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Niedersachsen Aufregung um vermisste Brennelementekugeln
Nachrichten Niedersachsen Aufregung um vermisste Brennelementekugeln
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17:46 04.04.2011
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Das Atommüllager Asse bei Wolfenbüttel. Quelle: Ralf Decker
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Hannover. Der Umgang mit radioaktiven Brennelemente-Kugeln aus dem Forschungszentrum Jülich sorgt weiter für Verwirrung. Das SPD-geführte Forschungsministerium in Nordrhein-Westfalen berichtete, es sei unklar, wo das Material geblieben sei. Möglicherweise liege es im maroden Atommülllager Asse. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) schloss das am Montag aber klar aus. Das Forschungszentrum Jülich bestritt außerdem, Brennelemente-Kugeln überhaupt zu vermissen. Der Gesamtbestand sei vollständig im Zwischenlager des Forschungszentrums gelagert und bis aufs Milligramm genau dokumentiert, teilte das Forschungszentrum am Montag in Jülich mit.

Am Wochenende war berichtet worden, dass die NRW-Regierung keine genaue Kenntnis habe, wo rund 2300 Brennelemente-Kugeln aus dem 1988 stillgelegten Forschungsreaktor geblieben sind.

Das Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter - seit 2009 verantwortlich für das Atommülllager Asse - teilte in einer Stellungnahme am Montag mit, zwar seien 1976 in der Schachtanlage Asse zwei Fässer mit Brennelementekugeln aus Jülich eingelagert worden. Bei diesen Behältern könne es sich aber nicht um die jetzt als vermisst genannten 2285 Brennelementekugeln handeln.

"Das belegen das relativ geringe Gesamtgewicht und die Aktivität der aus Jülich eingelagerten Abfälle sowie die Tatsache, dass die Anlieferung und der Ort der Einlagerung dokumentiert sind", berichtete die Behörde. Bei den in der Asse eingelagerten Brennelementekugeln handele es sich um mittelradioaktive und nicht um hoch radioaktive Abfälle. Diese Lieferungen von 1976 sind der Atomaufsicht des Landes Nordrhein-Westfalen laut BfS auch bekannt.

Die NRW-Forschungsministerin Svenja Schulze (SPD) sagte am Montag am Rande der Industrie-Messe in Hannover jedoch auf die Frage, ob das Material in der Asse liegen könne: "Es könnte sein, wir wissen es nicht genau." Auch die Gefährlichkeit des Materials ist noch unklar: "Ob es sich um hoch radioaktive oder schwachradioaktive Kugeln handelt, kann man nicht sagen", meinte Schulze. Nun müssten die Betreiber in Jülich schnellstmöglich lückenlos dokumentieren, wohin die Kugeln gegangen seien. "Ich gehe davon aus, dass das möglich ist", sagte die Ministerin.

Das Forschungszentrum in Nordrhein-Westfalen gehört zu 90 Prozent dem Bund und zu 10 Prozent dem Land NRW. Der dortige Reaktor wurde von 1967 bis 1988 mit sogenannten Brennelementekugeln betrieben. Insgesamt gab es dort 288 161 solcher Kugeln - bei 2285, weniger als einem Prozent, ist der Verbleib unklar. Möglich sei, dass diese fehlenden Kugeln als Bruch einzementiert wurden, zu Forschungszwecken gebraucht oder in das Lager Asse gegangen seien, sagte die Düsseldorfer Wissenschaftsministerin. "Wir haben eine Lücke, wo wir nicht genau wissen, wo das ist", sagte die SPD-Politikerin. Anhand alter Bücher müsse es aber in den kommenden Tagen möglich sein, dies genau zu rekonstruieren. Mit dem ungeklärten Verbleib der Brennelemente-Kugeln soll sich am Mittwoch der Düsseldorfer Landtag befassen. Das Atommülllager Asse ist nur für schwach- und mittelradioaktiven Müll zugelassen. Es ist einsturzgefährdet, weil Wasser eindringt. Deswegen soll der Müll aus dem Lager wieder herausgeholt werden. Wann genau damit begonnen werden kann und wohin die rund 126 000 Fässer dann kommen, ist noch unklar.