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Medien & TV Wenn Amazon plötzlich E-Books löscht
Nachrichten Medien & TV Wenn Amazon plötzlich E-Books löscht
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10:03 20.07.2009
Von Ernst Corinth
Hier ist das E-Book noch mit Inhalt gefüllt. In den USA löschte Amazon in einem Fall den Inhalt. Quelle: Foto: Yoshikazu Tsuno/AFP
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Zur schönen, neuen Welt zählt auch der Kindle. Eine elektronische Lesemaschine, ja, eine Art kleiner Computer, der vom Internetversandhändler Amazon vertrieben wird, allerdings noch nicht in Deutschland. Bei Amazon kann und soll man sich auch die Buchinhalte, die E-Books, besorgen. Falls sich solche Geräte durchsetzen sollten, brechen für unsere Wälder wunderbare Zeiten an: Für E-Books braucht man eben kein Papier und damit auch kein Holz. Und wenn sie die Papierbücher völlig verdrängen sollten, dann macht dies sogar so unappetitliche Dinge wie Bücherverbrennungen, Zensur oder Verbote absolut überflüssig.

Genau das zeigt nun ein Fall aus den USA, in dem auch Amazon die Hauptrolle spielt. Dabei geht es um E-Books, die der Händler vertrieben hat, obwohl, wie sich dann herausstellte, diese Ausgaben illegal waren. Der Hersteller, der die Titel bei Amazon eingestellt hatte, besaß also keine Rechte dafür. Das kann ja schon mal vorkommen. Bisher wurden solche Angebote einfach aus dem Katalog genommen, sprich: gelöscht. Doch diesmal beschritt man andere Wege. Der Kindle verfügt über eine Funktion namens „Whispernet“ – eine Art Mobilfunkverbindung, mit der das Gerät via Internet Kontakt zu Amazon aufnimmt. Das ermöglicht zunächst das einfache Herunterladen von E-Books – kann aber offenbar auch zum Löschen von Inhalten auf fremden Geräten genutzt werden.

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Plötzlich verschwanden Titel spurlos, die Kunden zuvor zu einem Schnäppchenpreis bei Amazon gekauft hatten. Sie wurden also gelöscht, ohne dass die Besitzer der Lesegeräte zuvor gefragt worden waren. Das mag legal sein. Doch bei vergleichbaren Fällen mit Papierbüchern würden ja die Inhaber von Buchrechten bestimmt nicht klammheimlich bei Leuten einbrechen, um illegal hergestellte Titel zu sichern.

Bei den gelöschten E-Books handelt es sich um zwei Werke von George Orwell: „Farm der Tiere“ und ausgerechnet „1984“. Ein Klassiker und eine unschöne Utopie über einen Überwachungsstaat, der in diesem Fall ironischerweise vorweggenommen wurde. Was auch Amazon inzwischen gemerkt hat, zukünftig möchte das Unternehmen auf ähnliche Löschaktionen verzichten. Und ihr Geld bekamen die Kunden natürlich zurück.