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Nachrichten Medien & TV Viele Veteranen bei Raabs "Bundesvision Song Contest"
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19:35 30.09.2010
Von Imre Grimm
Am Freitagabend geht in Berlin Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest 2010“ über die Bühne. Quelle: dpa

Man könnte natürlich die Frage stellen, ob die ganze Sache jetzt überhaupt noch sein muss. Ob der „Bundesvision Song Contest“ noch gebraucht wird. Jetzt, wo Lena das Original gewonnen hat, den Grand Prix, mit Stefan Raab an ihrer Seite, als Vater des Erfolgs. Denn der „BuViSoCo“ – das war das aus Trotz geborene Gegenmodell zum Eurovision Song Contest, 2004 frühmorgens auf der Aftershowparty in Istanbul erdacht, als Raab stinksauer war über den enttäuschenden achten Platz seines Schützlings Max Mutzke („Can’t Wait Until Tonight“) und die geschlossene Phalanx der osteuropäischen Discopop-Hühner. Knurrend entschied er damals: Dann machen wir’s eben selbst. National. Auf PRO7. 16 Lieder, 16 Bundesländer, Abstimmung wie gewohnt, und fertig.


Und jetzt? Nach Oslo? Braucht das Land noch die Fälschung, wenn es mit dem Original wieder im Reinen ist? Antwort: Ja. Es wäre schade um den „Bundesvision Song Contest“. Denn der Wettbewerb ist inzwischen die wichtigste Popnachwuchsplattform im deutschen Fernsehen. Man muss immer mal daran erinnern: Das Musikfernsehen ist tot, Viva und MTV zeigen nur noch säftelnde Altstars bei der Blondinensuche und flirtende US-Teenager, die Restsender begnügen sich mit halbseidenen Castingshows, bei denen es um alles Mögliche geht, nur eben nicht um Musik.

Die Mischung macht’s bei Raab. Nischenbarden gegen Chartstürmer, Softpop gegen Experimentelles. Das gilt auch für den vergleichsweise balladesk geratenen sechsten „BuViSoCo“, der am Freitagabend um 20.15 Uhr über die Bühne geht (live auf PRO7). Nach dem Sieg des Berliners Peter Fox trifft man sich diesmal in der Max-Schmeling-Halle in der Hauptstadt. Nachwuchsshow hin oder her: Noch nie traten so viele gestandene Musiker an. Für Niedersachsen gehen die (Hamburger) Herren Bernd Begemann (47, lange her: Die Antwort) & Dirk Darmstaedter (45, noch länger her: Jeremy Days mit „My Brand New Toy“) ins Rennen. Ihr Freddy-Quinn-Retro-Rockabilly-Schlager „So Geht Das Jede Nacht“ hat nicht die geringste Chance bei der Zahnspangenfraktion (Begemann: „Alles über Platz 16 wäre ein Erfolg!“) – ist aber ganz lustig. Sei’s drum: Eine Niedersächsin hat ja bereits gewonnen in diesem Jahr. Darmstaedter macht gerne mit: „Die Show ist eines der letzten Nadelöhre der totformatierten deutschen Medienlandschaft, wo man die Chance hat, von mehr als seinen zehn Freunden wahrgenommen zu werden.“

Topfavorit sind die Kleine-Mädchen-Erschrecker von Unheilig (Begemann: („Der erbärmlichste Name im deutschen Pop“), die für Nordrhein-Westfalen starten. Sänger „Der Graf“ trägt statt eines bürgerlichen Namens lieber schröckliche Kontaktlinsen zu düsterem Synthiepop und sinnarmen Texten, könnte dank seiner stabilen Gothic-Gefolgschaft aber den Sieg davontragen. Weitere Hochkaräter sind Ich+Ich für Berlin – mit der Ballade „Yasmine“, ihrem letzten Lebenszeichen vor der angekündigten Kreativpause –, die DDR-Veteranen von Silly („Alles Rot“) mit der neuen Sängerin Anna Loos, Ehefrau von Jan Josef Liefers, und die wiedervereinigten Hafenrocker Selig aus Hamburg mit Sänger Jan Plewka, deren neues Album „Von Ewigkeit Zu Ewigkeit“ heute erscheint.

Mittelprächtige Aussichten haben die bayerischen WM-Rapper von Blumentopf mit ihrem coolen Mitgröhlstampfer „Solala“ und Stanfour aus Schleswig-Holstein. Die Gebrüder Alex und Konstantin Rethwisch von der Insel Föhr waren immerhin auch schon mal Vorband von Pink. Und auch für Randständiges ist Platz, wie etwa „Das Gezeichnete Ich“ aus Brandenburg. Trotz seiner ziemlich albernen, pseudointellektuellen Medieninszenierung – Kein Name! Keine Interviews! Geheim! – gelang dem Sänger ein schönes Liedchen.

Schrat des Abend ist die „Blockflöte des Todes“ alias Matthias Schrei aus Sachsen, dessen Beitrag „Alles wird teurer“ fair gehandeltes Kokain bewirbt. Huh! Provokation!
Verzichten muss die Fangemeinde diesmal auf Christian Wulff. Das ist bedauerlich, denn wie sich der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident in der Vergangenheit bei der Punktevergabe aus Hannover elektrisch lächelnd neben aufgeregte Privatradiomenschen von ffn quetschte, war stets ein Quell der Freude. Für Hessen geht dafür – mit Sängerin Oceana – ein alter Bekannter ans Werk: Leon Taylor, der nach seiner souligen Version von Herbert Grönemeyers Ballade „Der Weg“ bei „Unser Star für Oslo“ kurzzeitig als schärfster Konkurrent von Lena galt. Moderiert wird die PRO7-Show von Johanna Klum und Stefan Raab.

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