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Medien & TV „Wetten, dass ..?“: Spucke, Schweiß und Blondinen
Nachrichten Medien & TV „Wetten, dass ..?“: Spucke, Schweiß und Blondinen
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20:58 04.10.2009
Von Wiebke Ramm
Thomas Gottschalk stellt Michelle Hunziker eine Dose auf den Kopf, die von einem Armbrustschützen heruntergeschossen werden soll.
Thomas Gottschalk stellt Michelle Hunziker eine Dose auf den Kopf, die von einem Armbrustschützen heruntergeschossen werden soll. Quelle: ddp
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Wenn Thomas Gottschalk, dem Meister des Altherrenwitzes, einen ganzen Abend lang eine Blondine (Michelle Hunziker) zur Seite gestellt wird (Gottschalk: „Ein guter Moderator und etwas Blondes fürs Auge“), dann noch Oliver Pocher, Michael „Bully“ Herbig und Veronica Ferres vorbeischauen und schließlich ein Mann die Düfte getragener Gummistiefel inhaliert, um vier von fünf Frauen zu erschnüffeln, hat am Sonnabend wohl kein „Wetten, dass ..?“-Zuschauer ernsthaft intellektuelles Niveau erwartet.

Tatsächlich blieb die Liveshow aus Freiburg frei von derartigen Überraschungen. Daran änderten auch Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und die Holocaust-Überlebende Marga Spiegel nichts. Und dennoch: Wer trotz des Tohuwabohus dem Drang zur Fernbedienung widerstand, fühlte sich nach gut drei Stunden zwar erschöpft, aber doch gut unterhalten.

Die internetaffinen Zuschauer freuten sich, dass die ZDF-Show im digitalen Zeitalter angekommen ist und lästerten über „Twitter“: „,Wetten, dass ..?‘ wird moderner: Gottschalk hat ,youtube‘ gesagt.“ Über das Videoportal können nun Wettvorschläge eingereicht werden. Dass viele Gottschalk-Gucker gleich bei Twitter blieben und das Geschehen live kommentierten, lag auch an der Redaktion von ZDF-online, die auf das Getwittere offenkundig spontan und angenehm selbstkritisch reagierte: „Wir haben eben mal die Tweets zu #wettendass überflogen. Erster Eindruck: eher durchwachsene Meinungen.“ Da hatte ein Mann gerade in zwei Minuten 100 Flaschen umgepustet und Gottschalk auch in Gegenwart von Marga Spiegel an seinem bekannten Small-Talk-Repertoire festgehalten und Ferres gefragt: „Willst du nicht auch so aussehen mit 97 Jahren?“

Die Tokio-Hotel-Fans jedenfalls kamen auf ihre Kosten. Im Studio geriet ein Mädchen derart in Ekstase, dass es seinen tätowierten Po entblößte, um Bill zu huldigen. Der jedoch blieb cool. Nach einem seltsamen Auftritt von Whitney Houston ließ sich Oliver Pocher bei seinem kurzen Stand-up-Programm dabei zusehen, wie er als Einziger über sich selbst lachte.

Der charismatischste Gast war mit Abstand der elfjährige „Wickie“-Darsteller Jonas Hämmerle, der schlagfertig jede dusselige Frage konterte. Da Gottschalk selbst im Gespräch mit einem Kind nicht ohne Mann-Frau-Gedöns auskommt, fragte er es allen Ernstes, ob es angesichts eines jungen Mädchens in den Zuschauerreihen nervös werde. Jonas schien sich da längst Gottschalks Spruch zu Herzen genommen zu haben: „Nicht bewegen, egal, was passiert: Es wird furchtbar.“ Er bewahrte Haltung und lächelte keck. Das tat er auch, als er von eindrucksvoll echt wirkenden Dinosauriern bestürmt wurde, die demnächst in einer Show durch Deutschland touren.

Und Michelle Hunziker? Sie freute sich ganz offensichtlich auf ihre Aufgabe, die Wettkandidaten zu betüddeln – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als sie auf den Gummistiefel-Schnüffler traf. Hunziker distanzierte sich auf ihre Art von dem Mann mit der sehr speziellen Wettidee und wechselte plötzlich ins Sie. Da ahnte man noch nicht, dass damit die Ekelphase nicht vorüber war, sondern ein anderer Wettkandidat mithilfe eines Spuckefadens Briefmarken in ein Schälchen transportieren würde.

Im Durchschnitt sahen 11,29 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 37,8 Prozent) diesen TV-Jahrmarkt. Ein Quotenerfolg.