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Niedersachsen Castor womöglich erst Freitag in Deutschland
Nachrichten Niedersachsen Castor womöglich erst Freitag in Deutschland
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19:56 24.11.2011
Wieder rollt ein Transport mit hoch radioaktiven Abfällen deutscher Herkunft von Frankreich nach Gorleben. Quelle: dpa
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Paris/Saarbrücken

Begleitet von massiven Sicherheitsvorkehrungen hat sich der Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll von Frankreich aus bis auf wenige Kilometer der deutschen Grenze genähert. Nach dpa-Informationen aus Polizeikreisen wird der Zug mit den elf Spezialbehältern aber voraussichtlich erst am Freitag die Grenze zu Deutschland passieren und weiter Richtung Gorleben fahren.

Dort gab es im Wendland am Donnerstag erste Protestdemos. Anti-Atom-Gruppen kündigten für die kommenden Tage außerdem Blockaden des Castor-Zugs an. Welche Route der Transport nimmt, wird offiziell nicht mitgeteilt. Rund 19 000 Polizisten sollen die Fahrt quer durch Deutschland nach Gorleben sichern.

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Die Anti-Atom-Initiativen werden auch von prominenten Künstlern unterstützt: Der Nobelpreisträger Günter Grass und Schauspieler unterzeichneten einen Aufruf, in dem sie ein mögliches Atomendlager im Salzstock Gorleben nahe des oberirdischen Zwischenlagers ablehnen.

Kritik der Atomkraftgegner zog der grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, auf sich. Er sagte der „Zeit“: „Protest macht jetzt eigentlich keinen Sinn mehr. Beschlossen ist: Deutschland steigt aus der Atomkraft aus.“ Die Bürgerinitiative in Gorleben reagierte auf diese Aussage mit Unverständnis. Die Bundesspitze der Grünen will den Castor-Protest aber unterstützen und an diesem Montag zu einer Sitzung im Wendland zusammenkommen.

Erste Ausschreitungen zwischen Atomkraftgegnern und Einsatzkräften hatte es beim Start des Transport am Mittwoch in Frankreich gegeben. Die Polizei setzte unter anderem Tränengas und Schlagstöcke ein. 16 Demonstranten wurden festgenommen. Mindestens drei Menschen, darunter ein Gendarm, wurden leicht verletzt.

In der Region nahe Gorleben blieb es bislang friedlich, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag. Die Kampagne „Schottern“ kündigte an, sie wolle wieder Steine aus den Gleisen entfernen und so den Zug aufhalten. Im vergangenen Jahr war die Polizei dabei mit Schlagstöcken gegen Atomkraftgegner vorgegangen.

Am Donnerstagvormittag erreichte der Transport die französische Gemeinde Rémilly 65 Autokilometer südwestlich von Saarbrücken. Dort legte er einen Stopp ein. Atomkraftgegner in Rheinland-Pfalz und Hessen protestierten friedlich an möglichen Streckenabschnitten gegen den Atomzug. Im pfälzischen Berg versammelten sich nach Angaben der Polizei rund 250 Demonstranten.

Im Saarland richteten sich nach dpa-Informationen die Sicherheitskräfte auf die Ankunft des Zuges am Freitagmittag ein.

Der laufende Transport ist der letzte mit hoch radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich Richtung Gorleben. Bundesregierung und Energieversorger hatten sich bereits vor Jahren darauf verständigt, vom 1. Juli 2005 an keine abgebrannten Brennelemente wieder aufarbeiten zu lassen. Die Bundesrepublik ist jedoch verpflichtet, den bereits früher ins Ausland transportierten Atommüll zurückzunehmen.

dpa