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Medien & TV Wo es für Thomas Broich super läuft
Nachrichten Medien & TV Wo es für Thomas Broich super läuft
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06:15 23.08.2012
Von Michael Lange
ZWEI LEBEN: Thomas Broich liefert sich am Strand in Australien mit einem Freund ein Wettrennen. 2006 bejubelte er im Kölner Trikot seinen Treffer zum 3:2 im Pokalspiel gegen Schalke.
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Hannover

Das gelobte Land. Australien so zu nennen, wäre im Fall Thomas Broich vielleicht zu hoch gegriffen. Das Leben auf dem Kontinent hat für den Fußball-Profi allerdings durchaus paradiesische Züge: „Irgendwie ist es hier wie in einem riesigen Urlaubsresort“, sagt Broich. Und irgendwie lässt sich heraushören, dass er es noch nicht fassen kann, ausgerechnet dort gelandet zu sein.

Es war ja auch ein weiter Weg für den heute 31-Jährigen bis zu seiner Ankunft 2010 in Australien. Zwischendrin ist in seiner Laufbahn „extrem viel extrem scheiße“ gelaufen, wie der Beinahe-Nationalspieler bekennt. Wie alles kam und wie Broich sein spätes Glück in Australien fand, davon berichtet die Dokumentation „Tom meets Zizou – kein Sommermärchen“, die heute auf WDR 3 als TV-Premiere läuft, merkwürdigerweise erst um 22.30 Uhr. Der Film von Aljoscha Pause hätte einen besseren Sendeplatz verdient gehabt. Acht Jahre, von 2003 bis 2011, begleitete Pause Broichs Fußballerleben. Herausgekommen ist ein Werk, das hymnisch bejubelt wurde. Völlig zu Recht: Solche Einblicke ins Innere des Profi-Fußballs hat kaum ein Film je gewährt.

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Das hat nur in zweiter Linie damit zu tun, dass die wechselhafte Karriere des fußballerisch Hochbegabten beim A-League-Klub Brisbane Roar auf ein märchenhaftes Happy End zuzusteuern scheint. Broich ist mit den Roars zügig zweimal australischer Meister geworden (2011 und 2012), war vergangene Saison Australiens Fußballer des Jahres, schoss zwischendurch „das schönste Tor der Vereinsgeschichte“ (von den Fans gewählt) und ist – natürlich – Publikumsliebling der Roars.

Das alles hätte er möglicherweise auch in der Bundesliga haben können, schließlich galt Broich, der Mittelfeld-Zauberer, wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Lukas Podolski als ein Hoffnungsträger für die WM 2006. Aus den Nationalmannschaftsplänen wurde aber nichts. Weil er Verletzungspech hatte – und weil er eben so war, wie er ist. Er galt als der „andere“ Profi, den Literatur und klassische Musik mehr interessierten als die Sorge um den nächsten Sportwagen oder den nächsten Vertrag. Unter den Kollegen hatte er seinen Spitznamen schnell weg: „Mozart“ nannten sie ihn. Davon bekamen auch die Medien Wind, und nach seinem Wechsel vom Zweitligisten Burghausen in die Bundesliga zu Borussia Mönchengladbach wurde sein Image als Fußball-Intellektueller zementiert. Übrigens mit bereitwilliger Unterstützung Broichs, der entsprechende Anfragen gern bediente. „Denken und siegen“ lautete eine der Schlagzeilen aus jener Zeit, Broich schaut einem aus dem Hochglanzmagazin entgegen wie ein sinnierender Philosoph.

Das kitzelte seine Eitelkeit, schuf ihm aber nicht nur Freunde. Sein Spiel, seine Art, seine Überzeugungen gefielen nicht jedem Trainer. Schon gar nicht „General“ Dick Advocaat, der Broich in Gladbach vergraulte – zum1. FC Köln in die 2. Liga. Dem FC verhalf er maßgeblich zum Aufstieg, was ihn in den Augen des zwischenzeitlich in Köln als Trainer-Messias installierten Christoph Daum aber nicht nützlich machte. „Ich mochte die Stadt, aber dann kam der große Zampano und es wurde echt doof“, resümiert Broich die Kölner Zeit.

Danach hatte seine Karriere bereits Schaden genommen, ganz im Eimer war sie, als er auch noch beim 1. FC Nürnberg scheiterte. Er überwarf sich mit Michael Oenning, einem Trainer, den er eigentlich sehr mochte. Broich, von Selbstzweifeln zerfressen, stürzte in „eine ausgewachsene Fußballer-Depression“ und zog seine Konsequenz: „Ich hatte nicht mehr den Biss, ich war nicht mehr gut genug, es wurde Zeit, dass ich abhaue.“

Zu seinem Glück, wie „Tom meets Zizou“ zeigt. Der Titel bezieht sich auf die E-Mail-Adresse von BroichFrankreichs Weltstar Zinedine „Zizou“ Zidane war sein Abgott. Zidane verehrt er immer noch, getroffen hat er den Franzosen aber nie. Und die E-Mail-Adresse gibt es nicht mehr.

„Tom meets Zizou – kein Sommermärchen“, Dienstag, 22.30 Uhr, WDR.