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Niedersachsen Atomkraftgegner bei Gorleben-Demo verletzt
Nachrichten Niedersachsen Atomkraftgegner bei Gorleben-Demo verletzt
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12:19 06.06.2010
Protest in luftiger Höhe: Demonstranten haben sich an einem Seil befestigt
Protest in luftiger Höhe: Demonstranten haben sich an einem Seil befestigt Quelle: dpa
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Sie protestierten zugleich für den Atom-Ausstieg und gegen Gorleben als Standort für ein nukleares Endlager. Die Polizei zählte rund 500 Teilnehmer. Die Veranstalter sprachen von 800 Teilnehmern und 1000 Polizisten. Bei einem Zwischenfall seien zwölf Demonstranten verletzt worden.

Mehr als 10 000 Polizisten hatten am 4. Juni 1980 das Hüttendorf der „Freien Republik Wendland“ an der Tiefbohrstelle für das Atommüll-Lager gewaltsam geräumt. Atomkraftgegner hatten die Bohrstelle 33 Tage besetzt gehalten.

Bei der Umrundung des Erkundungsbergwerks durch Demonstranten am Samstag sollen Polizisten Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt haben, als ein Teilnehmer am Bauzaun gerüttelt habe. Ein Polizeisprecher sagte dagegen, der Demonstrant habe den Zaun durchschneiden wollen. Zwei Männer seien zur Personalienfeststellung kurz in Gewahrsam gekommen. Gegen sie wurden Platzverweise ausgesprochen. Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg (BI) sprach von einem “überzogenen und hypernervösen“ Einsatz“. Dabei habe es Schläge in die Magengegend und blutige Ohren gegeben.

Bei der Kundgebung verlangten Redner, Gorleben als Lagerstätte aufzugeben und zu einem Solebad umzuwandeln. Damit könnten auch Arbeitsplätze erhalten werden. Nach Angaben der Bürgerinitiative war die Veranstaltung auch der „Startschuss für einen heißen Herbst“. Im Herbst werde der nächste Castortransport erwartet.

Die anhaltenden Proteste zeigen nach Ansicht der Niedersächsischen Grünen, dass die Mehrheit der Menschen im Wendland und in ganz Deutschland gegen Atomkraft sei. Die Bundesregierung könne auch mit der Verschiebung der Entscheidung über eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken auf Ende Juli einem gesellschaftspolitischen Konflikt nicht ausweichen.

Die Endlagerprojekte Asse, Morsleben und Gorleben seien auf ganzer Linie gescheitert, erklärte am Sonntag der Vorsitzende der Grünen Landtagsfraktion in Hannover, Stefan Wenzel. Es sei aberwitzig, vor diesem Hintergrund über längere Laufzeiten entscheiden zu wollen. Dieser Plan spalte die Gesellschaft und verschiebe die Lösung tiefgreifender Probleme auf kommende Generationen. dpa

Klaus Wallbaum 04.06.2010