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Niedersachsen Erste Zeugenbefragung im Asse-Untersuchungsausschuss
Nachrichten Niedersachsen Erste Zeugenbefragung im Asse-Untersuchungsausschuss
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19:56 06.08.2009
Von Michael B. Berger
Zeugenbefragung im Asse-Untersuchungsausschuss. Quelle: Peter Steffen/lni
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Der Herr kramte mit sympathisch bayerischem Akzent in seinen Erinnerungen, was man im ehemaligen Salzbergwerk Asse denn für das geplante Endlager in Gorleben herausfinden wollte, etwa wie das Salz auf hochradioaktiven Müll reagiert, eine in der Regel recht heiße Fracht. „Das wurde im Salzbergwerk Asse natürlich nur simuliert. Anstelle des hochradioaktiven Abfalls hat man elektronische Heizkörper eingelagert und geschaut, wie sich das Salz durch die Wärme entwickelt, wie es seine Fließgeschwindigkeit verändert“, berichtete Niklas – Gorleben-Erkundung mit der Elektroheizung also.

Ansonsten hatte der Arzt, der jahrelang Mitglied der Strahlenschutzkommission des Bundes war, wenig zu dem beizutragen, was heute als Asse-Skandal in den Medien behandelt wird, denn er sei zwar in der Gesellschaft für Strahlenschutz als leitender Arzt tätig gewesen, habe aber im Gegesatz zu den „ermächtigten Ärzten“ – in der Regel niedergelassenenen Kollegen – nicht konkret Bergleute untersucht, die in der Asse arbeiteten. Stets habe er die Asse als „absolut sichere Form der Endlagerung“ betrachtet, zumindest sei ihm das so von den Experten beschrieben worden, berichtet Niklas. Und erst lange nach seiner Pensionierung im Jahre 1989 habe er von starken Wassereinbrüchen und anderem in der Asse erfahren. „Sind Ihnen jemals kritische Berichte zugeleitet worden?“, will der SPD-Abgeordnete Detlef Tanke wissen. „Nein, in keinem Fall“, entgegnet der Strahlenschutzexperte. „Auch von Unfällen hatte ich keine Erkenntnisse.“

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Die mühsame Befragung des Arztes, der eher Theoretiker, aber eben kein „ermächtigter Arzt“ war, wird durch die schlechten äußeren Bedingungen im Landtag erschwert, in dem derzeit einige Räume wegen Umbauarbeiten gesperrt sind. Deshalb ist die Befragung in den Leibniz-Saal verlegt worden, in einen Repräsentationsraum, in dem die Mikrofone rar sind und zum Übersteuern neigen, sodass die bejahrten Zeugen mitunter wenig verstehen und die Frage „Können Sie die Frage noch einmal wiederholen?“ zum Running Gag wird. Und als der Ausschussvorsitzende Jens Nacke berichtet, dass ein Zeuge nicht gekommen sei, weil er derzeit auf einer Nordseeinsel urlaube und die Reise nach Hannover „tideabhängig“ insgesamt drei Tage beanspruchen würde, geht es zu wie beim Königlich-bayerischen Amtsgericht. „Wäre es nicht möglich gewesen, diese Dreitage-Reisezeit durch einen Hubschrauberflug zu verkürzen?“, fragt der Linke Kurt Herzog – und der Saal lacht. Im Amtsgericht käme Herzog übrigens klar die Rolle des Staatsanwaltes zu, nur nicht gemütlich bayerisch, sondern hamburgisch näselnd-streng.

Hannah Suppa 06.08.2009