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Niedersachsen Es naht das Ende der Hauptschulen
Nachrichten Niedersachsen Es naht das Ende der Hauptschulen
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20:06 11.07.2010
Von Klaus Wallbaum
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„Vorurteilsfrei und unideologisch“ solle darüber gesprochen werden, forderte der neue Ministerpräsident David McAllister am 1. Juli in seiner Regierungserklärung. Im Gespräch sind nur mehr Freiheiten für die Kommunen als Schulträger – möglicherweise sinken auch die Hürden, die vor der Errichtung neuer Gesamtschulen aufgerichtet sind.

Gegenwärtig sind die Integrierten Gesamtschulen nur als Ergänzung zum bestehenden Schulsystem erlaubt. Außerdem muss eine IGS parallel fünf Klassen und mindestens 130 Schüler haben. Diese Vorgaben werden von vielen Kommunen als zu hoch angesehen. Vier statt fünf parallele Klassen je IGS sollten vorgeschrieben werden, fordert der Landkreistag. Städtetag und Städte- und Gemeindebund schlagen sogar die Dreizügigkeit vor. Doch dagegen wenden sich Bedenkenträger: Je Gesamtschule müsse es mindestens zwei parallele Gymnasialklassen geben – sonst könne ein gutes Angebot an Fachlehrern kaum sichergestellt werden.

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Die Größe der Schulen ist ohnehin das Problem. Nach Ansicht von Fachleuten ist die Dreiteilung in Gymnasium, Real- und Hauptschule in Zukunft nur noch in Ballungsräumen möglich – auf dem flachen Land aber nicht mehr. Vor allem in Nord-, Ost- und Südniedersachsen geht die Schülerzahl in den kommenden Jahren zurück, teilweise um bis zu 40 Prozent. Ein Gymnasium in der Nähe zu haben, ist aber ein entscheidender Standortfaktor. Davon hängt ab, ob Firmen Mitarbeiter anlocken können.

Diskutiert werden nun mehrere Varianten, wie ein gutes Bildungsangebot auf dem Land gewährleistet werden kann. Ein Vorschlag lautet, in jedem Landkreis mindestens so viele Gymnasien anzubieten, dass diese von jedem Ort in zumutbarer Entfernung – nicht mehr als 20 Kilometer – erreichbar sind.

Daneben könnte eine neue Schulform gedeihen, eine Zusammenlegung von Haupt- und Realschule. Damit würde nur ein ohnehin zu beobachtender Trend fortgesetzt, denn die Hälfte aller Haupt- und Realschulen ist schon heute organisatorisch miteinander verzahnt. Als wenig tauglich würde sich dieses Modell allerdings dann erweisen, wenn der Bevölkerungsschwund so stark wird, dass die Wege zum Gymnasium für die Schüler noch länger werden müssten – und Kindern, die gerade die Grundschule verlassen haben, kaum aufgebürdet werden könnten.

In diesem Fall böte sich eine Art Kooperative Gesamtschule an – die Gymnasium, Real- und Hauptschule unter einem Dach vereint. Nach Klasse zehn müssten die Schüler dann zur Oberstufe des nächstgelegenen Gymnasiums wechseln – also unter Umständen eine längere Fahrtzeit in Kauf nehmen. Dies wäre eine Möglichkeit, zumindest bis dahin ein gymnasiales Angebot in jeder mittelgroßen Stadt zu halten. Eine KGS in jeder Stadt, darüber hinaus ein Gymnasium mit Oberstufe in jeder Kreisstadt – dies könnte die Antwort auf den starken Bevölkerungsschwund in einigen Regionen Niedersachsens sein.