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Niedersachsen Diakonie sitzt in der Zwickmühle
Nachrichten Niedersachsen Diakonie sitzt in der Zwickmühle
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22:08 05.03.2012
Von Michael B. Berger
Foto: Diakonie-Mitarbeiter Manfred Feyermuth macht Druck auf die Synode.
Diakonie-Mitarbeiter Manfred Feyermuth macht Druck auf die Synode. Quelle: Behrens
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Hannover

 Seit gut einem Jahr steckt die Diakonie, einer der größten Arbeitgeber des Landes, in einer Zwickmühle. Sie will am Dritten Weg festhalten, der Lohnfindung ohne innerbetriebliche Kampfmittel wie Streik und Aussperrung. Doch die Gewerkschaft ver.di fordert eine Abkehr von diesen Sonderregelungen. Der Streit hat sich zugespitzt, seitdem das Evangelische Krankenhaus in Oldenburg den Dritten Weg verlassen und Tarifverträge mit ver.di und der Ärzteorganisation Marburger Bund geschlossen hat. Jetzt ruft ver.di zu einer Demonstration am 10. März in Hannover auf. Die Gewerkschaft rechnet mit 1000 Teilnehmern.

An diesem Sonnabend tagt nämlich die Synode der Konföderation niedersächsischer Kirchen in Hannover. Die 48 Abgesandten aus der Oldenburger, Braunschweiger, der hannoverschen sowie der schaumburg-lippischen Kirche werden neben anderen Punkten auch die arbeitsrechtliche Lage in der Diakonie erörtern. Ver.di will vor den Toren des hannoverschen Annastiftes für eine Abkehr vom Dritten Weg und ein Streikrecht demonstrieren. „Der Spielball liegt jetzt bei der Konföderationssynode“, sagt Manfred Freyermuth, Mitarbeitervertreter der Diakonie in Kästorf.

Gut 30.000 Beschäftigte arbeiten in Niedersachsen in diakonischen Einrichten – in Krankenhäusern, Altenpflegeeinrichtungen, Behindertenwerkstätten. Aber nur ein Bruchteil von ihnen ist in der Gewerkschaft ver.di organisiert, die selbst keine Angaben zur Zahl ihrer Mitglieder macht. „Es wird immer kolportiert, wir kämen von außen. Aber die Unzufriedenheit bei den Beschäftigten ist über die Jahre gestiegen“, sagt Gewerkschaftssekretärin Annette Klausing. Und auch Freyermuth spricht von einer „miesen Stimmung“ in der Diakonie.

Christoph Künkel, Direktor des Diakonischen Werkes in Hannover, teilt diesen Eindruck nicht. „Wenn die Lage wirklich so wäre, wie ver.di behauptet, warum ist es dann im großen Ganzen so ruhig?“ Die Diakonie halte nicht aus Egoismus sondern aus höherem sozialpolitischen Interesse am Dritten Weg fest, der auch auf eine hohe Verbindlichkeit von Lohnabschlüssen abziele. „Die Forderungen von ver.di führen in die Irre. Statt über die Frage zu diskutieren, wie die Löhne und Bedingungen zu verbessern sind, streitet die Gewerkschaft über die Frage, in welcher Form das geschehen soll.“

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Diakonie verdienten vergleichsweise mehr als Kolleginnen im nicht-kirchlichen Bereich, etwa beim Deutschen Roten Kreuz oder anderen privaten Einrichtungen. „Wenn der Dritte Weg verlassen wird, fürchte ich eher ein Lohndumping nach unten, das wir auch aus Gründen der Glaubwürdigkeit keineswegs wollen“, sagt Verbandschef Künkel.

Tatsächlich hat die Diakonie Ende vergangenen Jahres das Wichernstift in Ganderkese ausgeschlossen, Anfang dieses Jahres die Altenhilfe Lilienthal – wegen Lohndumpings. Das evangelische Krankenhaus in Oldenburg hingegen scherte aus, weil es den Ärzten höheren Lohn zahlen will: Die Diakonie steckt in der Zwickmühle.

02.03.2012
Klaus Wallbaum 02.03.2012
Saskia Döhner 02.03.2012