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Niedersachsen Ein „roter Preuße“ regiert Celle
Nachrichten Niedersachsen Ein „roter Preuße“ regiert Celle
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20:51 08.03.2010
Von Michael B. Berger
Sozialdemokrat mit Ideen: Dirk-Ulrich Mende, Oberbürgermeister von Celle.
Sozialdemokrat mit Ideen: Dirk-Ulrich Mende, Oberbürgermeister von Celle. Quelle: Schaarschmidt
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Gibt sich sehr bürgernah: Dirk-Ulrich Mende, Celles Oberbürgermeister. Seit gut einem Jahr „regiert“ er, der 52-jährige Sozialdemokrat, im Rathaus der 71 000-Einwohner-Stadt – mit einer konservativ-liberalen Ratsmehrheit. Und kann inzwischen kaum über die Straße gehen, ohne dass ihn jemand auf dieses oder jenes Problem anspricht. Im Augenblick im Wesentlichen auf Schlaglöcher. So bekannt ist er.

„Die Stadt ist relativ dicht“, sagt der Oberbürgermeister und lächelt – wesentlich dichter jedenfalls als Kassel, wo er jahrzehntelang lebte, oder als Hannover, wo er zuletzt im Innenministerium arbeitete. Zuvor war in der SPD-Landtagsfraktion der Geschäftsführer.

Neben seiner wöchentlichen Bürgersprechstunde hat Mende jetzt noch eine Reihe von Hausbesuchen gestartet, die ihn in die verschiedenen Stadtteile Celles bringen soll. Einen Schnaps oder ein Bier hat dem vor der Tür stehenden Kommunaloberhaupt noch keiner angeboten. Das würde der asketisch wirkende Jurist allerdings auch ablehnen. Die Tür sei ihm aber noch nie vor der Nase zugeschlagen worden – im Gegenteil: „Oft ist es so, dass mich die Leute länger halten wollen.“

Gut 62 Jahre lang ist Celle, das als äußerst konservativ galt, von „rechten“ Stadtoberhäuptern regiert worden. Bis sich die CDU 2008 um ihren damaligen Oberbürgermeister Martin Biermann zerstritt und die SPD mit Mende einen „linken“ Kandidaten ins Rennen schickte, der sich in interessanten Machtkonstellationen auskennt. Schließlich arbeitete er als profilierter Sozialdemokrat seit 2003 in dem von Uwe Schünemann geführten Innenministerium. So ist er es gewohnt, vor allem mit Argumenten seine Positionen durchzusetzen und sich nicht auf Seilschaften zu verlassen. Im Celler Rat, in dem CDU und FDP die Mehrheit stellen, ist das nicht anders. „Ich habe keine natürliche Mehrheit im Rat, sondern muss sie mir suchen“, sagt Mende. „Und das heißt: Ich muss die Kollegen rechtzeitig einbinden und meine Positionen sehr sachlich begründen. Dann klappt es.“

Allerdings nicht immer. Mende etwa könnte sich sehr gut ein Celle vorstellen, das sich auch ohne ein großes Einkaufszentrum weiterentwickelt – als schöne, sehr individuelle Stadt zum Bummeln und Einkaufen. Aber der Rat will nun mal eine „Altstadt-Galerie“, und Mende setzt jetzt alles daran, dass das Projekt von der äußeren Gestaltung oder dem Lärmschutz gut zu Celle passt. „Wenn die Ratsmehrheit sagt, das kommt hierhin, dann will ich das, so gut es geht, organisieren: Da bin ich preußischer Beamter.“ 2013 soll die „Altstadt-Galerie“ eröffnet werden.

Als „roter Preuße“ verwirklicht Dirk-Ulrich Mende aber noch ganz andere Projekte, etwa das kostenfreie zweite Kita-Jahr trotz Haushaltsnot, oder er ficht mit dem Landkreis um die Übernahme aller allgemeinbildenden Schulen: „So etwas muss aus einer Hand organisiert werden.“ Auch den gestrichenen Posten des Stadtbaurats hat er wiedereingesetzt: „So etwas macht man in einer so schönen Stadt wie Celle nicht nebenbei.“ Man wird noch von Mende hören.