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Niedersachsen 10 Monate, 100.000 Kilometer: Wasserstoffzüge bestehen Alltagstest
Nachrichten Niedersachsen 10 Monate, 100.000 Kilometer: Wasserstoffzüge bestehen Alltagstest
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10:41 17.07.2019
Die beiden bisher weltweit einzigen Wasserstoffzüge haben sich nach Einschätzung von Betreiber und Hersteller im Alltag bewährt. Quelle: Philipp Schulze/dpa
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Bremervörde

Delegationen aus Kanada, Russland, Südamerika, Indonesien und Österreich sind schon in Bremervörde gewesen, um sich über die bislang weltweit einzigen Wasserstoffzüge zu informieren: Seit über zehn Monaten ersetzen die beiden emissionsfreien Fahrzeuge im Regionalverkehr Dieselzüge und verbinden Bremervörde, Cuxhaven, Bremerhaven und Buxtehude. „Bei mittlerweile über 100.000 gefahrenen Fahrzeugkilometern sind wir absolut zufrieden mit der Leistung“, sagte Jörg Nikutta, Geschäftsführer der Herstellerfirma Alstom in Deutschland und Österreich.

Die Züge werden mit Wasserstoff-Brennstoffzellen betrieben. Die Brennstoffzelle wandelt Wasserstoff und Sauerstoff in Wasser um, wobei Strom entsteht, der die Lithium-Ionen-Akkus an Bord auflädt und so den Elektromotor antreibt. Emissionsfrei sind die Züge deshalb, weil sie nur Wasserdampf und Kondenswasser an die Umwelt abgeben. Emissionen entstehen allerdings bei der energieaufwendigen Herstellung von Wasserstoff.

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Züge fahren deutlich leiser

Bis Ende 2021 soll auf der Strecke die gesamte Dieselzugflotte der Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (evb) durch 14 Wasserstoffzüge des Typs „Coradia iLint“ ersetzt werden. Diese werden am Alstom-Standort Salzgitter gebaut. Das niedersächsische Verkehrsministerium unterstützt dies mit über 81 Millionen Euro. Im Mai bestellte eine Tochtergesellschaft des Rhein-Main-Verkehrsverbundes in Hessen gleich 27 Brennstoffzellenzüge. „Aktive Vertragsverhandlungen“ gebe es mit weiteren Bundesländern, sagte Nikutta.

Der in Salzgitter gebaute emissionsfreie Regionalzug fährt mit elektrischer Energie aus Wasserstoff. Quelle: dpa

Die neuen Züge sind deutlich geräuschärmer unterwegs. „Das ist definitiv einer der Unterschiede“, sagte evb-Sprecherin Andrea Stein. „Die Züge sind leiser. Das ist eher wie ein Surren bei einer S-Bahn.“ Die Züge sind mit 54 Metern auch länger als die Vorgänger mit 41 Metern. Betankt werden sie derzeit noch an einer provisorischen Einrichtung in Bremervörde. Eine Tankfüllung reicht etwa für 800 bis 1000 Kilometer. Wenn die nächsten neuen Züge zum Fahrplanwechsel Ende 2021 kommen, soll in Bremervörde eine feste Wasserstofftankstelle stehen.

„Das wäre eine Weltpremiere“

„Auch das wäre eine Weltpremiere“, sagte Rainer Peters, Sprecher der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), die im Auftrag des Landes das öffentliche Verkehrsangebot erstellt. Insgesamt sind im Fahrzeugpool 126 Dieseltriebzüge auf nicht elektrifizierten Strecken unterwegs. Die sollen und müssen nach dem Ende ihrer wirtschaftlichen Nutzungsdauer von rund 30 Jahren ersetzt werden. 2020 dürften bei der LNVG Vorentscheidungen fallen, ob, wann und wie viele weitere Dieselzüge im Weser-Ems-Netz durch Wasserstoffzüge ersetzt werden.

Die beiden Prototypen aus Niedersachsen sind ab und an „auf Abwegen“ und auch in anderen Bundesländern zu sehen, wenn die Züge und die Technologie dort präsentiert werden.

Von RND/dpa