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Niedersachsen Auflösung der Orientierungsstufe hat Haupt- und Realschulen geschwächt
Nachrichten Niedersachsen Auflösung der Orientierungsstufe hat Haupt- und Realschulen geschwächt
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23:32 18.08.2010
Von Saskia Döhner
2003 wurde die Orientierungsstufe in Niedersachsen abgeschafft.
2003 wurde die Orientierungsstufe in Niedersachsen abgeschafft. Quelle: dpa
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Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt der Bildungsexperte Peter Brammer in seiner jüngsten Studie am Beispiel der Stadt Göttingen.

„Die Auflösung der Orientierungsstufe hat die Erosion des gegliederten Schulsystems erheblich beschleunigt“, sagt der frühere Leiter der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule, der jetzt Lehrbeauftragter an der Universität Göttingen ist. „Die Gymnasien und Gesamtschulen sind die großen Gewinner, die Haupt- und Realschulen sind die großen Verlierer.“ Belegen kann er seine These mit einem Vergleich der Schülerzahlen in Göttingen vor und nach Abschaffung der OS. Betrachtet wurde der Zeitraum zwischen 1996 und 2010. Wechselten im Jahr 2002 noch 20 Prozent der Schüler nach der Orientierungsstufe auf eine Hauptschule und 26,8 Prozent auf eine Realschule, haben sich zum neuen Schuljahr 2010/2011, das im August startet, nur noch vier Prozent der Grundschüler nach der 4. Klasse für den Besuch einer Hauptschule entschieden und noch sechs Prozent für eine Realschule. Insgesamt sank die Zahl der Kinder, die auf die Hauptschule gingen, nach Auflösung der Orientierungsstufe in der Stadt Göttingen um 10,7 Prozent. Bezieht man den Landkreis mit ein, waren es sogar knapp zwölf Prozent. Bei den Realschulen verlief die Entwicklung ähnlich negativ. In der Stadt Göttingen gingen nach dem Ende der Orientierungsstufe knapp acht Prozent weniger Schüler auf eine Realschule (mit Landkreis zehn Prozent). Profitieren konnten hingegen die Gymnasien. Hier nahm die Zahl der Kinder um 8,3 Prozent zu (mit Landkreis 14,1 Prozent). Von den insgesamt 1180 Fünftklässlern des neuen Schuljahres werden 60 Prozent (701) das Gymnasium und 30 Prozent (355) eine der beiden Gesamtschulen besuchen.

Untersuchungen der Schülerzahlen in den Kreisen Osterode und Northeim bestätigten den Göttinger Trend. Dabei hätten sich die Laufbahnempfehlungen der Lehrer kaum geändert, sagt Brammer. Allerdings hielten sich immer weniger Eltern daran. Hauptschulempfehlungen würden fast immer ignoriert, Realschulempfehlungen meistens.

Dass mehr Kinder aufs Gymnasium gingen, bedeute aber nicht, dass die Qualität des Abiturs verflache, betont Brammer. Beim ersten Zentralabitur 2007 hätten drei Gymnasien und eine Gesamtschule aus Göttingen Plätze unter den ersten zehn belegt. Und eine Gesamtschülerin aus Göttingen schaffte gerade die beste Abiturnote.