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Medien & TV Therapiestunde mit Thomas Gottschalk
Nachrichten Medien & TV Therapiestunde mit Thomas Gottschalk
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06:16 17.09.2012
Von Sebastian Scherer
GRUPPENBILD MIT DAME:  Thomas Gottschalk (links), Michelle Hunziker und  Dieter Bohlen suchen  ab heute Supertalente. Foto: RTL
GRUPPENBILD MIT DAME: Thomas Gottschalk (links),Michelle Hunziker und Dieter Bohlen suchen ab heute Supertalente.Foto: RTL
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Berlin

Zuerst erschien es unmöglich. Dann fragwürdig. Heute Abend wird es ab 20.15 Uhr für Millionen Zuschauer Realität: Thomas Gottschalk sitzt für das TV-Publikum am Jury-Pult beim „Supertalent“. Die Nachricht, dass der 62-Jährige zu RTL wechselt, sich neben Michelle Hunziker und Dieter Bohlen setzt und mehr oder weniger geglückte Talent-Auftritte bewertet, überraschte die Branche

 Als das Fernsehurgestein „Wetten, dass?..?“ nach dem Unfall von Samuel Koch aufgegeben hatte, versuchte es sich an einer Vorabend-Plaudershow. Weil „Gottschalk Live“ aber konzeptlos, träge und unmotiviert wirkte und letztlich erfolglos war, setzte die ARD es wieder ab. Er sagte damals: „Zur Not moderiere ich meine Frau Thea in der Küche zu.“

Bei Aufzeichnungen der Show im?Berliner Tempodrom, die die NP besuchte, wirkte Gottschalk so, als habe man einen Apple-Mitarbeiter entführt und bei Samsung ausgesetzt – alles merkwürdig vertraut, aber doch so ganz anders. Manch Darbietung der Kandidaten unterschied sich kaum von dem, was Gottschalk bisher bei „Wetten, dass?..?“ zu sehen bekommen hatte. Manche sehr. Ein Paar, das sagt, es könne toll tanzen, dann aber mit Standards langweilt und rausgebuht wird. Ein Junge aus Russland, der sich durch „A Moment like this“ jault. Der Entertainer bleibt höflich, zurückhaltend, er muss offensichtlich mit der Situation erst warm werden. Hier und da ein Witz, die Lacher hat ein anderer – Dieter Bohlen. Für Alphamännchen Gottschalk ist das sicher nicht leicht. Vor allem bei Gesangsdarbietungen verweist er auf den „Pop-Titanen“, „der kennt sich damit besser aus“. In den fürs TV geschnittenen Pausen zwischen Auftritten wird deutlich, wieso Gottschalk das Engagement angenommen hat. Geld wird er nicht brauchen. Über die inszenierten Emotionen beim „Supertalent“ – noch vor der Show werden Standing Ova-?tions gefilmt, die später „natürlich passend“ (Zitat Teammitglied) in die Sendung geschnitten werden – hat er sich zu ZDF-Zeiten lustig gemacht.

Aber Gottschalk scheint sich nach Aufmerksamkeit zu sehnen. Wenn aus dem Publikum Leute „Dieter“ schreien, dreht sich Bohlen selten um. Gottschalk reagiert auf „Thommy!“ eigentlich immer. Er winkt, er grinst, er ist wieder da. Bei späteren Aufzeichnungen wird er in Pausen Haribo-Tüten ins Publikum werfen und sich gegen den Willen der Produktionsfirma (Kameras strikt verboten!) im Studio mit Fans fotografieren lassen.

Der Durchschnittsgast bei der RTL-Aufzeichnung braucht Gottschalk nicht – Gottschalk ihn aber lieber als gar keinen.