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Medien ZDF-Chefredakteur Brender muss gehen
Nachrichten Medien ZDF-Chefredakteur Brender muss gehen
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17:58 27.11.2009
Von Imre Grimm
Quelle: ddp (Archivbild)

Freitagabend sollte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender einen Vortrag in Berlin halten. Vor 180 Gästen der Deutschen Journalisten-Union wollte der 60-Jährige über ein diffiziles Thema sprechen: „Das notwendige Überleben des Journalismus“. Gestern sagte Brender den Termin ab. Denn am Ende hat er selbst diesen Tag nicht überlebt: Der 14-köpfige ZDF-Verwaltungsrat hat gestern entschieden, seinen Vertrag nicht zu verlängern. Brender war zwischen die Mühlen der Medienpolitik geraten – und wurde zerrieben.

Damit hat sich der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) durchgesetzt. Seit Monaten hatte er eine Unionsmehrheit gegen Brender im Verwaltungsrat organisiert – mit dem Argument, die ZDF-Nachrichten hätten Zuschauer verloren. Tatsächlich dürften sich Koch und sein Verwaltungsratskollege Edmund Stoiber (CSU) eher an der politischen Unberechenbarkeit des als unabhängig geltenden Brender gestoßen haben. Stoiber soll sich im Bundestagswahlkampf 2002 ungerecht von Brender behandelt gefühlt haben.

Am Ende konnte dem gestandenen TV-Macher niemand mehr helfen: nicht die Last-Minute-Rettungsversuche der SPD („Berlusconi-Methoden“), nicht die Proteste von Grünen und FDP, nicht die Solidaritätsbekundungen aus der Branche, nicht die Appelle namhafter Staatsrechtler. die vor einem Verfassungsbruch warnten. Brender wurde zum Opfer einer beispiellosen politischen Machtdemonstration. ZDF-Intendant Markus Schächter hätte ihn gern bis 2014 weiterbeschäftigt. „Ich habe kein Verständnis dafür“, sagte er gestern. Bis Jahresende wird er nun einen neuen Kandidaten benennen.

Für Brender stimmten sieben der 14 Mitglieder, für eine Vertragsverlängerung wären aber neun Stimmen erforderlich gewesen. Brenders Amtszeit läuft damit Ende März 2010 aus. Die Reaktionen fielen überwiegend kritisch aus: Es habe „keine stichhaltigen Argumente gegen Brender“ gegeben“, kritisierte der Verwaltungsratsvorsitzende Kurt Beck (SPD). Der Berliner Staatsrechtler Ulrich Battis sagte, das Verfahren sei „eine Missachtung der Rundfunkfreiheit“.

Brender war seit April 2000 ZDF-Chefredakteur. Tatsächlich sind in seiner Amtszeit die Quoten der „heute“-Nachrichten von 19,6 Prozent (2005) auf 16,9 Prozent (2008) gesunken. Auch die „Tagesschau“ gab Marktanteile ab, RTL dagegen legte zu. Allerdings fiel Brenders Amtszeit in eine Phase extremer „Marktsegmentierung“: Seit er im Amt ist, stieg die Zahl der frei empfangbaren TV-Sender von knapp 40 auf mehr als 70.

Ein Gutes hat der medienpolitische Paukenschlag: Die Debatte um politische Ränkespiele bei ARD und ZDF dürfte nun erst so richtig beginnen. Beck schloss gestern rechtliche Schritte nicht aus.

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