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Niedersachsen Asse-Arbeiter zeigt frühere Betreiberin an
Nachrichten Niedersachsen Asse-Arbeiter zeigt frühere Betreiberin an
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11:45 23.06.2009
Kläger Eckbert Duranowitsch
Kläger Eckbert Duranowitsch Quelle: Jens Krone
Anzeige

Die Behörde hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Verfasser der Strafanzeige ist Eckbert Duranowitsch. Der Schlosser hatte von 1987 bis 1990 in dem nahe seines Wohnorts Wolfenbüttel gelegenen ehemaligen Salzbergwerk gearbeitet. „Ich wurde in allen Bereichen von Asse II eingesetzt. Damals hat mich niemand vor dem erhöhten Strahlungsrisiko gewarnt. Im Gegenteil: Die Verantwortlichen haben erklärt, die radioaktiven Abfälle seien sicher gelagert. Die Strahlung in dem Schacht sei geringer als über Tage“, erklärte er am Montag.

Kritik übte Duranowitsch vor allem an den nachlässigen Sicherheitsvorkehrungen. Niemand habe in der Anlage ein Dosimeter zur Anzeige der Strahlung getragen. Er habe „eimerweise Lauge schleppen müssen“, die vermutlich hochgradig verseucht war. Mittlerweile stehe fest, dass die Belastung der Flüssigkeit mit radioaktiven Stoffen die gesetzlichen Grenzwerte um ein Vielfaches überschritten hätten. Das gelte vor allem für das gefährliche Tritium.

1999 hatten Ärzte bei Duranowitsch Leukämie diagnostiziert. „Ich hatte gleich den Verdacht, dass die Krankheit mit meiner früheren Arbeit in Asse II zusammenhängt. Das haben damals alle für unmöglich erklärt“, sagte er.

Wie es mit der Anzeige weitergeht, muss die Staatsanwaltschaft jetzt prüfen. Dabei kommt es nicht zuletzt auf die Frage der Fristen an. „Und da könnte es ein Problem geben“, erklärte Sprecher Joachim Geyer am Montag. Ausschlaggebend sei der Zeitpunkt, zu dem bei Eckbert Duranowitsch die Leukämie-Erkrankung festgestellt wurde. „Nach heutigem Recht wäre eine schwere Körperverletzung zehn Jahre später verjährt. Damals galten allerdings noch andere Gesetze. Demnach trat die Verjährung bereits nach fünf Jahren ein.“ Dennoch wolle seine Behörde vorerst weiter in der Angelegenheit ermitteln, versicherte Geyer. Außer Duranowitsch sind von zwei weiteren früheren Mitarbeitern des Endlagers Erkrankungen bekannt, die auf radioaktive Strahlungen zurückgehen könnten.

von Jens Krone