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Niedersachsen Den Spargelbauern nutzt die Krise
Nachrichten Niedersachsen Den Spargelbauern nutzt die Krise
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12:40 17.04.2009
Von Margit Kautenburger
Polen und Rumänen verdienten ihr Geld in den vergangenen Jahren lieber in England oder Spanien - jetzt kommen sie zurück. Quelle: Michael Urban/ddp
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Der Euro ist stark gegenüber dem englischen Pfund. „Da kehren die Erntehelfer zurück zu den Wurzeln“, sagt Peter Zanini, Geschäftsführer der landwirtschaftlichen Arbeitgebervereinigung Niedersachsen.

Die Spargelbauern beobachten die Rückbesinnung mit Erleichterung. Nach dem „Bilderbuchstart“ der Spargelsaison 2009 wird jeder Helfer dringend gebraucht. „Der Spargel explodiert geradezu, die Qualität ist super. So etwas habe ich seit 30 Jahren nicht mehr erlebt“, schwärmt Walter Heuer. Der Spargelbauer aus Fuhrberg freut sich über genügend Bewerber. „Wir könnten mehr bekommen, als wir brauchen“, sagt Heuer. Für seine rund 70 Hektar Spargelfelder benötigt der Landwirt bis zu 150 Saisonarbeitskräfte. Viele von ihnen stechen schon seit Anfang April das edle Gemüse, „alles gute Leute“, wie Heuer betont.

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In den vergangenen Jahren bot sich ein anderes Bild. Spargelbauern klagten, dass gute Kräfte Deutschland wegen des vergleichsweise niedrigen Lohnniveaus links liegen ließen. Die Aufregung war groß, der Spargel kam viel zu langsam in den Handel.

„Die Situation hat sich deutlich entspannt“, sagt Zanini von der Arbeitgebervereinigung. „Viele Polen und Rumänen haben erkannt, dass die Arbeitsbedingungen in Deutschland gar nicht so schlecht sind.“ Zwar liege der Mindestlohn in Großbritannien immer noch höher als hierzulande, „aber bei und ist der Wohlfühlfaktor größer“, meint Zanini. Der Arbeitnehmerschutz sei besser, ebenso die Unterbringung.

Der Tariflohn für Spargelstecher liegt nach Angaben Zaninis derzeit bei sechs Euro pro Stunde. In der Regel wird auf den Feldern aber Leistungs- oder Akkordlohn bezahlt, sodass ein Spargelstecher im Schnitt auf einen Stundenlohn von acht Euro kommt.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sind in Niedersachsen bis Ende März rund 14 000 ausländische Erntehelfer vermittelt worden. Auf den Höfen sei Platz für fast 50 000 Saisonkräfte, berichtet der Sprecher der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen, Michael Köster. Die Spargelbauern dürfen 90 Prozent ausländische Helfer einstellen. Deutsche Spargelstecher sind daher weiterhin rar. Bislang seien 55 Männer und Frauen aus Niedersachsen an Spargelbetriebe vermittelt worden, sagt Köster.

Das Superspargeljahr 2009 bereitet den Landwirten aber nicht nur Freude. Da große Mengen auf den Markt kommen, dürften die Preise sinken. Spargelbauer Heuer verkauft die Stangen derzeit für 8,80 Euro das Kilo. „Ich denke, der Preis wird bald runter gehen“, sagt er.