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Niedersachsen Die CDU empfängt Hartmann mit Skepsis
Nachrichten Niedersachsen Die CDU empfängt Hartmann mit Skepsis
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19:27 26.06.2009
Von Klaus Wallbaum
Die niedersächsische Landtagsabgeordnete Swantje Hartmann aus Delmenhorst ist eine Woche nach ihrem Austritt aus der SPD der CDU beigetreten.
Die niedersächsische Landtagsabgeordnete Swantje Hartmann aus Delmenhorst ist eine Woche nach ihrem Austritt aus der SPD der CDU beigetreten. Quelle: Philipp Guelland/ddp
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Immerhin hatte es das Anfang der sechziger Jahre schon mal gegeben. Maria Meyer-Sevenich, eine streitlustige Sozialdemokratin, brachte es bis zur Ministerin, wurde dann von der eigenen Partei nicht wieder aufgestellt – und fand ihre neue Heimat in der CDU.

Da gibt es erstaunliche Parallelen zu Swantje Hartmann: Auch sie war in der SPD ganz oben, als stellvertretende Landesvorsitzende und „Hoffnungsträgerin“ in der Landtagsfraktion. Auch sie fiel in der Partei in Ungnade, die Gründe dafür sind nicht ganz klar. Es mag eine Verstrickung in eine lokale SPD-Finanzaffäre sein – oder auch die Tatsache, dass sie mit ihrem Ehrgeiz einigen Genossen den Karriereweg versperrte.

Nach der Aufnahme in die CDU durch Beschluss des Kreisvorstandes in Delmenhorst am Donnerstag (mit sechs gegen drei Stimmen) zeigte sich Hartmann fast euphorisch: „Ich fange mit 36 Jahren noch einmal von vorne an.“ In der CDU-Landtagsfraktion aber, ihrer neuen Heimat, wird der Wechsel weitaus skeptischer beurteilt.

Eine Überläuferin wie sie hat es im Parlament jahrzehntelang nicht mehr gegeben. Ein Abgeordneter meint, die im Umgang mit den Medien sehr geschickte Hartmann müsse nun mit dem Neid vor allem einiger Frauen in der Fraktion rechnen. „Man wird genau darauf achten, dass sie sich hinten anstellen muss, wenn es Posten zu verteilen gibt“, sagt einer. „Es wird noch einige Zeit dauern, bis sie wirklich aufgefangen wird in der CDU“, meint ein anderer.

Die Abnabelung von der SPD, die ein Jahr dauerte und von vielen menschlichen Enttäuschungen begleitet war, habe bei der Frau nämlich Spuren hinterlassen. „Das steckt man nicht leicht weg.“ Die Reaktionen sind denn auch vorsichtig. „Die CDU heißt Swantje Hartmann herzlich willkommen“, sagt CDU- Fraktionsgeschäftsführer Björn Thümler. FDP-Fraktionschef Jörg Bode hofft, der Leidensweg der Frau finde nun „hoffentlich einen glücklichen Ausgang“, und Landtagspräsident Hermann Dinkla wünscht sich „endlich Klarheit“: „Hoffentlich wird sie so integriert, dass sie entsprechend ihrer Möglichkeiten eingesetzt wird.“

Eine Enttäuschung indes steht schon bevor: In den von ihr geliebten Haushaltsausschuss wird Hartmann wohl von der CDU nicht entsandt. Auch in Delmenhorst gibt es manche Skepsis in der CDU. Ihre langjährige Gegenspielerin Annette Schwarz sagt nicht ohne Süffisanz: „Für die CDU wird das eine große Herausforderung werden und eine reizvolle Aufgabe.“