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Medien & TV So realistisch war „Der Rücktritt“
Nachrichten Medien & TV So realistisch war „Der Rücktritt“
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00:15 01.03.2014
NAH AM ORIGINAL: Anja Kling und Kai Wiesinger als Bettina und Christian Wulff am Tag des Rücktritts. Quelle: Stefan Erhard
Berlin

Was weiß man wirklich über die Kommunikation zwischen Christian und Bettina Wulff?

Was das Ex-Präsidentenpaar unter vier Augen besprochen hat, ob sie sich mehr stritten oder mehr, wie im Film gezeigt, aneinander festklammerten, muss über weite Strecken Fiktion bleiben. Die Wulffs haben nicht am Film mitgewirkt, und auch Bettinas Selbstenthüllungsbuch „Jenseits des Protokolls“ ist nicht Teil des Drehbuchs.

Wurde das Verhältnis zwischen Wulff und seinem Sprecher Olaf Glaeseker im Film authentisch dargestellt?

Wulff machen seine Fehler einsam, Glaeseker wird zunehmend nicht mehr um Rat gefragt, sondern nur noch als Prügelknabe benutzt. „Nah an der Wahrheit“, findet Glaeseker-Darsteller Holger Kunkel. Er hatte mit Glaeseker ein langes Gespräch. Als Wulff seinen Berater feuert, macht der sich mit einem fulminanten Film-Monolog Luft. Wulffs Unbelehrbarkeit habe „ihm schon in Hannover keine Freunde gemacht“, wütet Glaeseker, „trotzdem war es schön, ihn groß zu machen“. Nicht unwahrscheinlich, dass Glaeseker diese Sätze direkt ins Drehbuch geschrieben hat.

Gibt es Figuren, die vom Original abweichen?

Einige machten von ihrem Recht Gebrauch, nicht namentlich aufzutauchen, da sie nicht Personen der Zeitgeschichte seien. Wulffs Sprecherin Petra Diroll kommt nur als „Sprecherin“ vor, der Protokollchef bleibt namenlos. Kreditgeberin Edith Geerkens setzte durch, dass Zeitungsbilder von ihr verpixelt wurden.

Wie gut ist „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann getroffen?

Was Kai Diekmann vielleicht ärgert: Er hat nur einen Mini-Auftritt. Der allerdings hat es in sich. Der Film-Diekmann ist viel schmieriger, als es der reale „Bild“-Kommandeur selbst zu seinen ölreichsten Haareszeiten war. Grinsend drückt er den Anruf Wulffs weg und telefoniert lieber weiter mit seiner Redaktion, die Mailbox springt an. Ab diesem Moment ist klar, wer hier wen in der Hand hält.

War die Ausstattung der Schauplätze glaubwürdig?

Das Kammerspiel um Macht- und Kontrollverlust nimmt in öden Büros seinen Lauf, die das Präsidialamt darstellen sollen. Riesig und unbehaust wirkt das Präsidentenarbeitszimmer in Bellevue, vollgestellt und deplatziert die Hinterzimmer der Golf-Paläste. Der einzige menschliche Ort im Film ist ironischerweise die Küche der wulffschen „Klinkerhölle“ in Großburgwedel.

Weicht der Film der Frage aus, ob Wulff schuldig ist?

Wulff ist kein Opfer der Medien, sagt Regisseur Schadt, „weil er eine Eigenverantwortung für seine Handlungen und sein Krisenmanagement hatte“. Um juristische Schuld geht es dem Film nicht. Ihm geht es hauptsächlich um die Erosion der Beziehungen der Bellevue-Besatzung.