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Niedersachsen Ärger hinterm Deich: Peta will Wattfahrten verbieten lassen
Nachrichten Niedersachsen Ärger hinterm Deich: Peta will Wattfahrten verbieten lassen
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10:10 27.02.2019
UNTERWEGS IM WATT: Die Kutschfahrten an der niedersächsischen Nordseeküste sind bei Urlaubern beliebt. Quelle: Fotos: Pöllath
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Hannover/Cuxhaven

Fred Meier-Klocker schüttelt den Kopf. „Also, ich bin ja wirklich für Tierschutz, aber das hier ist abenteuerlich.“ Der 72-Jährige aus Hannover ist bald die dritte Saison als Wattwagenfahrer unterwegs. Er fährt von Cuxhaven nach Neuwerk als Kutscher, schaut dabei auf die breiten Rücken seiner Lieblinge, den Kaltblütern Polly und Michael. Und freut sich, dass diese Fahrt die Pferde, ihn und natürlich die Gäste entspannt. Jetzt aber fordern die Tierrechtler der Organisation Peta, diese Wattfahrten zu verbieten.

Grund: Am Duhner Loch – das ist ein Priel von der Weser- zur Elbmündung – kämen die Wattwagen immer öfter nicht durch das tiefe Wasser, der Priel verschlickt. Und da er immer gefährlicher werde, solle der Wattwagenbetrieb eingestellt werden. „Vor eine Kutsche gespannte Pferde durch solch tiefen Gewässer zu schicken“, sei verantwortungslos, so ein Peta-Vertreter. Außerdem seien Pferde sensible Fluchttiere und die Risiken bei Kutschfahrten unkontrollierbar, jährlich würden sich deutschlandweit dutzende, teils schwere Unfälle mit Pferdekutschen ereignen. Dazu stellt Peta eine Liste mit Unfällen auf die Homepage. Cuxhaven findet man dort allerdings nicht.

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„Wie auch?“, sagt Fred Meier-Klocker. „Diese Wattkutschen fahren hier seit 130 Jahren und es ist kaum etwas passiert.“ Natürlich könnten Pferde mal durchgehen, „es ist ja unbestritten, dass es Fluchttiere sind“. Für jeden Kutscher sei es aber eine Selbstverständlichkeit, die Tiere gut zu behandeln. „Das sind Arbeitspferde, die würde es ohne die Kutschfahrten ja gar nicht mehr geben“.

Dass das Duhner Loch ein Problem ist, weiß er. „Aber niemand treibt die Pferde dort durch, wenn das Wasser zu hoch ist.“ Man könne genau sehen, wie hoch die Pegelstände sind, „und wenn nicht genügend Wasser abfließt, dann biegen wir nach Duhnen ab und fahren durch den Küstenheideweg“. Meier-Klocker berichtet von einem Fall Ende September vergangenen Jahres. „Wir waren unterwegs nach Neuwerk, in der Zwischenzeit drehte sich der Wind und frischte auf, das Duhner Loch war auf dem Rückweg nicht mehr durchquerbar. Es war selbstverständlich, dass wir nach Neuwerk zurück sind.“ Ein Teil der Gäste habe auf der Insel übernachtet – Meier-Klocker nicht so bequem auf dem Kutschbock, seine Pferde aber sicher und sauber untergebracht. 180 Leute wurden mit dem Schiff geholt. „Aber das fährt ja auch nicht, wenn das Niedrigwasser zu tief ist.“ In Cuxhaven wünschen sich viele, dass das Duhner Loch „endlich entschlickt wird“, damit die Kutschen problemlos durchkommen – „aber deswegen die ganzen Wattwagen zu verbieten, ist doch völliger Quatsch“, meint Meier-Klocker, den man in Hannover übrigens als Künstler „Freddy Caruso“ kennt.

Dass Peta „fehlende Sicherheitsvorrichtungen wie Gurte und Airbags“ in den Kutschen anmahnt, ist für den 72-Jährigen, der bei Wind und Wetter auf dem offenen Wagen fährt, hanebüchen. „Airbag für Kutschen? Wir wollen doch mal die Kirche im Dorf lassen“, schnaubt er. Und: „Jede Kutsche ist mit Bremsen ausgestattet, die Wagen werden einmal jährlich vom TÜV überprüft, die Kutscher und Gespanne in den Sommermonaten von der Reiterstaffel Hannover, die hier in Cuxhaven ist, kontrolliert“, erzählt er.

Petas Vorwurf heißt, „eine tiergerechte Lebensweise wird Pferden vor Kutschen verwehrt“. Pferde seien sehr sensible und soziale Lauftiere, die in einer Herde leben möchten. „Sie benötigen gutes Futter und stets frisches Wasser, Pflege und medizinische Versorgung. Selbstverständlich sollten zudem natürliches Sonnenlicht und frische Luft zur Verfügung stehen.“

Fred Meier-Klocker kann den letzten drei Sätzen zustimmen. „Genau das bekommen sie doch.“ Für die Besitzer seien die Tiere natürlich auch ein Wirtschaftsgut, „die haben gar kein Interesse daran, ihre Tiere schlecht zu behandeln“. Die Vorwürfe von Peta seien „kraus gedacht und von keiner Sachkenntnis getrübt“, meint Meier-Klocker.

Von Petra Rückerl