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Medien & TV Steht Facebook vor Kehrtwende beim Datenschutz?
Nachrichten Medien & TV Steht Facebook vor Kehrtwende beim Datenschutz?
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13:38 11.11.2011
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New York

Facebook und US-Behörden stehen nach einem Bericht des "Wall Street Journal" kurz vor einer Einigung für mehr Datenschutz in dem Sozialen Online-Netzwerk. Das Unternehmen werde seine Nutzer künftig vor bestimmten Änderungen seiner Einstellungen zur Privatsphäre um Zustimmung bitten, berichtete das "Wall Street Journal" am Freitag. Die Vereinbarung müsse noch von der US-Handelskommission (FTC) gebilligt werden, hieß es. Ein Bündnis von zehn Datenschutz-Initiativen, unter ihnen das Electronic Privacy Information Center (EPIC), hatte sich im Dezember 2009 bei der FTC über Änderungen der Facebook-Einstellungen beschwert und dem Unternehmen eine Täuschung der Nutzer vorgeworfen. Damals machte Facebook Teile des Nutzerprofils standardmäßig öffentlich.

Die jetzt geplante Regelung sieht laut "Wall Street Journal" vor, dass Facebook sich eine Erlaubnis einholt, wenn bereits hochgeladene Nutzerdaten - etwa Fotos oder Statusmeldungen - einem größeren Kreis zugänglich gemacht werden, als ursprünglich vorgesehen war. Den in Deutschland umstrittenen "Gefällt-mir"-Button betrifft die Einigung nicht. Darüber hinaus soll sich das Unternehmen bereiterklären, 20 Jahre lang unabhängigen Überprüfungen seiner Datenschutzstandards auszusetzen. Facebook ist Marktführer bei den Online-Netzwerken und hat zurzeit weltweit mehr als 800 Millionen Nutzer.

Der für Facebook zuständige Hamburger Datenschützer Johannes Caspar begrüßte die sich abzeichnende Verpflichtung grundsätzlich - entscheidend sei jedoch "die Art und Weise, wie sie im Einzelfall umgesetzt wird". Das Unternehmen müsse die Nutzer transparent über die Datenverarbeitung informieren, das geschehe derzeit in vielen Bereichen nicht, sagte Caspar. Zudem sei die Freiwilligkeit wichtig: Mitglieder dürften nicht vor die Wahl gestellt werden, beispielsweise der Gesichtserkennung zuzustimmen oder gleich das Online-Netzwerk zu verlassen. "Gerade von Minderjährigen wird man kaum erwarten könne, dass sie sich einer für Ihren Datenschutz nachteiligen Änderungen der Nutzungsbedingungen widersetzen und aus dem Netzwerk ausscheiden."

Caspar hatte am Donnerstag im Streit um die Gesichtserkennung rechtliche Schritte gegen Facebook angekündigt. Der Datenschützer hält die Funktion nicht für rechtskonform. Das US-Unternehmen weist den Vorwurf zurück.

Schon seit einigen Monaten erkennt das Internetnetzwerk automatisch Gesichter auf den Fotos und fragt die Nutzer beim Hochladen, wer auf dem Bild zu sehen ist. Ist das Foto eines Nutzers erst mit einem Namen verbunden, erkennt ihn Facebook aufgrund der gespeicherten biometrischen Daten der Datenbank auf jedem neuen Foto automatisch wieder. Mehr als 450 Millionen Personen wurden nach Unternehmensangaben schon Fotos zugeordnet. Schätzungen zufolge werden pro Sekunde 1000 neue Gesichter erkannt. Sogar Nicht-Facebook-Mitglieder können so ohne ihr Wissen in die Datenbank gelangen.

dpa/frs/dsc