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Medien & TV Vogue-Chefin über die Insignien der Macht
Nachrichten Medien & TV Vogue-Chefin über die Insignien der Macht
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21:41 06.09.2012
Von Nora Lysk
Die Chefredakteurin der deutschen Ausgabe des Modemagazins Vogue: Christiane Arp. Quelle: dpa (Archiv)
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Berlin

Warum wird man als Frau gern als oberflächlich belächelt, wenn man sich für Fashion interessiert?

Ich glaube, dass in diesem Land ein anderes Selbstverständnis vorherrscht als beispielsweise in Frankreich. Für erfolgreiche Männer ist es völlig legitim, wenn der Erfolg mit einem tollen Auto oder einer teuren Uhr auch belohnt und gezeigt wird. Das ist bei Frauen anders. Die Insignien der Macht sind in Deutschland immer noch sehr männlich geprägt.

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Kennen Sie das Gefühl, als oberflächlich zu gelten?

Ja. Das haftet unserer Branche an. Ich bin häufig damit konfrontiert, als oberflächlich eingestuft zu werden. Viele unterschätzen, wie viel Hintergrundwissen notwendig ist, um Mode und ihre Strömungen einordnen zu können.

Mode und Emanzipation schließen sich also nicht aus?

Auf keinen Fall. Man muss sich bewusst sein, welche Signale Mode senden und wie machtvoll sie sein kann. Ich finde es furchtbar, wenn ein Kleid die Frau, die es trägt, überschattet. Die Frau sollte ihr Kleid tragen, nicht umgekehrt.

Welches Frauenbild vermittelt die „Vogue“?

Das der selbstbewussten, kosmopolitischen Frau, die aber auch emotional entscheidet und nach dem Lustprinzip handelt. Die „Vogue“ ist ein Heft, das eine Escape-Funktion hat, ein Heft, mit dem man träumen kann. Und sie ist ein Gesellschaftsmagazin. Eigentlich gibt es kaum ein Thema, das es bei uns nicht gibt. Nur Diäten wird man bei uns nicht finden. Diese „In-sieben-Tagen-sieben-Kilo-weniger-Themen“ sind unser einziges Tabuthema.

Das passt zur Health-Initiative, die Sie gestartet haben.

Wir sind die Branche, die meist dafür verantwortlich gemacht wird, wenn Menschen krankhaft dünn sind. Da könnte man provokant nachfragen, warum dann auf der anderen Seite so viel mehr Menschen viel zu dick sind – oder aber wir nutzen unsere Power als Sprachrohr und appellieren an die schwarzen Schafe unter den Designern und Agenturen, eben nicht mehr mit Models zusammenzuarbeiten, die offensichtlich krank oder zu jung sind.

Kann die Fashion Week in Berlin ein Statement in Sachen Mode setzen?

Die etablierten, großen Marken sind immer noch in Paris oder Mailand. Dieser Vergleich hat keine Aussagekraft. Die Intention der Berliner Fashion Week ist doch eine andere. Hier muss der Einkäufer Dinge sehen, die er in Paris eben nicht entdeckt. Sie muss anders sein, sonst bräuchte er nicht zu kommen. Gleichzeitig muss man mit dem Vorurteil aufräumen, dass es in Deutschland kein gutes Design gibt. Die Fashion Week bietet dafür die Plattform, die es zuvor in Deutschland nicht gab.

Ist Berlin mittlerweile die deutsche Modehauptstadt?

Ja. Für die vielen jungen Designer, die aus dem Ausland nach Berlin kommen, definitiv. Sie finden hier ein Zuhause und eine gute Infrastruktur, in der sie wachsen können. Das suchen sie in anderen europäischen Modemetropolen oft vergeblich. In Berlin gibt es viele Schneidereien und Ateliers, auf die sie zurückgreifen können. Das hat sich auch durch die Fashion Week entwickelt, und so findet man hier auch immer mehr und besseres Design.