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Medien & TV Tatort: Wer hats vergurkt? Die Schweizer!
Nachrichten Medien & TV Tatort: Wer hats vergurkt? Die Schweizer!
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21:05 24.08.2012
Von Andrea Tratner
TOD AUF DEM BERG: Wirt Rolf Arnold (Peter Freiburg-haus, rechts) ist verdächtig, Reto Flückiger (Stefan Gubser) glaubt nicht an seine Schuld – und streitet sich deshalb mit Kollegin Liz (Delia Mayer).
TOD AUF DEM BERG: Wirt Rolf Arnold (Peter Freiburghaus, rechts) ist verdächtig, Reto Flückiger (Stefan Gubser) glaubt nicht an seine Schuld – und streitet sich deshalb mit Kollegin Liz (Delia Mayer). Quelle: ARD
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Hannover

Der Fall: Das Schweizer Großkapital stürzt tief – aus einer Gondel. Der reiche Luzerner liegt am Morgen nach einer Feier auf der Wissifluh (die der Folge den schönen Immobilien-Titel „Hanglage mit Aussicht“ gibt) mit zerschmetterten Knochen am Fuß des Berges. Wer hat ihn aus der Seilbahn gestoßen? Verdächtig ist der alte Wirt des Ausflugslokals am Gipfel: Rolf Arnold (Peter Freiburghaus) wehrt sich gegen den Ausverkauf seiner Heimat mit der Mistgabel. Seine Tochter hingegen hatte mit dem potentiellen Investor angebändelt und hinter dem Rücken des Vaters den Verkauf des überschuldeten Lokals in 1-A-Lage geplant.

Die Kommissare: Auch in der dritten Runde wird man nicht warm mit den Kommissaren aus der Schweiz. Reto Flückiger (Stefan Gubser) markiert den taffen Einzelgänger. Einer gegen alle, immer mit dem Kopf durch die Wand. Deshalb ist er permanent anderer Meinung als seine Kollegin Liz Ritschard (Delia Mayer), die ihrerseits nur in Polizei-Lehrbuch-Schablonen denkt. Und damit der Zuschauer diesen Konflikt auch ja kapiert, gibt es Drehbuch-Preziosen wie den Satz „Brauchst du Feinde, weil du keine Freunde hast?“ Der Luzern-„Tatort“ arbeitet an Flückigers Superman-Image: Die Strecke vom Tal zum Wissifluh-Gipfel rennt er in wenigen Minuten. Respekt!

Die Ermittlungen: Flückiger glaubt nicht an die Schuld des alten Arnold. Gut, dass es noch eine Handvoll anderer Verdächtiger gibt: Die Schlager singende Ehefrau des Toten, die kurz vor der Scheidung nun doch noch erbt. Den Drohbrief schreibenden Ex-Freund der Wirts-Tochter. Den schmierige Stiftungs-Geschäftsführer, der den Arnolds ein großzügiges Darlehen zur Rettung der Wissifluh anbietet. Schade nur, dass das Drehbuch holpert und stolpert, kein Schwarz-Weiß-Schema und keine Plattitüde auslässt („Es geht immer um Geld auf dieser Welt“), die Schauspieler mit sparsamer Mimik ihre Dialogzeilen runterrasseln. Hin und wieder streut Autor Felix Benesch Lokalkolorit ein. Da wird dann als Fluch „Gottfried Stutz“ gerufen oder sich mit „Auf Wiederluage“ verabschiedet. Was nicht darüber hinweg tröstet, dass auch in diesem „Tatort“ die Schwizerdütsch-Passagen miserabel nachsynchronisiert wurden.

Fazit: Luzern war der letzte „Tatort“ vor der Pause und der erste danach. Hoffentlich ist jetzt laaaange Ruhe.