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Medien & TV Tatort: Milberg ermittelt in der Musikszene
Nachrichten Medien & TV Tatort: Milberg ermittelt in der Musikszene
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13:20 17.09.2009
Axel Milberg spielt in seinem 13. Tatort.
Axel Milberg spielt in seinem 13. Tatort. Quelle: ddp
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Im 13. Fall wagt das Ermittlerduo aber endlich den nächsten Schritt, während es einen Mord in der glamourösen Musikszene um den Rockstar Bodo Dietrich (Hugo Egon Balder) aufklären muss. Die ARD zeigt „Borowski und die Sterne“ am Sonntag (20. September) um 20.15 Uhr.

Darin werden Borowski und Jung zu einem Hotel gerufen, wo die Mittfünfzigerin Margret Saloschnik (Helen Schneider) tot aufgefunden wurde. Alles deutet darauf hin, dass sich die Frau vom Dach des Hauses gestürzt hat. Die Ermittler stoßen rasch auf die Verdächtigen:
ihr Ehemann Eberhard (Hermann Beyer) sowie ihre Ex-Geliebten Bodo und Henning (Hans Uwe Bauer). Aber auch Margrets Tochter Janis (Esther Zimmering) und ihr Freund Tim (Stefan Konarske) scheinen etwas zu verbergen.

Für ihren dritten „Tatort“ ist die Autorin und Regisseurin Angelina Maccarone auf verschiedenen Zeitebenen in die Welt der Musik und der junggebliebenen „Alt-68er“ eingetaucht. Ihr Protagonist, der gealterte Rockstar Bodo, darf noch einmal ein umjubeltes Comeback feiern, ehe er sich in einem Jahrzehnte alten und komplexen Wirrwarr aus Liebe, Geld und Eifersucht wiederfindet.

„Es geht ja auch um Ruhm, was fast noch wichtiger ist als das Geld, und um die Sehnsucht, gesehen, wahrgenommen zu werden“, erklärt Maccarone, die mit „Erntedank e.V.“ und „Wem Ehre gebührt“ bereits zwei Niedersachen-„Tatorte“ inszeniert hat. Diese Sehnsucht werde dem Einen, nämlich Bodo, erfüllt. Dem Anderen, dem Gitarristen Henning, bleibt sie verwehrt. „Das ist ein Konflikt, der mich interessiert“, sagt die Filmemacherin.

„Es war bereits im Vorgespräch mit Angelina Maccarone völlig klar, dass ich mich für diese Rolle äußerlich verändern werde. Ich wollte auch nicht, dass jeder beim Anblick gleich an den Kasper aus der Unterhaltung denkt“, sagt der gelernte Schauspieler und Musiker Balder. Mit Haarteilen sowie einem echten Bart hat sich der 59-Jährige in Bodo verwandelt: „So sah ich im Prinzip früher mal aus.“

Ansonsten hat er nicht viel mit der Figur gemeinsam, die sich zwischen hartem Rocker und introvertiertem Romantiker bewegt. Diese Eigenschaften sind ihm auch aus seiner Jungend nicht vertraut, in der er als Schlagzeuger in Bands spielte: „Ich war völlig unbedarft, war weder in mich gekehrt noch habe ich Fernseher aus dem Fenster geworfen. Ich hatte einfach nur Spaß an der Musik.“ Und noch heute besitze die Musik den größten Stellenwert in seinem Leben, sagt Balder, der folglich problemlos in die Rolle schlüpft.

Eingerahmt in eine düstere Hotel-Atmosphäre im biederen Stil der 70er Jahre lässt Maccarone ihre Figuren auf langen Fluren einander begegnen, manchmal flüchtig, mal nachhaltig. „Ein Hotel ist ein Ort, wo sich viele Schicksale kreuzen und wo sich über die Jahrzehnte unendlich viele Geschichten abgespielt haben“, sagt Maccarone, die sich von Stanley Kubricks „Shining“ inspirieren ließ. Ferner steuerte die frühere Texterin von Udo Lindenberg nun gemeinsam mit Balder die Musik bei, darunter den Hauptsong „Alles steht still“.

Inmitten dieser Stimmung treffen auch Borowski und Jung, herausgelöst aus ihrem normalen Alltag, erneut und doch neu aufeinander. Wenn die Autoren den heimlich einander Begehrenden bislang noch kein Happy End gestatten, erlaubt Maccarone ihnen zumindest für einen Moment die Erfüllung ihrer Sehnsüchte. So fasst Borowski, an seinem Geburtstag von Einsamkeit gequält, den Mut und beginnt eine Romanze mit der durchaus romantisch veranlagten Frieda.

„Borowski und die Sterne“ ist ein gewohnt leiser Krimi aus Kiel, der von Siegern und Verlierern erzählt, von zerplatzten Träumen, aber auch von Hoffnungen. So ist das Spannendste an dem Fall, ob die Liaison von Borowski und Jung eine Zukunft hat.

(Jana Werner, ddp)