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Medien & TV „TV-Blondine" Gottschalk wird 60
Nachrichten Medien & TV „TV-Blondine" Gottschalk wird 60
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12:50 18.05.2010
So fühlt er sich am wohlsten: Gottschalk mit Michelle Hunziker und Heidi Klum (l) bei „Wetten, dass ...?“ im Januar.
So fühlt er sich am wohlsten: Gottschalk mit Michelle Hunziker und Heidi Klum (l) bei „Wetten, dass ...?“ im Januar. Quelle: ap
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Es war im September 1986. Im ZDF lief die TV-Show „Na sowas“: „Vorsicht“, sagte der langhaarige Fernsehmoderator zu einer 60-jährigen Artistin, „in Ihrem Alter erkältet man sich schnell mal die Eierstöcke“. Der 36 Jahre alte vorlaute Nachwuchsmoderator war kein Geringerer als Thomas Gottschalk, der sich mit dieser Bemerkung zahlreiche Negativschlagzeilen einhandelte. Nun hat ihn das Schicksal selbst ereilt: Er wird an diesem Dienstag 60.

Über den Geburtstag reden mag der Franke nicht gerne. Er feiere im engen Kreis, betonte er gegenüber Journalisten. Zu diesem „engen Kreis“ gehören dann aber auch ZDF-Intendant Markus Schächter, die Politiker Guido Westerwelle und Klaus Wowereit sowie Fußballexperte Günter Netzer. Eine Show zu seinen Ehren verbittet er sich: „Das Allerschlimmste wäre für mich, dass ich da nun auf einen Thron gesetzt werde, und es kommen die ganzen Lemuren meiner Kindheit vorbei, und Gus Backus singt noch mal ,Haben sie schon mal den Mann im Mond geseh’n?‘.“

Gottschalk selbst bezeichnete sich vor einigen Jahren als „Quotennutte“. Doch am liebsten würde sich der ehemalige Radiomoderator wohl manchmal lieber die Kopfhörer aufsetzen und einfach nur AC/DC hören. So wie wie damals in Kulmbach in Bayern, wo Gottschalk aufwuchs, als er Ende der sechziger Jahre in seiner Clique mit persianergrauer Pelzkappe mit Leninkopf und rotem Stern durch die Gassen stapfte.

Das Geheimnis seines Erfolges? „Alles nur durch Geschwätz“, sagt er selbst. Er war der richtige Mann an der richtigen Stelle, zur richtigen Zeit. Heute scheint es fast so, als hätte Frank Elstner damals nicht sich selbst, sondern den frischen Moderator vom Bayerischen Rundfunk im Kopf gehabt, als er „Wetten, dass ..?“ erfand. Mit dem Lockenkopf mit lauter Klappe jedenfalls kam der kontinuierliche Erfolg – woran auch die jüngsten Quotenrückgänge und die berechtigte Kritik am geschickten Platzieren von Produkten seiner Werbepartner nichts ändern können. Die erfolgreichste Show der Welt und der Charmebolzen sind eine Symbiose – Wolfgang Lippert musste kurzfristig 1992 und 1993 ran, eigentlich nur um zu beweisen, dass es doch nicht ohne Gottschalk geht. Fast alles, was Gottschalk außerhalb von „Wetten, dass ..?“ anpackte, missriet jedoch. Zumindest in den Augen der Kritiker und Fernsehmanager, die zweistellige Millionenquoten erwarten. Aber kann das ein einzelner Mann aus dem Stand leisten? Kann er nicht. Seine „Hausparty“ bei SAT.1, seine diversen ZDF-Formate wie „Gottschalk & Friends“ blieben deutlich hinter den Hoffnungen zurück. Auch sein RTL-Ausflug mit der Late-Night-Show „Gottschalk“ Anfang der neunziger Jahre scheiterte. In die Kritik geriet er vor allem, als er sich im November 1992 von Republikaner-Chef Franz Schönhuber vorführen ließ.

Seine Frau Thea lernte Gottschalk bei einer Faschingsparty 1972 kennen. Über die Ehe wurde oft diskutiert. Am US-Wohnsitz Malibu bogen sich manchmal schon die Äste unter den Fotografen, die ein zankendes Paar knipsen wollten. Keine Chance. Die vier Jahre ältere Thea, mit der er zwei Söhne (Roman und Tristan) hat, weiß warum: Thomas sei „skandalscheu“, sagte sie mal der „Bild“-Zeitung. Und er sei immer noch so aufmerksam wie in den Flitterwochen. Gottschalk jammert gerne, aber erträgt viel. Verärgert über die allzu private Berichterstattung der „Bunten“ gab er 1988 seine drei Bambis zurück. Als er 2001 den vierten bekam, nahm er die drei aber wieder dankend in Empfang.

Bisher hat Gottschlak 140 der 188 „Wetten, dass ...?“-Ausgaben moderiert. Sein Vertrag mit dem ZDF läuft bis Ende 2012. Gottschalks Antwort auf die Frage „Wie lange noch?“ lautet: „Solange ich keinen sehe, der das, was ich mache, besser macht, so lange gibt es keinen Grund, es nicht selbst zu machen.“

Für die Internetgeneration gehört Gottschalk freilich zum Großeltern-Fernsehen. Der ZDF-Moderator hat seinen Namen noch nie gegoogelt, weil er sich sonst ärgern würde. „Manchmal nervt mich auch die Rotznasigkeit jugendlicher Online-Journalisten, die alles wegbügeln wollen, was über 40 ist.“ Er weiß, dass ihm sein Publikum treu bleibt: „Die Zielgruppe, die mit mir aufgewachsen ist, wird ihren Draht zu mir nie verlieren und umgekehrt ich genauso wenig.“ Aber die Uhr tickt auch für ihn, das ist ihm bewusst: „Ich bin ja nicht unsterblich, auch wenn ich überraschenderweise so aussehe.“

dpa/ap