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Medien & TV „Tagesthemen“-Moderator Ingo Zamperoni: „Recht hat stets zwei Seiten“
Nachrichten Medien & TV „Tagesthemen“-Moderator Ingo Zamperoni: „Recht hat stets zwei Seiten“
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06:01 12.11.2018
Ingo Zamperoni, Moderator des neuen NDR-Formats „Das soll Recht sein?“ Quelle: Foto: Axel Heimken/dpa
Hamburg

Normalerweise erklärt Ingo Zamperoni in den „Tagesthemen“ die Welt – in der neuen Sendung „Das soll Recht sein?“ diskutiert der Journalist nun am Montagabend im NDR mit Schöffen über knifflige Gerichtsprozesse.

Herr Zamperoni, haben Sie
in der US-Wahlnacht
geschlafen?

Wenig! Weil die Ergebnisse erst früh morgens alle bekannt sind, wollte ich mir eigentlich nicht die Nacht um die Ohren schlagen. Aber als ich nach den „Tagesthemen“ gegen 0.30 Uhr heimkam, hab’ ich kurz mal den Fernseher eingeschaltet – und saß dann doch bis 3.30 Uhr davor.

Und welcher Ingo Zamperoni saß dort: der Journalist, der Bürger oder der Mann einer Amerikanerin?

Alle drei. Der Journalist hat es schließlich schon in den „Tagesthemen“ zuvor breit behandelt. Die Wahlergebnisse aus Wisconsin oder Chicago haben mich schon deshalb interessiert, weil wir dort Familie haben. Und der Bürger ist natürlich immer politikinteressiert.

Wurden Sie auch ein bisschen von Panik vor den Bildschirm getrieben, der Demokratie drohe nach
Brexit
und Trump der nächste Tiefschlag?

Als europäisches Produkt einer deutschen Mutter und eines italienischen Vaters, der ein halbes Jahr in England zur Schule gegangen ist, traf mich der Brexit in der Tat, als würde jemand mit mir Schluss machen. Das hab’ ich echt persönlich genommen. Weil ich bei Trumps Wahl als Korrespondent in Washington war, konnte ich da hingegen in den Arbeitsmodus schalten, um jenseits persönlicher Befindlichkeiten neutral zu berichten. Jetzt allerdings war es absehbar, dass Trump den Senat hält und das Repräsentantenhaus verliert. Der Präsident verliert oft in Zwischenwahlen eine der zwei Kammern.

Spricht das für die „Checks and Balances“ der amerikanischen Gesellschaft?

Ja, denn dass Exekutive und Legislative über volle Amtszeiten in der Hand einer Partei sind, wird von den Midterms oft effektiv unterbunden. Jetzt liegt etwa die Haushaltshoheit künftig auch bei den Demokraten, Trump kann also nicht uneingeschränkt durchregieren, und Amerikas Rechtsstaat zählt nach wie vor zu den verlässlichsten, wir haben ja gesehen, dass die Gerichte der Regierung nicht alles durchgehen lassen.

Wie groß ist Ihr Vertrauen denn in den deutschen Rechtsstaat?

Sehr groß! Gerade im Vergleich mit vielen anderen Ländern können wir uns über seine Verlässlichkeit absolut glücklich schätzen.

Trotz der drei kontroversen Urteile, die Sie in „Das soll Recht sein!“ vorstellen?

Im Gegenteil: wegen! Rechtsstaatlichkeit hat stets zwei Seiten, von denen die eine mit Rechtssicherheit zu tun hat, während die andere von der Qualität des Anwalts, juristischen Interpretationsspielräumen, dem persönlichen Eindruck oder dem allgemeinen Rechtsempfinden abhängt. Nicht alles, was rechtens ist, mag als richtig empfunden werden. Zugleich allerdings muss irgendwann auch mal Rechtsfriede einkehren und nicht jeder Fall kann immer wieder aufgerollt werden. Auch das soll der Dreiteiler aufzeigen.

