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Niedersachsen Der große Friedensschluss an der Ems
Nachrichten Niedersachsen Der große Friedensschluss an der Ems
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08:09 17.06.2009
Von Michael B. Berger
Das Kreuzfahrtschiff "Equinox" Quelle: Ingo Wagner/lni
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Doch das Schiff darf fahren, ausnahmsweise. Denn am Dienstag haben die Kontrahenten überraschend den Friedensschluss an der Ems verkündet – zum Wohl der Werft wie zu dem der Vögel.

Zu einer improvisierten Pressekonferenz des Bundes für Natur und Umweltschutz (BUND) in einem hannoverschen Café erschien nicht nur Werft-Chef Bernard Meyer persönlich, sondern auch Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP). Und die Mitglieder der Regierung strahlten genauso wie die Vertreter der Naturschutzverbände. Vor mehr als einem Jahr hatte Alfred Schumm vom WWF bei Werftbesitzer Meyer angefragt, ob man nicht auch zu verträglichen Kompromissen zwischen den Notwendigkeiten der Ökologie und den Interessen der Werft kommen könne. Denn der von Meyer beantragte Sommerstau der Ems koste zahlreiche Vögel auf überfluteten Wiesen das Leben. Meyer signalisierte großes Interesse an einer Lösung, die über den Tag hinaus reicht („ich wohne auch an der Ems und liebe sie“) – und verhandelte unter Moderation der Landesregierung mehr als ein Jahr lang mit den Naturschützern. „Wir haben den gordischen Knoten zerschlagen“, hieß es am Dienstag.

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Die Vereinbarung sieht vor, dass künftig der Sommerstau vom 1. April bis 15. Juli eingehalten wird. Vom 16. Juli bis zum 31. März sollen Schiffsüberführungen bis 8,50 Meter Tiefgang möglich sein. „Der Verzicht auf diese dreieinhalb Monate ist für uns schon hart“, sagt Bernard Meyer. Aber als umweltfeindliches Unternehmen will er seine Werft auch nicht dastehen sehen, zumal die Schiffe nach ökologischen Kriterien gebaut seien. Für die Werft verlockend ist die Vereinbarung, dass die zivilrechtliche Festlegung mindestens dreißig Jahre gelten und durch ein Planfeststellungsverfahren öffentlich-rechtlich abgesichert werden soll. Zudem hat sich das Land verpflichtet, für die schützenswerten Vogelarten wie Rohrweihe, Kiebitz und Wachtelkönig Ersatzflächen anzukaufen – wo, wollte Umweltminister Sander noch nicht verraten, um Bodenspekulation zu vermeiden. Auch Christian Wulffs Ansage, dass die Landesregierung einen neuen Emskanal nicht als Utopie betrachte, sondern ernsthaft an einer Machbarkeitsstudie arbeite, wirkte für beide Seiten entspannend. „Am Ende des Tages steht für mich eine renaturierte Ems“, sagte Wulff.

Spannend wird nun, ob Werft-Chef Meyer eine für den Sommer 2011 geplante und bereits genehmigte Überführung früher oder später hinbekommt.

Margit Kautenburger 17.06.2009