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19:58 28.02.2010
Schüler der Peter-Petersen-Schule in Hannover stehen beim Filmfest „Sehpferdchen“ hinter der Kamera. Quelle: Nico Herzog

Trickfilme werden sie in Zukunft mit anderen Augen sehen. Denn die 24 Schüler der Glockseeschule in Hannover haben selbst einen gedreht. „Eine bewegte Zeit“ heißt der Legetrickfilm, der aus Hunderten Bildern besteht und doch nur wenige Minuten dauert. Viel Arbeit steckt in dem Kurzfilm, den die Acht- bis Zwölfjährigen speziell für das Filmfest „Sehpferdchen“ als Vorfilm gedreht haben.

Hinter die Kulissen schauen – genau darum geht es beim niedersächsischen Kinderfilmfest „Sehpferdchen“, das noch bis Mittwoch läuft. Denn Einblicke in die Filmproduktion helfen, Filme zu verstehen. Das sagt Kulturpädagogin Bianca Beck. Sie moderiert Vorstellungen und führt anschließend Filmgespräche: „Jeder, der einen Film gemacht hat, guckt Filme anschließend ganz anders. Manche Menschen sagen, das entzaubert einen Film. Ich finde das nicht.“ Gesprochen wird nicht nur über den Inhalt des Films, sondern auch über dessen Machart. „Kinder sind sich nicht bewusst, was die Medien mit ihnen machen. Wie Medien wirken, lässt sich ganz einfach verdeutlichen, indem man zum Beispiel bei einem Film den Ton abdreht“, erklärt Beck.

Seit 1998 bringt das Festival Filmkultur und Medienpädagogik zusammen. Dabei verfolgt das „Sehpferdchen“ den Anspruch, Filmbildung als klassischen Bestandteil von Medienkompetenz zu fördern.

Wie Lesen und Schreiben gehört Medienkompetenz inzwischen zur Allgemeinbildung. Schon in der Kindheit beginnt der Konsum von Medien. Fernsehen und Internet spielen im Alltag von Kindern und Jugendlichen eine große Rolle. Laut der Studienreihe „Jugend, Information, (Multi-)Media“ (JIM) 2009 des Medienpädagogischen Forschungsverbands Südwest sehen 90 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen mindestens mehrmals pro Woche fern, ebenso häufig wird das Internet genutzt. Ihre tägliche Nutzungsdauer für das Fernsehen schätzen die Jugendlichen mit 137 Minuten sogar noch etwas höher ein als die Zeit, die sie mit dem Internet verbringen (134 Minuten).

Medien liefern Informationen, sie unterhalten, beeinflussen und schaffen Wirklichkeiten. Während Erwachsene zwischen Realität und Fiktion unterscheiden können, haben Kinder häufig Probleme, den Unterschied zu erkennen. In diesem Zusammenhang ist der Einfluss von Gewalt in den Medien ein oft diskutiertes Thema.

Medienkompetenz besteht aus mehreren Komponenten. Voraussetzung ist das technische Wissen über den Umgang mit den Medien. Dann muss ein Verständnis dafür entwickelt werden, wie Medien funktionieren, und schließlich sollten Kinder und Jugendliche in der Lage sein, selbst Medieninhalte zu erstellen und zu verbreiten. In der Schule kann Medienkompetenz als eigenes Unterrichtsfach oder als integrierter Teil im Fachunterricht gelehrt werden. In Baden-Württemberg gibt es zum Beispiel das Fach informationstechnische Grundbildung, in dem Kompetenzen und Inhalte vermittelt werden, um mit der digitalen Medienwelt kritisch umzugehen.

In Niedersachsen dagegen gibt es Medienkompetenz nicht als eigenes Unterrichtsfach. Das bestätigt Pressesprecher Andreas Krischat vom niedersächsischen Kultusministerium. Doch laut dem niedersächsischen Schulgesetz muss Medienerziehung ab der Grundschule in jedem Jahrgang in den Fachunterricht integriert werden. In welchem Ausmaß die Lehrer Medienerziehung in ihren Unterricht aufnehmen, bleibt jedoch ihnen selbst überlassen.

„An unserer Schule machen die Schüler zum Beispiel einen Computerführerschein, und bei unserem Zirkusprojekt haben sie eine Zeitung mit dem Computer erstellt“, sagt Elke Zimmermann, Lehrerin an der Grundschule Auf dem Loh in Hannover. Sie besucht mit ihrer vierten Klasse die „Sehpferdchen“-Filmschule. Dort können Schulklassen Studioatmosphäre schnuppern und Einblicke in filmische Technik gewinnen. Als Kameramann oder Technikfilmer, Synchronsprecher oder Talkshow-Moderator können die Kinder in unterschiedliche Rollen schlüpfen. „Das verändert die Medienwahrnehmung der Kinder“, sagt Bernd Wolter von der Medienwerkstatt Linden, die dieses Projekt in Kooperation mit dem Medienpädagogischen Zentrum Hannover anbietet. „Aber das will nicht heißen, dass es ihr Konsumverhalten auf lange Sicht ändert.“ In erster Linie solle die Filmschule Spaß machen und die Kreativität der Kinder fördern.

Sichtbare Erfolge der Computerkurse hat die Klassenlehrerin bereits beobachtet: „Die Kinder gehen ganz anders mit der Technik um.“ Medienerziehung sei ein wichtiges Thema für die Schule. „Wie oft ich an den Computer gehe, welche Internetseiten sicher sind – all das muss in der Schule vermittelt werden“, findet die Lehrerin für Deutsch, Sachunterricht und Englisch. Doch nicht nur die Lehrer, auch die Eltern sind bei der Medienerziehung gefordert. Dass das häufig ein Problem ist, hat die Grundschullehrerin selbst erlebt. „Zum Beispiel wussten Eltern nicht, dass Computerspiele eine Altersempfehlung haben“, sagt Zimmermann. Das habe sie entsetzt. Auch Lehrer seien manchmal überfordert. „Ich denke, dass Unterstützung in Form von Fortbildungen angebracht ist.“

Die Kinder sind den Erwachsenen indessen einen Schritt voraus. „Ich kannte das vorher alles schon“, sagt der neunjährige Ufuk über den Computerführerschein. „Das hab’ ich von meinem Bruder gelernt.“

Mirja Weber

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