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Niedersachsen Energiewende wird teurer als erwartet
Nachrichten Niedersachsen Energiewende wird teurer als erwartet
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06:15 09.04.2012
David McAllister befürchtet ein Scheitern der Energiewende. Quelle: dpa
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Hannover

Weil der im niederländischen Staatsbesitz befindliche Netzbetreiber Tennet finanziell nicht in der Lage ist, den notwendigen Ausbau des Stromnetzes in Deutschland jetzt zügig umzusetzen, dringt der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister (CDU) darauf, dass sich der Bund zumindest übergangsweise an Tennet beteiligt.

Das Unternehmen habe sich bei einem Gespräch mit mehreren norddeutschen Ministerpräsidenten Ende März nicht in der Lage gesehen, die notwendige Investitionen in Höhe von etwa 15 Milliarden Euro zu stemmen, betonte McAllister am Freitag. Deshalb schlägt er jetzt vor, dass die Staatsbank KfW bei Tennet einsteigt. Nach dem politisch gewollten Ausstieg aus der Kernenergie müsse die Energiewende vor allem mithilfe des Windstroms aus dem Offshore-Bereich gelingen. „Die Situation ist ernst“, heißt es in der Staatskanzlei in Hanover. Jetzt seien unkonventionelle Lösungen erforderlich, die Energiewende dürfe nicht scheitern.

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Tennet managt rund 10.700 Kilometer Höchstspannungsleitungen, die von Schleswig-Holstein bis nach Bayern reichen. Es deckt damit rund 40 Prozent des gesamten deutschen Netzes ab. Tennet hatte das Netz 2010 vom Energieerzeuger e.on für einen Miliardenbetrag übernommen, nachdem die EU den Konzern gezwungen hatte, sich von seinem Stromnetz zu trennen.

Die Niederländer verhandeln derzeit mit der Bundesregierung über eine staatliche Unterstützung. Das bestätigten Sprecher des Unternehmens und des Bundeswirtschaftsministeriums am Freitag auf HAZ-Anfrage. Allerdings komme ein Einstieg des deutschen Staates bei Tennet auf keinen Fall in Frage, hieß es im vom FDP-Vorsitzenden Philipp Rösler geführten Wirtschaftsministerium: „Ob und in welcher Form die KfW bei der Offshore-Anbindung eine Rolle spielt, ist offen und wird geprüft.“

Da derzeit für 21 weitere Offshore-Parks Baugenehmigungen erteilt wurden, stellt dies den Stromnetzbetreiber vor enorme finanzielle Herausforderungen. Dies ist kürzlich bei einem Treffen der sogenannten „AG Beschleunigung“ mit Rösler und Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) besprochen worden. Diese Arbeitsgruppe, die aus Vertreter aus Politik, Windindustrie und Netzbetreibern besteht, soll Lösungen für den Netzausbau erarbeiten.

Niedersachsens Umweltminister Stefan Birkner (FDP) vermutet, dass Tennet den Investitionsbedarf in Deutschland unterschätzt hat. Deshalb sei der Bau neuer Windparks in der Nordsee ins Stocken geraten. „Wir erwarten von den Netzbetreibern einen beschleunigten Netzausbau und eine Wiederaufnahme der Auftragsvergabe bei neuen Anschlüssen für Offshore-Windparks“, erklärt der Minister: „Ansonsten wird es schwierig, neue Investoren für die Offshore-Windparks zu finden.“

Andreas Körlin 06.04.2012
03.04.2012
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