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Niedersachsen Atomkraftgegner machen mobil
Nachrichten Niedersachsen Atomkraftgegner machen mobil
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20:14 29.08.2009
Quelle: ddp (Symbolbild)
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Lambke sitzt ganz ruhig auf einer Bank am Rande des Geschehen. Das Urgestein der Atomkraftgegner im Wendland lächelt: Vor 30 Jahren hat er einen legendären Trecker-Treck nach Hannover angeführt - am Samstag startete in Erinnerung daran eine neue Tour, dieses Mal nach Berlin. Vier Wochen vor der Bundestagswahl ist die Anti-Atomkraftbewegung in Aufbruchstimmung, beflügelt vom neu entfachten politischen Streit über die Endlagerfrage.

„Wir Bauern sind zäh. Wenn wir wissen, dass etwas nicht gut ist, dann wehren wir uns“, sagt Landwirt Lambke. Für die Fahrt nach Berlin seien seine Augen zu schlecht, sagt der 78-Jährige und deutet auf seine Sonnenbrille. Aber zusammen mit seiner Schwiegertochter und dem Sohn wird er vermutlich am 5. September mit dem Auto zur Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor fahren - dann waren die Traktoren aus dem Wendland eine Woche lang unterwegs. Zu der Demonstration in Berlin werden mehrere zehntausend Teilnehmern erwartet.

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Die Atomkraftgegner haben neuen Auftrieb bekommen. Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass die Erkundungsrechte für Gorleben bis 2015 befristet sind. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hält Gorleben wegen juristischer Hürden und politischer Einflussnahme in den 80er Jahren politisch für „tot“, die Union dagegen setzt weiter auf Gorleben als mögliches Endlager. Der Streit über die Atompolitik ist wieder hochgekocht.

„Die Nachrichten der vergangenen Wochen helfen uns bei der Mobilisierung“, sagt Rebecca Harms, Abgeordnete der Grünen im Europaparlament und langjährige Atomkraftgegnerin. Sie hat Treck-Erfahrung: Die gelernte Gartenbauerin fühlt sich auf dem hohen Bock wohl und tuckert, wie bereits vor 30 Jahren, mit 30 Kilometern pro Stunde in der Kolonne zur Kundgebung vor der Abreise nach Berlin. „Ich finde es gut, dass die Region zeigt, dass sie sich die Durchhaltestrategie nicht gefallen lässt.“

Der rote Traktor von Harms steht ganz am Ende einer schier endlosen Schlange aus landwirtschaftlichen Gespannen, Bauwagen und Kleinbussen. Mindestens 120 seien gekommen, schätzen die Organisatoren, ein Viertel davon macht sich auf den Weg in die Hauptstadt. Auf der Reise nach Berlin macht die Traktoren-Kolonne Station am Schacht Konrad in Salzgitter, dem maroden Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel und in Morsleben in Sachsen-Anhalt.

Campiert wird auf Wiesen und Feldern, zur Verfügung gestellt von sympathisierenden Bio-Bauern. Die Fahrt ist nach Angabe des Treck-Sprechers Jochen Stay von der Bürgerinitiative „ausgestrahlt“ die größte seit 1979: „Es gab zwischendurch fünf kleinere, aber dieser wird ein Zeichen setzen.“ In den vergangenen drei Jahrzehnten ist auch die Ausstattung gewachsen: In der „Volksküche“ wird rein veganes Essen zubereitet, vom „Musikkampfwagen“ dröhnt Reggae-Musik -und in der „Stromwexelstube“ können Verträge für Anbieter alternativer Energien unterzeichnet werden.

lni

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