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Medien & TV Voll verpixelt - schärfer sehen auf der IFA
Nachrichten Medien & TV Voll verpixelt - schärfer sehen auf der IFA
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22:02 31.08.2012
Berlins Regierender, Klaus Wowereit, auf der IFA.
Berlins Regierender, Klaus Wowereit, auf der IFA. Quelle: dpa
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Berlin

Mit neuen Technologien wollen die Elektronikhersteller auf der IFA in Berlin beweisen, dass es für immer größere gestochen scharfe Fernsehbilder immer noch eine Steigerung gibt. Das Internet gehört inzwischen zur Standardausstattung eines jeden modernen Fernsehers - „Smart“ ist das Zauberwort der diesjährigen IFA. „Fast alle heute verkauften TV-Geräte sind inzwischen Smart TVs“, erklärte Gerhard Schaas, Vorstandsmitglied der Deutschen TV-Plattform, gestern in Berlin. Jetzt gehe es darum, an den Inhalten zu arbeiten.

Mit Bildschirmdiagonalen von 84 Zoll (213 Zentimeter) bringen unter anderem die Hersteller LG und Sony das TV in Leinwand-Größe ins Wohnzimmer. Damit das HD-Bild bei solchen Ausmaßen nicht langsam wieder pixelig wird, setzen die Hersteller bei ihren neuen Modellen vermehrt auf die sogenannte 4K-Technologie. Dabei bildet das Display vier Mal mehr Pixel ab als herkömmliche Full-HD-Bildschirme (2K).

„LCD-Displays sind technologisch noch lange nicht ausgereizt“, sagt Laurent Abadie, Europachef von Panasonic. In Sachen Qualitätssteigerung sei bei den Bildschirmen noch viel Luft nach oben. Dank leistungsfähiger Prozessoren rechnen viele Geräte auch das normale Fernsehsignal auf das heutige Full-HD oder sogar auf 4K-Auflösung hoch.

Das dürfte mittelfristig auch nötig sein: Denn bis es eine geschlossene Kette für Full-HD-Inhalte mit einer Auflösung von 1080p vom Studio bis zur Ausstrahlung ins Wohnzimmer geben wird, sei noch einiges zu tun, glaubt Helmut Stein, Vorstandsmitglied der Deutschen TV-Plattform. Der große Vorteil an der 4K-Technologie ist, dass der Sitzabstand zum Fernseher kaum noch eine Rolle spielt.

„Die Auflösung wird immer wichtiger, wenn man einen großen Bildschirm hat und den Abstand zwischen Sofa und Fernseher nicht beliebig vergrößern kann“, erklärt Sascha Lange von Toshiba. Mit 4K passe quasi jede Fernsehgröße in jedes Wohnzimmer. Die vierfache Auflösung hat auch einen großen Vorteil bei 3D-Darstellungen, die das Bild in der Regel deutlich dunkler und unschärfer machen. So könnten die 4K-Technologie und neue Displays dem 3D-Fernsehen einen neuen Schub geben. Denn die Hoffnung der Industrie, 3D nicht nur im Kino, sondern auch im Wohnzimmer zum Kassenschlager zu machen, hat sich bisher kaum erfüllt.

Eine aktuelle Umfrage von Kabel Deutschland ergab zum Beispiel, dass die 3D-Fähigkeit nur für 20 Prozent der Nutzer von Interesse ist. Zu den bedeutenden Entwicklungen in der Fernsehgeschichte zählen nur zwölf Prozent der Befragten das dreidimensionale Bild. Die führenden Elektronikhersteller bieten die Technologie inzwischen auch meist nur noch als zusätzliches Feature unter anderen an.

Der südkoreanische Elektronikhersteller LG setzt auf der IFA allerdings einen seiner Schwerpunkte auf 3D und demonstriert in einer eigenen Halle eindrucksvoll die technischen Möglichkeiten, 3D hautnah zu einem Erlebnis werden zu lassen. Unter anderem stellt das Unternehmen einen 84 Zoll großen 3D-Fernseher mit Internet-Verbindung vor. Während viele Hersteller bei den noch immer erforderlichen Brillen inzwischen auf die günstigere passive Technik ohne elektrische Blenden setzen, will Toshiba eine Brille komplett überflüssig machen. Ein erstes Gerät mit 55-Zoll-Bildschirm hat das Unternehmen bereits vorgestellt. Der weitere Plan sei aber noch nicht fix, betont Sascha Lange von Toshiba. Noch kostet das Gerät rund 9000 Euro. „Der nächste Schritt wird sein, günstigere Preise anzupeilen.“

Der hohe Preis ist auch bei einer anderen Technologie noch eine Hürde für den Verbrauchermarkt. So stellen Samsung und LG in Berlin erste Fernseher in 55-Zoll-Größe mit dem neuen OLED-Display vor. Das organische Material ist selbstleuchtend und erübrigt den aufwändigen Einbau zusätzlicher Leuchtmittel. Dadurch können die Bildschirme hauchdünn hergestellt werden - LGs Flaggschiff etwa ist mit vier Millimeter gerade einmal halb so dünn wie ein normales Smartphone.

Zudem stellt OLED deutlich kontrastreichere Bilder und mehr Farben dar. Die Reaktionszeit ist nach Angaben von Samsung 1000 Mal kürzer als bei einem LCD-Bildschirm, dadurch können auch schnelle Bewegungen und Bildwechsel gestochen scharf dargestellt werden. Doch der Gerätepreis dürfte vorerst nicht weit unter 10000 Euro fallen.

(Renate Grimming)