Machen Sie den eigentlich als Journalist oder als Jurastudent früherer Tage?

Wieder beides, obwohl ich als Nebenfächler kaum Strafrecht gemacht habe. Journalisten und Juristen bewegen sich ja beide im Spannungsfeld von Recht und Interpretation, Fakten und Fairness. Aber weil ich mal ein Seminar über die Mauerschützen-Prozesse gemacht habe, deren Handlungen ja auf damaliger gesetzlicher Grundlage geschehen sind, kitzeln mich rechtliche Fragen seit meinem Studium schon sehr.

Warum haben Sie sich als Diskussionspartner Schöffen statt Richter gesucht?

Weil ich es spannend finde, dass sie zwar keine reinen Laien von der Straße sind, die keinerlei juristische Vorkenntnisse haben, aber auch keine Experten mit professionellem Tunnelblick. Ihr Kenntnisstand reichte übrigens nie weiter als der des Publikums im Moment der Sendung – mit mir als Advocatus Diaboli dazwischen.

Waren Sie selbst – als Schöffe, Zeuge oder Angeklagter – je vor Gericht?

Nie. Und Letzteres darf auch gerne so bleiben.

Könnten Sie denn, wenn man Sie zum Schöffen beriefe, die Empörung über Straftaten oder juristische Winkelzüge wie in der Sendung zügeln?

Ich glaube schon, das gehört ja auch beruflich zum Anforderungsprofil. Mein Job ist es nicht, mir Zustimmung für gleiche Ansichten zu holen, sondern Gegenpositionen herauszukitzeln. Ich bin da also nicht dauernd innerlich zerrissen, diese Ausgeglichenheit ist absolute Routine.

Sie haben also auch kein Wutkissen unterm Moderationstisch, in das Sie beim populistischen Irrsinn vieler Nachrichten und Gesprächspartner heimlich hauen?

Nein, das ist der journalistische Anspruch an mich und andere. Schließlich ist es ein Privileg, unterschiedlichste Menschen verschiedenster Ansichten zu interviewen. Und was ich dabei immer garantiere, sind Fairness, Ausgewogenheit, nie eine Agenda zu pushen – und sei sie mir privat noch so nah; das würde mir schnell auf die Füße fallen, ganz gleich, ob ich es in den „Tagesthemen“ mache oder in „Das soll Recht sein?“.

Ist das Format für Sie eigentlich Abwechslung, Seitenpfad oder Baustein, um das Portfolio zu vervollständigen?

Also in diesem Fall war es einfach die Lust, etwas Kreatives zur ARD-Themenwoche Gerechtigkeit beizusteuern. Dennoch habe ich beim Angebot als Erstes geschaut, wie sich das in meinen Alltag bei den „Tagesthemen“ einbinden lässt.

Lassen die durch den Wochenzyklus denn nicht genug Zeit für Ausflüge?

Na ja, in der Arbeitswoche kommt meine Familie wirklich radikal zu kurz, das muss und will ich in der freien Zeit unbedingt nachholen. Und weil ich montags nach sieben Tagen Einsatz mental auch erst mal platt bin, bleibt da auch nicht allzu viel Spielraum.

Zur Person

Ingo Antonio Zamperoni kam 1974 in Wiesbaden zur Welt. Der Sohn einer Deutschen und eines Italieners studierte Amerikanistik, Jura und Geschichte an der Universität Konstanz. Beim NDR absolvierte er sein Volontariat und arbeitete ab 2002 als Autor und Reporter für die „Tagesschau“ und die „Tagesthemen“. Im Jahr 2012 wechselte er als Moderator zu den „Tagesthemen“. Zamperoni ist mit einer US-Amerikanerin verheiratet und hat drei Kinder. Er besitzt die deutsche und die italienische Staatsbürgerschaft.

„Das soll Recht sein?“ heißt das Format, das Zamperoni ab heute, 22 Uhr, im NDR moderiert. In einer Schöffenrunde diskutiert er einen juristischen Fall.

Von Jan Freitag

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