis werden in dieser Woche auch die Abgeordneten im niedersächsischen Landtag beschäftigen. Alle fünf Fraktionen haben für Mittwoch Gesprächsbedarf zu den Geschehnissen in Fukushima beantragt. „Jetzt über andere Themen diskutieren zu wollen, wäre weltfremd und in jeder Hinsicht unangemessen“, sagte CDU-Fraktionschef Björn Thümler.

„Niedersachsen ist nicht Japan, aber die Ausgangssituation des Betriebs von Atomkraftwerken ist nicht so grundverschieden wie viele Atomlobbyisten uns heute weismachen wollen“, sagte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel. „Die Gefahr, dass Kühl- und Sicherheitssysteme versagen, bestehe bei allen Atomkraftwerken in Deutschland“, betonte Linken-Atomexperte Kurt Herzog. Besonders anfällig sei das älteste niedersächsische Atomkraftwerk, das AKW Unterweser.

Das Umweltministerium sieht dies anders. „Die niedersächsischen Kernkraftwerke entsprechen den derzeitigen sicherheitstechnischen Anforderungen in vollem Umfang“, sagte eine Sprecherin. Darüber hinaus seien die drei Reaktoren sehr wohl gegen Erdbeben gesichert. So könne das Atomkraftwerk in Lingen Erschütterungen bis Stärke 7 auf der Richterskala aushalten, die Reaktoren Unterweser und Grohnde seien auf Stärke 6 ausgelegt.

Auch hinsichtlich der Stromversorgung in Notfällen seien die Reaktoren gut vorbereitet. Jedes Kraftwerk habe vier mit Diesel betriebene Notstromaggregate, die theoretisch bis zu 72 Stunden Strom zur Kühlung liefern könnten. „Im Gegensatz zu Japan stehen den Reaktoren hier aber noch Fremdstromnetze zur Verfügung“, hieß es aus dem Umweltministerium. Bei Störungen müsse nach spätestens zwei Stunden von Notstrombetrieb auf Fremdnetz umgeschaltet werden.

Landesweit wollen sich Gegner der Atomenergie in den nächsten Tagen an Mahnwachen beteiligen. Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) wollte am Abend an einer Mahnwache in der Bremer Innenstadt teilnehmen.

dpa