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Niedersachsen Bangen und Hoffen in den Garnisionsstädten
Nachrichten Niedersachsen Bangen und Hoffen in den Garnisionsstädten
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08:11 22.10.2011
Die Bundeswehr befindet sich im Umbau. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Schwanewede/Visselhövede/Wilhelmshaven

In niedersächsischen Garnisonsstädten wird wenige Tage vor der Entscheidung über die Zukunft der Bundeswehrstandorte gehofft und gebangt. Seit Monaten gibt es Spekulationen, Konkretes ist bislang nicht durchgesickert. Wie eine dpa-Umfrage ergab, haben kommunale Vertreter gemischte Gefühle. „Wir haben absolut nichts gehört und hoffen, dass der Standort erhalten bleibt“, sagt Johann Kroog (SPD), Stellvertreter des Bürgermeisters von Schwanewede im Kreis Osterholz. In der dortigen Lützow-Laserne sind rund 1300 Soldaten stationiert. „Wir haben unsere Argumente in Berlin vorgetragen und unserer Meinung nach alles getan, um zu überzeugen.“

Die Bürgermeisterin von Visselhövede, Franka Strehse (SPD), ist in Sorge. „In den letzten Monaten habe ich für unseren Standort nur sehr düstere Gerüchte zu Ohren bekommen.“ Eine mögliche Schließung der Kaserne Lehnsheide mit 650 Dienststellen bedeute eine Zäsur, die vergleichbar sei mit dem Konkurs eines bedeutenden Arbeitgebers. „Es fallen Arbeitsplätze weg, ein Gelände, welches für militärische Nutzung angelegt wurde, liegt brach unmittelbar vor der Stadt“, sagt Strehse. „Falls es so kommt, brauchen wir finanzielle Hilfe.“ Da sehe sie Berlin in der Verantwortung. „Es kann nicht sein, dass einfach ein Tor geschlossen wird und das Gelände sich über Jahrzehnte selbst überlassen bleibt.“

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Gravierende Auswirkungen auf die örtliche Wirtschaft befürchtet auch Kroog im Falle einer Standortschließung in Schwanewede. Supermärkten, Tankstellen, Werkstätten und Friseursalons fehlten dann die Soldaten und ihre Familien als Verbraucher, sagt Kroog. „Und was passiert dann mit der Kaserne und dem Übungsplatzgelände?“ Bislang habe sich die Stadt aber noch keine Gedanken darüber gemacht.

Auch in Wittmund, dem Standort des Jagdgeschwaders 71 „Richthofen“, herrscht Unsicherheit über ein mögliches Aus für den Militärflugplatz. Das neue Kampfflugzeug Eurofighter soll nach Medienberichten nicht in Wittmund stationiert werden. Landrat Matthias Köring hat vorsorglich am Tag der Entscheidung (26.) zu einer Pressekonferenz ins Kreishaus eingeladen.

In der Samtgemeinde Selsingen, in der die Kaserne Seedorf liegt, hält man sich bedeckt. Er wolle sich im Vorfeld nicht an Spekulationen beteiligen, sagt Gerhard Kahrs, Stellvertreter von Bürgermeister Hans-Hinrich Pape (CDU). In Seedorf sind die Fallschirmjäger stationiert. Mit knapp 4000 Soldaten ist Seedorf nach Wilhelmshaven und Munster der drittgrößte Standort in Niedersachsen.

Etwas entspannter reagiert der noch bis Ende des Monats amtierende Oberbürgermeister von Wilhelmshaven, Eberhard Menzel (SPD). „Wir sehen das in Wilhelmshaven mit relativer Gelassenheit.“ Der Stützpunkt sei gut aufgestellt. Das gelte auch für das Marinearsenal mit seinen 1400 Beschäftigten. Er sei sicher, dass „die Entscheidung zugunsten Wilhelmshavens fallen wird“, sagte Menzel. Insgesamt gibt es in Wilhelmshaven nach Angaben Menzels rund 9000 zivile und militärische Dienststellen. „Etwa ein Drittel der Bevölkerung von Wilhelmshaven hängt wirtschaftlich von der Bundeswehr ab.“

dpa

Klaus Wallbaum 21.10.2011
Saskia Döhner 21.10.2011
Klaus Wallbaum 21.10.2011