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Medien Fremdsprachen sollen künftig in Echtzeit übersetzt werden
Nachrichten Medien Fremdsprachen sollen künftig in Echtzeit übersetzt werden
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20:07 24.02.2010
Englisch-arabisches Gesprächsforum: Die jeweilige Übersetzung wird zunächst vollautomatisch von einer Maschine bereitgestellt. Der Text steht anschließend wie bei der Wikipedia zur Überarbeitung durch andere bereit – so dass die typischen Fehler einre maschinellen Übersetzung korrigiert werden. Quelle: Screenshot

Am Montag startete Meedan, ein neuer Internet-Dienst aus Kalifornien. Unter www.meedan.net ist ein Gesprächsforum im Netz entstanden, das weit über bisherige Forentechniken im Web hinausgeht. Veröffentlichungen in englischer und in arabischer Sprache sind dort möglich – und das System ist darauf ausgelegt, die Beiträge in die jeweils andere Sprache zu übersetzen und übersichtlich anzuzeigen. Ein Beispiel: Eine Diskussion über die Zwangsheirat eines 80-jährigen Mannes mit einem zwölfjährigen Mädchen in Saudi-Arabien.

Die Website zeigt zunächst die nüchternen Fakten in einem Zeitungsartikel, dargestellt in einer englischen und einer arabischen Spalte. Kommentare von Lesern zu diesem Vorfall, der Menschenrechtsorganisationen und Gerichte beschäftigt, erscheinen ebenfalls zweisprachig. Eine Maschine übersetzt den neuen Kommentar zunächst automatisch. Da üblicherweise die Qualität einer maschinellen Übersetzung nicht ausreicht, um auch Nuancen zu erfassen, bietet das System eine durchdachte Hilfe für Freiwillige an, die Übersetzung zu verbessern – ganz ähnlich wie bei der erfolgreichen Wikipedia, an der mehrere Menschen aus aller Welt an Begriffsdefinitionen arbeiten können.

Das erfolgreiche Wikipedia-Prinzip erlebt hier seine Fortsetzung. Denn schlechte Übersetzungen oder „Verschlimmbesserungen“ anderer lassen sich stets rückgängig machen oder nur in Teilen übernehmen. Meedan will eine weltweite Community etablieren, die ganz wie bei der Wikipedia die Mechanismen der Gesprächsforen ausbaut, „gute“ und „schlechte“ Übersetzungen und Übersetzer sortiert und am Ende eine schnelle und zuverlässige Texttechnik für fremdsprachliche Werke bereitstellt. Als Grundlage für die erste maschinelle Übersetzung kommt bei Meedan Software von IBM zum Einsatz.

Das so etwas funktioniert, hatten auch bei der Einführung der Wikipedia nur wenige erahnt.

Doch kommen in dem Beispiel der Zwangsheirat einer Zwölfjährigen durchaus Gespräche zwischen Sprachfremden zustande. Da schreibt etwa ein Araber als Kommentar, auf der Seite zunächst vom Arabischen ins Englische übersetzt, hier auf Deutsch: „Ich bin fürs Heiraten junger Mädchen, was ist das Problem? Es ist ein wunderbares Vergnügen, und das hatte ich auch mit meiner Frau, nichts lief falsch. Problematisch ist Gewalt, der Mann sollte seine Frau ordentlich behandeln, und er sollte viel jünger als 80 sein. Wenn er 30 oder jünger ist, ist solch eine Heirat aber okay.“ Andere widersprechen auf Englisch, verweisen auf die emotionale und physische Entwicklung eines Mädchens, das noch keine Erwachsene ist; Dinge also, die für unseren westlichen Kulturkreis einen selbstverständlichen Respekt vor der Kindheit und der Menschenwürde darstellen. Solche kleinen Erwiderungen anderer Internetnutzer bewirken, so die Hoffnung der Betreiber des Forums, auf lange Sicht mehr beim gegenseitigen Verständnis. Man gerät dank der Technik zumindest schon einmal ins Gespräch.

Von dort zu anderen Sprachpaaren ist es nur ein kurzer gedanklicher Weg. Und auch die Liveübersetzung durch Handy-Software erscheint in greifbarer Nähe, wie Google-Chef Eric Schmidt kürzlich ankündigte. Fremdsprachler könnten irgendwann in ihrer jeweiligen Heimatsprache miteinander telefonieren, ein Computer würde automatisch übersetzen, so seine Vorstellung.

Marcus Schwarze

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