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Niedersachsen Bistum Hildesheim: Zahl der Gemeinden schrumpft bis auf 120
Nachrichten Niedersachsen Bistum Hildesheim: Zahl der Gemeinden schrumpft bis auf 120
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14:00 30.08.2010
Weniger Gläubige, weniger Gemeinden. Das Bistum HIldesheim halbiert die Zahl der Pfarreien. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Binnen sechs Jahren hat sich die Zahl der Pfarrgemeinden im Bistum Hildesheim halbiert. Von ursprünglich 348 Pfarreien im Jahr 2004 sinke die Zahl zum 1. September auf 171, teilte das Bistum am Montag mit. 52 katholische Kirchengemeinden werden zu 16 zusammengeschlossen. Vorgesehen sind zwei weitere Fusionsrunden bis zum Jahr 2014, die die Zahl der Gemeinden auf 120 schrumpfen lassen sollen. Mit den Zusammenlegungen reagiert das Bistum auf den Rückgang an Gläubigen, Priestern und finanziellen Mitteln. Das Bistum will in den größeren Pfarrgemeinden Projekte und Angebote schaffen, die in den kleinen nicht möglich waren.

Der Rückgang an Gläubigen und Kirchensteuereinnahmen zwingt das Bistum auch zu Einschnitten in seinen Bestand an Kirchen. Mindestens 54 der 377 Gotteshäuser sollen geschlossen werden, andere Kirchen stehen mittelfristig auf dem Prüfstand, hatte das Bistum bereits vor einem Jahr festgelegt. Nicht immer wird für die aufgegebenen Kirchen eine neue Nutzung gefunden. Vor allem kleinere Neubauten aus den Nachkriegsjahrzehnten werden auch abgerissen.

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Der Schrumpfkurs zwingt auch zu einem Kurswechsel bei der Betreuung der Gemeinden: Neben Pfarrern wollen künftig auch Laien maßgeblich an der Gestaltung des kirchlichen Lebens mitwirken. Dies hatte der Diözesanrat - die Laienvertretung der Kirche - im Mai gefordert.

Katholische Kirche mit neuen Regeln gegen Missbrauch

Nach der Flut von Missbrauchsfällen hat die katholische Kirche ihre Regeln verschärft. Sie will jetzt entschlossener gegen sexuellen Missbrauch vorgehen. Und solche Verbrechen besser verhindern.

Die deutschen Bischöfe sagen sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche den Kampf an. Monatelang haben sie im Stillen und Geheimen an einem neuen Regel-Katalog gearbeitet, der den Umgang mit Opfern und Tätern festlegt. Die neuen Leitlinien wird der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Trierer Bischof Stephan Ackermann, an diesem Dienstag (31. August) in Trier vorstellen. Klare Botschaft ist: „Sexueller Missbrauch hat in der katholischen Kirche keinen Platz“, sagte der 47-Jährige vorab.

Die neuen Leitlinien sind die Antwort der Kirche auf den riesigen Missbrauchsskandal, der zahlreiche katholische Einrichtungen quer durch Deutschland erschütterte. Der Text entstand unter Federführung von Ackermann, war dieser doch Ende Februar von der Bischofskonferenz mit der bundesweiten Aufklärung des Missbrauchs beauftragt worden. Das Regelwerk - die überarbeitete Fassung eines 16-Punkte-Papiers vom September 2002 - wird mit Spannung erwartet. Die neuen Leitlinien sollen nicht nur für Priester gelten, sondern auch für Ordensangehörige und Mitarbeiter der Bischofskonferenz.

Vor allem zwei strittige Punkte sorgten im Vorfeld für Diskussionen. Einmal die Frage, ob es bei Missbrauchsvorwürfen eine automatische Anzeigepflicht bei der Staatsanwaltschaft geben soll. Bischof Ackermann hatte da zu Vorsicht geraten, weil dies für Opfer belastend sein könnte. Manche wollten eine strafrechtliche Verfolgung gar nicht, hatte er betont. Die Freisinger Bischofskonferenz der bayerischen Bistümer war dagegen im März vorgeprescht und hatte eine Meldepflicht für jeden Verdachtsfall in Kraft gesetzt.

Zudem ist interessant, wie die Bischöfe die Frage nach einem möglichen „Opferfonds“ gelöst haben. Ende März hatte Ackermann noch gesagt, das sei „eine schwierige Frage“. Die Kirche dürfe mit Geld nicht das Signal geben, dass sie sich „freikaufen“ wolle. Den Schaden könne man ohnehin „nicht mit Geld wegnehmen“. Bislang gab es für Missbrauchsopfer therapeutischen Hilfen, die im Einzelfall auch bezahlt wurden.

Für Ackermann war bei der neuen Richtschnur wichtig: „Dass noch deutlicher wird, dass wir die Opferperspektive in den Mittelpunkt stellen wollen und der staatlichen Gesetzgebung uneingeschränkt verpflichtet sind.“ Nicht die Täter, sondern die Opfer müssten geschützt werden.

Bei dem größten Missbrauchsskandal der deutschen katholischen Kirche hatten sich zahlreiche Opfer zu Wort gemeldet, die als Kinder oder Jugendliche - teils vor Jahrzehnten - missbraucht worden waren. Erste Verdachtsfälle gab es Ende Januar am Berliner Canisius-Kolleg der Jesuiten. In den Wochen danach kamen immer neue sexuelle Übergriffe durch katholische Laien, Priester und Ordensleute ans Licht. Wie viele Fälle es bislang sind, ist noch unklar - da noch an einem Katalog zur standardisierten Erfassung gearbeitet wird.

Dass es aber extrem viele sein könnten, zeigt auch der Ansturm auf die Telefon-Hotline für Missbrauchsopfer, die die Kirche Ende März schaltete. Bislang gab es dort rund 23.000 Anrufversuche, mehr als 3000 Gespräche und rund 200 Online-Beratungen.

dpa