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Medien & TV Streit um Serie über die Kennedys
Nachrichten Medien & TV Streit um Serie über die Kennedys
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11:27 24.02.2010
Bieten Stoff für zahllose Serien und Filme: Die Kennedys. Quelle: dpa
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Es ist eine Familiengeschichte, die sich ein Drehbuchautor nicht packender hätte ausdenken können: Eine Familie - reich und schön - steigt zu den höchsten Gipfeln auf und stürzt immer wieder ab. Glück und Pech, Alkohol und Religion, Glamour und Tod, Macht und Sex - viel Macht und viel Sex - sind im Spiel. Die Kennedys haben Amerika und die Welt in den vergangenen sieben Jahrzehnten begeistert, verwirrt, beeindruckt oder vor den Kopf gestoßen. Jetzt soll das Leben der Dynastie verfilmt werden - von einem Konservativen. Und obwohl noch keine Minute gedreht ist, reden Linke schon von Rufmord an der großen Familie.

Es ist ein halbes Jahrhundert her, dass Amerika und die ganze Welt von Aufbruch träumte. Nach dem verdienten, aber alten Dwight Eisenhower wurde der junge Senator John F. Kennedy zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Blendend aussehend zog der Kriegsheld als zweitjüngster Präsident der US-Geschichte mit seiner bezaubernden Frau Jacqueline in das Weiße Haus ein. Ein modernes Traumpaar, das eine ganze Generation prägte.

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Doch der Tod gehörte immer zu der Familie. Johns ältester Bruder stürzte 1944 mit einem Bomber ab. Ein Sohn des Präsidenten starb im Weißen Haus, er selbst wurde 1963 in Dallas ermordet. Immer noch glauben hunderttausende Amerikaner an eine Verschwörung der Mafia, des US-Geheimdienstes CIA, der Russen, der Kubaner oder sonst wem. Dass der amerikanische Apoll von einem Verrückten mit einem Billiggewehr erschossen wurde, will man einfach nicht glauben. Johns jüngerer Bruder Robert wurde 1968 in Los Angeles erschossen. Seine Frau Jackie starb 1994 mit gerade 64. Sein Sohn John junior stürzte mit Frau und Schwägerin 1999 im Privatflugzeug ab. Der „Fluch der Kennedys“ ging durch die Gazetten, weil selten ein Familienmitglied alt und im Bett starb.

Viel Stoff also für eine Serie. Wenn die nur nicht von Joel Surnow gemacht würde, wettern die Linken. Surnow ist bekennender Konservativer und hat die erfolgreiche Serie “24“ erfunden, in der Kiefer Sutherland als Anti-Terror-Agent auch mal zu Folter als legitimem Mittel greift. „Das ist ein filmisches Attentat“, sagt der Filmemacher Robert Greenwald, der nach eigenen Angaben das Drehbuch kennt. Das werde „eine Seifenoper der billigsten Art“. Die „New York Times“ erinnert zwar daran, dass auch Greenwald politische Filme macht, und auch die konservativen Präsidenten Ronald Reagan und George W. Bush filmische Verrisse dulden mussten. Doch auch Historiker David Nasaw schimpft, dass die Drehbuchschreiber den Rollennamen ändern müssten, wenn sie ein Gewissen hätten. „Denn das alles hat nichts mit den Kennedys zu tun, wie ich sie kenne.“

Dabei muss man Kennedy-Skandale gar nicht erfinden. Vater Joseph machte einen Teil seines Vermögens mit geschmuggeltem Alkohol und erkaufte sich den Botschafterposten in London. Dort verspielte er die Gunst der Briten, weil er beim Angriff Deutschlands erstmal abwarten wollte, wer gewinnt. Sohn John wurde Kriegsheld, weil er die Matrosen seines sinkenden Torpedobootes rettete - was gar nicht gesunken wäre, hätte man nicht einen japanischen Zerstörer übersehen. Als Präsident orderte er eine Kiste Havanna-Zigarren, bevor er das Embargo gegen Kuba verhängte. Legendär sind die Frauengeschichten des Präsidenten, Marylin Monroe war nur die berühmteste Trophäe. Bruder Edward setzte im Suff ein Auto neben eine Brücke und machte sich davon. In dem Wagen starb eine junge Frau.

Die Kritiker fanden aber auch fachliche Fehler im Script. So werde nahegelegt, „JFK“ habe die Idee zur Berliner Mauer gehabt. Theodore Sorensen, einst enger Berater Kennedys, sagte der „New York Times“: „Jeder einzelne Dialog, bei dem ich angeblich dabei war, ist nie passiert.“ Surnow bittet um Geduld, noch sei ja nicht eine Sekunde der Serie gedreht. Ein Lieblingsfeind der amerikanischen Linken ist er trotzdem längst. Spätestens, seit er einen großen Aufkleber an seinem Auto spazieren fährt: „Kriege haben noch nie Probleme gelöst - außer Sklaverei, Faschismus, Nazismus und Kommunismus.“

dpa