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Medien & TV Tatort am Sonntag: Wilde Fasnacht, blutige Morde
Nachrichten Medien & TV Tatort am Sonntag: Wilde Fasnacht, blutige Morde
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20:00 10.02.2013
Von Andrea Tratner
Sonntags-Tatort: "Die schöne Mona ist tot".
Sonntags-Tatort: "Die schöne Mona ist tot". Quelle: SWR/Stephanie Schweigert
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Der Fall
Der Tod mordet mit einen großen Dolch. Als am Luzerner Kapellplatz der „Fötzliregen“ (Altpapierkonfetti aus der Kanone) auf die Narrenschar niedergeht, jagt ein Unbekannter mit schwarzem Umhang und Maske dem Baudezernenten der Stadt die Waffe in die Brust. Der hatte zuvor noch in einem Hotel eine Prostituierte mit K.o.-Tropfen außer Gefecht gesetzt und vergewaltigt und aus seiner dicken Geldbörse tausende Franken Schweigegeld gezahlt. Das Opfer trägt die Robe einer Zunft: „Die Wächter am Pilatus“ sind eine geheimbündlerische Männerriege, deren Mitglieder mauern – obwohl sie Zielscheibe des Mörders sind.

Die Kommissare
Reto Flückiger(Stefan Gubser) ist genervt. Am „Schmotzigen Dunschtig“ geht es in Luzern wild her, vor seinem Schlafzimmerfenster johlen betrunkene Fasnacht-Fans. Der humorlose Thurgauer flüchtet auf sein Boot und segelt nachts über den Vierwaldstätter See. Seine Kollegin Liz Ritschard (Delia Mayer) vergnügt sich mit einem Faschings-gspusi – und wälzt sich im Bett mit einer Frau, als der Mord gemeldet wird. Mit etwas Blut in der Promillebahn schleppt sich Ritschard zum Tatort, kämpft mit ihrem Kater und Flückigers „Na,wie heißter?“-Sprüchen. Der Kommissar ist in den ersten drei Folgen als Macho, Macher und aufrechter Superheld aufgebaut worden, feine Antennen für die sexuelle Orientierung seiner Kollegen gehören nicht zu seinen Stärken. „Du hast keine Ahnung von meinem Leben“, motzt ihn Ritschard an. Stimmt. Sonst würde er ihr im Laufe der Ermittlungen auch nicht (im Scherz?) gestehen, dass er Kinder mit ihr will. Langsam gewinnt das spröde Ermittler-Duo Konturen, das macht Hoffnung für die Zukunft.

Die Geschichte
Gedreht wurde dieser „Tatort“ vor einem Jahr während der närrischen Tage – der Ausnahmezustand der Stadt ist real, keine Fiktion. Schwieriger ist die Trennlinie zwischen der Krimihandlung und echten Zünften. Das Drehbuch wurde mit einem Zunft-Repräsentanten entwickelt, der wurde aber kurz vor Drehbeginn aus seinem Verein ausgeschlossen, es hagelte Kritik an dem Projekt. Regisseur Dany Levy („Alles auf Zucker“), der selbst aus der Schweiz stammt, schaltete Juristen ein, um sicherzustellen, dass man ihm keine Rufschädigung vorwerfen kann. Im Film werden die Pilatus-Wächter aber trotzdem als „korrupter Männerklüngel“ bezeichnet, der sich mit Karabinern, Lanzen, Säbeln und einem seltsamen Ehrenkodex schmückt. Als noch ein Robenträger stirbt, will Flückiger, der den Fall persönlich nimmt, am liebsten die Fasnacht absagen – und legt sich mit Chef und Kollegen an. Was nervt: In Luzern wird nicht diskutiert, sondern immer gleich geschrieen, in Besprechungen herrscht die Dezibelstärke einer Flughafen-Startbahn. Das wirkt leider meist unmotiviert und aufgesetzt.

Fazit
Geht doch! Regisseur Levy wackelt mit der Kamera und ahmt große Vorbilder wie Sidney Pollack in den 70ern nach, Reto Flückiger hat eine Action-Szene bei einer Verfolgungsjagd über schneebedeckte Dächer, DJ Bobo und E.T. haben skurrile Gastauftritte. Reicht für einen halbwegs gelungenen „Tatort“.

„Tatort: Schmutziger Donnerstag“: Sonntag, 20.15 Uhr, ARD.