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Niedersachsen Atomkraftwerk Emsland nach Zwischenfall abgeschaltet
Nachrichten Niedersachsen Atomkraftwerk Emsland nach Zwischenfall abgeschaltet
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07:44 25.07.2009
Atomkraftwerk Emsland Quelle: David Hecker/ddp
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Erst vor kurzem war das von Vattenfall betriebene AKW Krümmel bei Geesthacht wegen eines Transformator-Kurzschlusses vom Netz gegangen. Dem unter Druck geratenen Stromkonzern wurde vorgeworfen, er verharmlose die Pannen.

Nach Angaben des niedersächsischen Umweltministeriums handelt es sich in Lingen um einen Vorfall von geringer Bedeutung, der auf der untersten Meldekategorie und nicht als Störfall eingestuft wurde. Eine Sicherheitsgefahr bestehe nicht, es habe keinerlei Austritt von Radioaktivität gegeben, sagte eine Ministeriumssprecherin. Unklar ist, wie lange das AKW abgeschaltet bleibt.

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Der Grünen-Fraktionschef im niedersächsischen Landtag, Stefan Wenzel, sagte, es sei erstaunlich, dass es sich beim Zwischenfall in Lingen wie in Krümmel um einen Schaden am Transformator handle. Bevor der Reaktor wieder ans Netz gehe, müssten Parallelen zum AKW in Schleswig-Holstein eindeutig ausgeräumt werden.

RWE teilte mit, alle Sicherheitseinrichtungen hätten beim AKW in Lingen ordnungsgemäß funktioniert. Die Überwachungseinrichtung, die den Alarm auslöste, diene dazu, einen Stufenschalter des Maschinentrafos vor Schäden zu schützen. Über den Trafo wird der Strom mit geringerer Spannung aus dem Kraftwerk in das Hochspannungsnetz eingespeist.

Die Behörden seien umgehend informiert worden. RWE leitete Untersuchungen zur Klärung der Ursache ein. Vor einer Inbetriebnahme der Anlage werde es umfangreiche Prüfungen geben. Nach Angaben eines RWE-Sprechers soll das Kraftwerk voraussichtlich für zwei Tage ausfallen. Bei REW wie auch im Kreis Emsland gab es keine Berichte über Stromschwankungen oder -ausfälle.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Bundestags-Grünen, Bärbel Höhn, sagte mit Blick auf den Vorfall im Pannenreaktor Krümmel „Das ist der zweite Vorfall innerhalb kürzester Zeit.“ Deshalb seien die Pläne von Schwarz-Gelb, die Atomkraftwerke länger als geplant laufen zu lassen, „verantwortungslos“. Die Linksfraktion in Niedersachsen forderte ein sofortiges Abschalten aller niedersächsischer Atomkraftwerke.

Der 1400 Megawatt-Reaktorblock wurde 1988 in Betrieb genommen und produziert nach Angaben von RWE elf Milliarden Kilowattstunden Strom jährlich. Damit könnten 3,5 Millionen Haushalte versorgt werden.

Die Sprecherin des Umweltministeriums in Hannover, Jutta Kremer-Heye, sagte, der Zwischenfall im AKW Lingen sei zwar meldepflichtig, werde aber der untersten Kategorie N 0 zugeordnet. Das bedeutet, dass der Zwischenfall innerhalb von fünf Tagen der Atomaufsicht - also dem Ministerium - gemeldet werden muss. Zudem beeinträchtigt er laut einer internationalen Bewertungsskala die Sicherheit nicht. Beim Reaktorunfall von Tschernobyl wurde die höchste Stufe 7 erreicht. Je nach Bedeutung der Zwischenfälle in Atomkraftwerken gibt es außerdem die Meldekategorie E (Eilmeldung) und S (Sofortmeldung).

Die Ministeriumssprecherin berichtete, die Schnellabschaltung des Reaktors in Lingen sei um 3.00 Uhr am Freitagmorgen erfolgt. Noch in den Nachtstunden sei das Ministerium informiert worden. Experten der Atomaufsicht und Gutachter des TÜV seien am Freitag zur Anlage gefahren. Der Hersteller solle nun den Maschinentrafo überprüfen, sagte Kremer-Heye.

lni

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