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Medien & TV Sonntag: Mord im Discounter
Nachrichten Medien & TV Sonntag: Mord im Discounter
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17:44 29.01.2009
Quelle: ddp
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Dem Toten auf der Müllkippe weint niemand eine Träne nach. Boris Blaschke (Andreas Windhuis) war in Ludwigshafen Leiter mehrerer Filialen der Discounter-Kette Billy, in der Mitarbeiterinnen für wenig Lohn ausgebeutet werden. Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Mario Kopper (Andreas Hoppe) stoßen bei ihren Ermittlungen auf ein System aus niedrigsten Preisen und maximalem Profit, das Menschenwürde mit Füßen tritt. Der Ludwigshafener „Tatort - Kassensturz“, den die ARD am Sonntag (1. Februar) um 20.15 Uhr ausstrahlt, wurde vor Drehbeginn vom realen Überwachungsskandal beim Discounter Lidl eingeholt.

Vor Start der Dreharbeiten im April vergangenen Jahres hatten sich noch einige Beteiligte gefragt, ob die Handlung nicht etwas übertrieben sein könnte, erinnert sich Regisseur Lars Montag, der bereits Odenthals „Tatort“-Debüt „Sterben für die Erben“ inszeniert hatte. „Und dann gab’s den großen Lidl-Skandal und alles erwies sich als noch schlimmer.“ Der Konzern war wegen der Bespitzelung von Mitarbeitern ein Bußgeld von rund 1,5 Millionen Euro auferlegt worden.

Odenthal und Kopper ist schnell klar, dass der Mörder im beruflichen Umfeld des Opfers zu suchen ist. Blaschke hatte einen Privatdetektiv auf seine Angestellten angesetzt, die einen Betriebsrat gründen wollten. Eine derartige Mitarbeitervertretung wusste der Discounter bislang zu verhindern, zur Not wurde selbst eine komplette Filiale geschlossen.

Tatsächlich wird der besonders engagierten Kassiererin Gisela Dullenkopf (Barbara Philipp) ein Diebstahl untergeschoben, um sie zur Kündigung zu zwingen. Als Odenthal herausfindet, dass Dullenkopfs Sohn nach der Kündigung durch Billy Selbstmord begangen hat, gerät die Verkäuferin unter Mordverdacht.

Aber auch in der Führungsriege des Discounters gibt es Nutznießer von Blaschkes Tod. Der skrupellose Günter Novak (Jan Henrik Stahlberg) übernimmt umgehend die Filialen des Toten und verschärft den Druck auf die überarbeiteten Angestellten, darunter auch Beate Schütz (Stefanie Stappenbeck). Die Ermittler entdecken, dass die junge Mutter ungewollt das Interesse gleich mehrerer männlicher Kollegen geweckt hat. Aber auch Filialleiterin Hannelore Freytag (Traute Hoess) hätte allen Grund zur mörderischen Gegenwehr gehabt.

Das „Tatort“-Team haben sich von Discounter-Mitarbeitern beraten lassen und die Schauspieler vor Drehbeginn zwei Abende in einer Filiale gearbeitet. „Alles hat so stattgefunden, oft sogar noch heftiger“, bekräftigt Regisseur Montag.

Der „Kassensturz“ soll die Zuschauer durchaus zum Nachdenken anregen. Viele Menschen seien schon aus Kostengründen darauf angewiesen, im Discounter einzukaufen, meint Montag. „Aber der ’Tatort’ wird doch von ein paar Millionen Zuschauern gesehen und führt das System Discounter, glaube ich, noch mal plastischer vor Augen als zum Beispiel eine gedruckte Reportage.“

Dies gelingt dem „Tatort“ etwa in einer Szene, als sich ein Kollege Odenthals von den Methoden der Discounter nicht überrascht zeigt. Wer Ware unter Wert einkaufen wolle, solle sich nicht wundern, wenn dafür Menschen auch unter Wert behandelt würden, belehrt er die Ermittlerin und hält Odenthal ihre im Discounter gekaufte Kekspackung entgegen. ddp

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