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Nachrichten Medien & TV Zwei neue Staffeln für die „Simpsons“ – aber ihre Zukunft ist offen
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17:20 08.02.2019
Gelb und gute Worte: Die „Simpsons“ sind die am längsten laufende TV-Hauptabendserie der US-Geschichte. Quelle: Fox
Springfield

Das ist ja immer so eine Sache, wenn Anarchisten in die Jahre kommen. Plötzlich stehen dieselben Rocker, die einst das Establishment in die Knie zwingen wollten, in Rüschenschürzen in Landhausküchen herum und schuppen Fische.

Anders bei den „Simpsons“. Seit 30 Jahren gehört das berühmteste US-Quintett seit den Jackson Five zwar zum TV-Establishment – als langlebigste und lukrativste Cartoonserie der Geschichte. Ihren biestigen Reiz als Antihelden aber haben sie nicht verloren. Gerade hat der Sender Fox zwei neue Durchläufe bestellt. Es sind die Staffeln Nummer 31 und 32.

Die Wirklichkeit hat die Satire überholt

Sicher: Auch Amerikas unmöglichste Familie kämpfte immer mal wieder mit dem Zeitgeist. Erst überholte die Wirklichkeit die Satire, als tatsächlich eine Cartoonversion eines US-Präsidenten die Macht im Land übernahm (die im Jahr 2000 in der Folge „Barts Blick in die Zukunft“ noch als Quatschkandidat aufgetaucht war). Dann galt eine zauberhafte Figur wie Kwik-E-Mart-Betreiber Apu Nahasapeemapetilon einigen Wohlmeinenden plötzlich als rassistisch, weil sie die Stereotype indischer US-Einwanderer repräsentiere: Fleiß, Ehrgeiz, Neopatriotismus, braune Haut, Akzent und viele Kinder. Als könnten überzeichnete Klischees und das Spiel mit dummen Vorurteilen nicht auch dazu dienen, exakt diese Vorurteile zu entlarven.

Als die „Simpsons“ 1989 auftauchten, geriet die süßliche Zuckerwelt von Disney unter Druck. Aber inzwischen ist es eng geworden zwischen „South Park“, „Family Guy“ und „American Dad“. Es geht nicht mehr ganz ohne Ideenrecycling. Und sicher war Homer früher auch mehr Papa mit Herz und weniger egoistischer Depp („Nehmt nicht mich!“, ruft er, als Aliens ihn entführen wollen. „Ich habe Frau und Kinder! Nehmt die!“).

Amerika im bitterbösen Zerrspiegel

Aber noch immer zeigen die „Simpsons“ Amerika in einem bitterbösen und doch liebenswerten Zerrspiegel: korrupte Politiker, scheinheilige Prediger, doppelbödige Moral, marode Schulen, der Vater ein phlegmatischer TV-Junkie, der Sohn ein Satansbraten, der Arbeitgeber ein neoliberaler Sadist. Es sind die Frauen, die den Laden zusammenhalten: die politisch engagierte Lisa und natürlich Ex-Hippi Marge, die Queen Mum all jener Mädchen, die cooler sind als ihr Ruf.

Groening wurde zeitweise zum Zentralgestirn der westlichen Popkultur. Seine Schöpfung diente als Kristallisationspunkt aller Strömungen der US-Kultur mit einem bisher unerreichten Anspielungsreichtum in Sachen Film, Musik, Kunst, Fernsehen, Literatur und Geschichte. „Wir geben uns immer wieder eine Wahnsinnsmühe mit den Dialogen und diesen superfeinen Anspielungen auf Filme und Bücher“, hat er mal gesagt. „Aber dann kriegt den größten Lacher doch Homer, wenn er nach seinem Bierchen rülpst.“

Die „Simpsons“ waren eine Geldmaschine – bis jetzt

Nun also: zwei neue Staffeln. Aber es gibt ein Problem: Die Produktion einer einzigen Episode (seit Staffel 20 in HD) kostet mehr als eine Million Dollar und dauert sechs Monate. Allein die Sprecher verdienen pro Folge jeweils rund 50 000 Dollar. Die „Simpsons“ sind teuer. Sehr teuer. Jahrzehntelang war das kein Problem, denn was die Herstellung verschlang, holten „Simpsons“-T-Shirts und -Kaffeebecher, Lizenzmagazine und Spiele sowie die weltweite Vermarktung vielfach wieder rein. Die „Simpsons“ waren für den gesamten Fox-Konzern eine Geldmaschine. Bis jetzt.

Disneys Fox-Übernahme könnte die „Simpsons“ gefährden

Nun steht der Disney-Konzern kurz davor, einen Großteil des Medienunternehmens 21st Century Fox zu übernehmen, darunter auch das Produktionsstudio der „Simpsons“ – nicht aber das TV-Network Fox, das die Folgen bisher ausstrahlt. Der Sender muss seit Jahr und Tag hohe Lizenzgebühren an das Produktionsstudio zahlen. Kein Problem, solange beide Bereiche unter einem Konzerndach vereint sind und die Gewinne unterm Strich sprudeln. In Zukunft aber würde Fox für die „Simpsons“-Folgen der letzten 30 Jahre an Disney zahlen. Mehr noch: In den USA steigen die Lizenzgebühren mit den Jahren an. Das bedeutet: Die „Simpsons“ werden für den Sender Fox immer mehr zum Verlustgeschäft. Der Branchendienst DWDL.de spekuliert bereits über das Ende der Serie. Oder wechselt die gelbe Truppe einfach zum Disney-eigenen Sender ABC? Unwahrscheinlich. Denn eine Serie, die Gläubige aller Religionen verkaspert, eine dysfunktionale Familie feiert und munter die Bibel flöht (Homer am Eiscremestand: „Einen Turm zu Babel bitte, und bauen Sie ihn ruhig bis zum Himmel“) – das wäre wohl zu viel für Disney. Möglich also, dass Homers letzter Donut naht.

Die Geburt der „Simpsons“

Matt Groening war ein arbeitsloser Comiczeichner und Gelegenheitschauffeur, als er Mitte der Achtzigerjahre den Auftrag bekam, einen Pausenfüller für die damals erfolgreiche „Tracey Ullman Show“ zu entwickeln. Seine wackelig gezeichneten, glupschäugigen gelben Helden mit Überbiss und vier Fingern pro Hand, spontan hingeworfen in 15 Minuten auf ein paar Schmierzettel, lösten bei den Fox-Managern Skepsis aus, doch das Publikum entschied anders: Aus den Lückenfüllern wurden Stars, aus der Notlösung eine unzerstörbare Comicserie mit bisher 652 Folgen à 22 Minuten in 30 Staffeln. Zwei weitere sind angekündigt.

Von Imre Grimm

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